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Veröffentlicht: 13.02.2013, 14:57 Uhr

Felix Neureuther Unterschenkel weghauen

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Kroaten oder Ihren Apotheker“, scherzt Skifahrer Neureuther nach dem Zusammenstoß im Parallelslalom mit Zubcic. Alpin-Direktor Maier fordert größeren Sicherheitsabstand. Renndirektor Hujara widerspricht.

© REUTERS „Wenn das blöd ausgeht, dann kann mir der Kollege den Unterschenkel weghauen“

Nach dem Zusammenstoß von Filip Zubcic und Felix Neureuther beim Team-Event der WM in Schladming hat der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier angeregt, über die Kurs-Abstände bei Parallel-Rennen nachzudenken. „Man kann die Sicherheitsstandards gar nicht hoch genug drehen, um wirklich hier alles bestens abzusichern. Deshalb glaube ich, dass es keinen Abbruch tut, wenn man einen Meter oder zwei auseinandergeht“, sagte Maier. „Deshalb ist das Rennen noch genauso spannend und der Zuschauer sieht genauso viel. Aber es geht um die Sicherheit der Sportler.“

Der Kroate Zubcic war im ersten Rennen weggerutscht und hatte Neureuther von den Beinen geholt. „Wenn das blöd ausgeht, dann kann mir der Kollege den Unterschenkel weghauen“, sagte der 28-jährige Deutsche. Ansonsten überwog bei ihm am nächsten Tag die Freude über den gelungenen Wettbewerb, den er bei Facebook mit einem Augenzwinkern kommentierte: „Bronze!!! Danke an das Team!! ...zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie die Kroaten oder Ihren Apotheker.“

Ski-alpin-WM - Herren - Team-Wettbewerb Kommt ein Konkurrent angeflogen: Filip Zubcic (r.) rutscht Felix Neureuther in die Quere © dpa Bilderstrecke 

Den Gewinn der Bronze-Medaille mit der Mannschaft bezeichnete Neureuther als „absolut genial“. Sein Dank galt vor allem dem überragenden Fritz Dopfer, der die besten Zeiten auf dem kurzen Slalom-Weg fuhrt. Mit hauchdünnen Siegen bewahrte Dopfer sein Team vor dem Ausscheiden und sicherte zudem die Bronzemedaille gegen Kanada. Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel lobte: „Der Fritz hat heute sein Meisterstück abgeliefert.“ Der Leistungsträger selbst sprach gewohnt bescheiden von „einem Mannschaftserfolg“, den Unfall zum Auftakt nannte er „eine Schrecksekunde für uns alle.“

Der Renndirektor der Internationalen Ski-Verbandes (Fis), Günter Hujara, sieht dennoch keine Möglichkeit, die Sicherheitsmaßnahmen bei Parallel-Rennen weiter zu erhöhen. „Die Sachen sind nie auszuschließen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. „Dass so was vorkommen kann, das ist allen bewusst. Wir haben keine Chance, da noch irgendwelche Protektoren einzubauen.“

Ohne den Neureuther-Unfall „runterspielen zu wollen, müssen wir damit Leben“. Man könne in einem Parallel-Wettkampf die Tore auch nicht „30 Meter auseinandersetzen“. Dem „Restrisiko in der Disziplin sind sich die Sportler bewusst“.

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Quelle: FAZ.NET/dpa

 

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