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Freestyle Schritt für Schritt zum großen Trick

08.03.2011 ·  Vom Trampolin über die Übungsschanze in die Schnitzelgrube: In der Freestyle-Akademie, einer riesigen Turnhalle für Snowboarder und Skifahrer, werden auch die wildesten Tricks trocken geübt. Erst wenn alles klappt, geht es in den Schnee.

Von Sebastian Eder, Laax
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Ein kleiner Junge, vielleicht 13 Jahre alt, nimmt all seinen Mut zusammen. Unter seine Füßen hat er ein Snowboard geschnallt, vor seinen Füßen geht es steil bergab. Er atmet noch einmal kurz durch, springt ein Stück nach vorne und rast den Abhang herunter auf eine Schanze zu. Er springt ab, dreht ein Rückwärtssalto, denkt er ist hoch genug um noch ein Salto dranzuhängen, versucht es und verschätzt sich. Nicht das Brett berührt zuerst den Boden, sondern sein Rücken, mit voller Wucht.

Meistens kehrt in so einem Moment Ruhe ein, oft begleitet von einem besorgten Raunen. In der Freestyle-Akademie in Laax, einer riesigen Turnhalle für Snowboarder und Skifahrer, reißen die Freunde des Jungen die Arme in die Luft und jubeln, von dem mutigen Snowboarder ist erst mal nichts zu sehen. Er ist verschwunden in der Schnitzelgrube, einem riesigen Becken voller Styropor-Würfe. Langsam kämpft er sich wieder an die Oberfläche, schnallt sein Snowboard ab und lässt sich von einem Freund ein Seil zuwerfen, an dem er sich zurück auf den wirklich festen Boden ziehen kann.

Simple Idee, komplizierte Ausführung

An der Talstation von Laax ist es dunkel geworden, vor zwei Stunden sind die letzten Gondeln Richtung Gipfel gefahren. Roger Heid ist gerade vom Berg gekommen, er hatte einen anstrengenden Tag. „Es war zu warm heute, da sind die Schanzen am Ende des Tages immer ziemlich mitgenommen, wir hatten noch einiges zu tun.“ Heid ist der Shaper des berühmten Freestyle-Parks in Laax, er hat mit seinem Team die Schanzen konstruiert, auf denen sich die besten Fahrer der Welt regelmäßig austoben.

Heid war es auch, der den Bauplan für Freestyle-Akademie vor einem Jahr auf einem Blatt Papier entworfen hat. Im Mai vergangenen Jahres begann er mit seinem Team in der Halle zu arbeiten, im Dezember waren sie fertig. Seine Idee war simpel, die Ausführung kompliziert. Er wollte Freestylern die Möglichkeit geben, einen neuen Trick Schritt für Schritt zu lernen, ohne die Risiken, die ein einfacher Versuch auf dem steinharten Schnee mit sich bringt.

Vom Trampolin über die Schnitzelgrube in den Schnee

„Die ersten Schritte zu einem neuen Trick werden auf dem Trampolin gemacht“, erklärt ein Trainer in der Freestyle-Akademie. Tagsüber arbeitet er auf dem Berg als Snowboard-Lehrer, abends weiht er neugierige Anfänger oder ehrgeizige Könner in die Geheimnisse der Akademie ein. „Klappt ein Trick auf dem Trampolin, könnt Ihr euch als nächstes von dem Trampolin in die Schnitzelgrube katapultieren. Das kommt dem Flug von der Schanze schon ein Stück näher“, sagt er zu seiner Anfänger-Gruppe, die allerdings kaum ein Auge für ihn hat.

Die Aufmerksamkeit zieht ein Junge aus sich, der sich wenige Meter neben dem Trainer meterweit in die Höhe katapultiert. Einmal, zweimal, dreimal schnalzt das Trampolin, er ist der Decke jetzt bedrohlich nahe. Noch einmal ertönt das schnalzende Geräusch, der Junge schleudert sich nach vorne, dreht sich um die eigene Achse, oben wir zu unten, unten zu oben, dann landet er im Schnitzelbecken. „Yeah, Double Cork“, ruft es von irgendwoher.

Shaun White hat Maßstäbe gesetzt

Der Artist taucht aus dem Becken auf, beifallheischend schaut er in die Runde, doch die Augen der meisten Zuschauer sind schon erwartungsvoll zur Big-Air-Schanze gewandert. Ein junge Frau fährt gerade auf Ski die Anfahrt herunter, macht einen Vorwärtssalto und landet sanft im Styropor. „Von der Schanze wird erst gesprungen, wenn Ihr den Bewegungsablauf eines Tricks auf dem Trampolin verinnerlicht habt“, versucht der Trainer die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Als letzten Schritt auf dem Weg zu einem neuen Trick hat das Team um Roger Heid noch einen 'Airbag' auf den Berg gebaut. Die Fahrer können dort von einer Schanze in ein riesiges Luftkissen springen. Und erst wenn der auch da klappt, so die Theorie, wagen die Snowboarder und Skifahrer den ersten Versuch im Park.

„Das Level des Freestyle-Snowboardens und Skifahrens wird in den nächsten Jahren durch solche Trainingsmöglichkeiten rasant ansteigen“, meint Heid. Das war schon vor den olympischen Spielen 2010 zu beobachten. Der Sponsor von Snowboard-Superstar Shaun White hatte dem Amerikaner eine Halfpipe mit Schnitzelgrube ins Hochgebirge gebaut. Mit einem Helikopter wurde White regelmäßig zum wohl privatesten Training aller Zeiten geflogen. Der Aufwand lohnte sich, Shaun White eignete sich einen Trick namens „Double Cork“ an und gewann Gold in Vancouver. Nur ein Jahr später haben jetzt in der Freestyle-Akademie in Laax schon Kleinkinder die Möglichkeit, Tricks fast ohne Verletzungsgefahr das ganze Jahr lang zu perfektionieren. Man darf gespannt sein, wohin das führen wird. Shaun White sollte sich schon mal überlegen, was er sich 2014 in die Berge bauen lässt.

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