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Felix Neureuther Im Schatten der Power-Frau

14.11.2009 ·  Während Klubkollegin Maria Riesch schon ganz oben angekommen ist, strebt Felix Neureuther erst mal die Olympia-Qualifikation an. Nach Trainer-Wechsel und Bandscheibenvorfall hat er seine Erwartungen heruntergeschraubt.

Von Elisabeth Schlammerl
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Fünf Tage lang beherrschte die Sprungschanze das Blickfeld von Felix Neureuther. Sie steht in Ruka neben dem Quartier, das die deutschen Ski-Männer bezogen haben, um sich auf den Weltcup-Slalom am Sonntag im ein paar hundert Kilometer nördlich gelegenen Levi vorzubereiten. Der Slalomfahrer aus Garmisch-Partenkirchen joggte jeden Tag auf den Sprungturm hinauf und besah sich das finnische Ski-Resort, in dem Ende November traditionell die nordischen Kollegen in die Saison starten, von oben.

Schanzenläufe gehören zwar nicht zwangsläufig zum alpinen Trainingsprogramm, aber Neureuther fand das besser, als einsam durch die finnischen Wälder zu joggen. Obwohl er nicht alleine unterwegs ist - Fritz Dopfer und Stefan Kogler, die anderen beiden deutschen Starter am Sonntag, begleiten ihn auf der Nordtour -, trainiert er manchmal getrennt von den Kollegen. Im Mai stoppte ihn ein Bandscheibenvorfall, den Sommer verbrachte Neureuther deshalb im Osteo-Zentrum am Schliersee. Er musste sein Krafttraining umstellen. Die Aufwärmphasen dauern nun länger, und schon morgens im Bett bringt er seine Übungen zur Rückenstabilisierung hinter sich. „Das ist zwar alles sehr aufwändig, aber es macht sich schon bemerkbar“, sagt er. Der Rücken zwickt zwar zwischendurch noch immer, „aber es drückt nichts mehr auf den Nerv“. Außerdem intensivierte er das Training mit dem Life-Kinetiker Horst Lutz. Die etwas anderen Koordinationsübungen überzeugten Neureuther derart, dass er zusammen mit Lutz ein Buch veröffentlichte.

„Die Leute glauben schon, dass Maria schneller fährt als ich“

Mit 25 Jahren hat Neureuther schon einiges hinter sich. Kaum einmal gab es eine Vorbereitung ohne kleinere oder größere Komplikationen. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum es bisher etwas schleppend voranging mit seiner Karriere. Viele Jahre war er das Aushängeschild, zusammen mit Maria Riesch stand er für die Zukunft des alpinen Skisports in Deutschland. Es war keine einfache Zeit, weil die Herkunft die Erwartungen zusätzlich schürte. Mittlerweile hat sich der Rummel etwas gelegt, dass er Sohn erfolgreicher Skirennläufer ist, ist hinlänglich bekannt und längst keine Geschichte mehr wert. Außerdem ist ihm die Klubkollegin vom SC Partenkirchen trotz zweier Kreuzbandverletzungen enteilt und schon ganz oben angekommen. Maria Riesch gewann etliche Weltcup-Rennen, Kristallkugeln und als bisherigen Höhepunkt im vergangenen Februar WM-Gold - Neureuther hingegen wartet noch auf den ersten Sieg. Dass er mittlerweile im Schatten der Power-Frau Riesch steht, gefällt ihm offenbar nicht. „Die Leute glauben ja schon, dass die Maria schneller Slalom fährt als ich“, beschwerte er sich im vergangenen Winter einmal.

Damals war aber auch gerade sehr viel schiefgegangen. Zuerst gab es Probleme mit dem von seiner Firma neu konzipierten Slalomski, obendrein passte sein riskanter Fahrstil nicht zu dem aggressiven Material. Das alles verunsicherte ihn zunehmend. Am Ende standen zwar zwei dritte Plätze zu Buche, aber eben auch sechs Ausfälle in den zehn Saisonrennen. „Es musste sich etwas verändern“, sagt er. „Und dann ist es wie beim Fußball. Wenn es nicht läuft, wechselt man den Trainer aus.“ Zumindest wenn man von der Qualität des Skirennläufers überzeugt ist. Das Verhältnis zu Mario Weinhandl sei am Ende einfach nicht mehr zu kitten gewesen, stellte Sportdirektor Wolfgang Maier fest.

„Ich kann mit 95 Prozent Risiko schneller sein als mit 100 Prozent“

In den Österreichern Albert Doppelhofer und Manfred Widauer wurden gleich zwei neue Technikbetreuer installiert. Es herrsche nun, sagt Neureuther, „eine viel bessere Grundstimmung“. Außerdem habe er endlich verinnerlicht, was ihm schon einige Trainer sagten: „Ich kann mit 95 Prozent Risiko schneller sein als mit 100 Prozent.“ Dass in Karlheinz Waibel auch ein neuer Cheftrainer kam, hat allerdings mit ihm nichts zu tun. Nach dem schweren Radunfall von Christian Scholz vor gut einem Jahr war der Posten im vergangenen Winter unbesetzt. Der neue Mann hat die Strukturen etwas verändert und noch den Abfahrtstrainer ausgetauscht.

Das betrifft Neureuther allerdings nur am Rande, auch wenn er in diesem Winter wieder einmal einen Versuch in den schnellen Disziplinen starten will. In der kommenden Woche fliegt er nach Kanada, trainiert dort mit der Abfahrtstruppe und hofft auf einen Einsatz in Lake Louise. Das hängt aber wohl von seinem Abschneiden am Sonntag ab. Neureuther hat seine Erwartungen für Levi nach den Erfahrungen der vergangenen Saison etwas heruntergeschraubt. Vor einem Jahr war er mit dem Ziel Siegerpodest nach Levi gereist - und ausgeschieden. Jetzt würde er sich schon über Platz acht freuen, weil er damit für die Olympischen Spiele qualifiziert wäre. Vor vier Jahren hatte er die Norm verpasst, war aber dennoch nominiert worden und in Turin dann an seinen eigenen - wegen des Ticket-Geschenks - überzogenen Erwartungen gescheitert. „So etwas“, sagt er, „will ich nicht noch einmal erleben.“

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