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Frauen-Skispringen : Abflug in die Zukunft

Einst dachte man, dass der Mensch nicht fliegen kann: Dann kamen die Skispringer. Mittlerweile schweben auch schon Frauen über 200 Meter weit Bild: F.A.Z.-Jan Bazing

Eine Gräfin war 1911 die erste Skispringerin. Sie brachte es auf 22 Meter. Nun stehen die Frauen vor der WM-Premiere und hoffen auf Olympische Spiele. Der Deutsche Skiverband ist mit zwei Medaillenkandidatinnen gut gerüstet.

          Gräfin Paula Lamberg trug eine weiße Wollmütze und ein langes schwarzes Kleid. So bekleidet, stieg sie im Winter des Jahres 1911 die Kitzbüheler Skischanze hinauf und sprang im Männerwettbewerb mit 22 Metern die erste jemals offiziell gemessene Weite für eine Frau.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Ihr Auftritt war eine Sensation, er löste Diskussionen aus, die Männer-Stammtische noch lange beschäftigen sollten: Skispringen für Frauen - muss das sein? Noch in den Neunzigern verbreitete Gian-Franco Kasper, Generalsekretär des internationalen Skiverbandes (FIS) und verdienter Olympier, die Erkenntnis, die Emanzipation habe auf diesem Gebiet keine Chance, schließlich zerstöre beim Skispringen die Wucht des Aufsprungs die Gebärmutter der Frauen. Helmut Weinbuch vom Deutschen Skiverband fand überdies, die weibliche Wirbelsäule sei der Belastung bei der Landung nicht gewachsen.

          WM-Debut im Februar

          Kaspers und Weinbuchs hobbymedizinische Einschätzungen haben den Praxistest in den folgenden Jahren - Frauenspringen gibt es offiziell seit 1998 - allerdings nicht wirklich glorreich überstanden, im Gegenteil, die Frauen ließen sich die Lust am Fliegen nicht verderben, und nun stehen sie vor einem Jahr, das ihnen den großen Durchbruch bringen könnte. Bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften im Februar 2009 in Liberec in Tschechien wird Frauen-Skispringen zum ersten Mal auf dem Programm stehen.

          Proteste für die Emanziaption

          Der Deutsche Skiverband hat mit der 21 Jahre alten Ulrike Gräßler vom VSC Klingenthal und der zwei Jahre jüngeren Anna Häfele aus Willingen gleich zwei Medaillenkandidatinnen in seiner Flugschule. Der Start in diese Saison verlief für die deutschen Springerinnen nach Plan. Anna Häfele gewann in Park City mit Sprüngen von 89 und 94 Metern die beiden ersten Continentalcup-Springen (COC) dieses Winters.

          In Vancouver sprang Ulrike Gräßler auf Platz eins. Und mit Magdalena Schnurr aus Baiersbronn fliegt schon das nächste große Talent heran, in Park City landete die Sechzehnjährige auf dem vierten Platz. „Wir hoffen, dass wir unsere führende Rolle über den Winter bringen und in Liberec eine Medaille gewinnen“, sagt Bundestrainer Daniel Vogler.

          Das ganz große Ziel ist Olympia

          Die WM-Premiere ist ein großer Entwicklungsschritt für die fliegenden Frauen. Walter Hofer, Skisprung-Chef der FIS, sieht die Weltmeisterschaft als Absprung für das Frauenskispringen in eine Zukunft, die ihm die verdiente Aufmerksamkeit bescheren wird. Hofer bescheinigt den Frauen enorme Fortschritte in den vergangenen Jahren. „Ihre Leistungen“, sagt er, „sind absolut vorzeigbar. Woran es noch ein wenig fehlt, ist die Nationendichte.“ Dennoch denkt Hofer bereits über die Einführung eines Frauen-Weltcups nach. Bislang ist der Continentalcup mit acht Springen die höchstrangige internationale Wettkampfserie.

          Das ganz große Ziel ist Olympia. Im April nächsten Jahres entscheidet der oberste Gerichtshof der kanadischen Provinz British Columbia über eine Klage von zehn amerikanischen und kanadischen Skispringerinnen, die schon für 2010 die Aufnahme des Wettbewerbs ins olympische Programm von Vancouver erzwingen wollen. Sie klagen wegen Diskriminierung.

          Weiten wie bei den Männern sind drin

          Sowenig zu erwarten ist, dass dieser Klage stattgegeben wird, so wahrscheinlich ist aber auch, dass Frauen-Skispringen bei den folgenden Winterspielen 2014 in Sotschi ins olympische Programm rückt. „Auch wenn ich bis Sotschi warten muss, bin ich mit dann 26 Jahren nicht zu alt“, sagt Ulrike Gräßler. „Ich hoffe, dass uns 2014 endlich die Chance gegeben wird, bei Olympia zu starten.“

          Zum Skispringen kam sie über ihren Bruder, er animierte sie zu den ersten Hüpfern über die Sieben-Meter-Schanze. Heute landet sie schon mal bei 130 Metern, und das muss nicht das Ende sein. „Wenn wir aus höheren Luken starten und mehr Tempo machen, sind sogar irgendwann Weiten wie bei den Männern drin.“ (siehe auch: FAZ.NET-Spezial Heldinnen in Männerdomänen: Frauen, die sich was trauen)

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