Home
http://www.faz.net/-gtl-76fik
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Felix Neureuther im Gespräch „Der Instinkt will immer nur: Gas, Gas, Gas“

Felix Neureuther will der beste Slalomfahrer der Welt werden. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Kopf, Material, Konzentration und den ständigen Kampf zwischen Angriff und Taktik.

© dpa Vergrößern „Man muss immer die perfekte Schraubeneinstellung für dich selbst finden“: Felix Neureuther

Felix Neureuther galt lange als schneller, aber auch schnell ausgeschiedener Slalomfahrer. Nun hat er in dieser Saison so viele Weltcup-Punkte gesammelt wie nie zuvor: Mit 776 Zählern ist er Dritter der Gesamtwertung - obwohl er nur Slalom und Riesenslalom fährt. Bei der Ski-WM in Schladming startet der 28 Jahre alte Partenkirchner nach dem Teamwettbewerb am Dienstag noch am Freitag im Riesenslalom und am Sonntag seine Spezialdisziplin, der Slalom. Dort zählt Neureuther zu den großen Favoriten.

Mehr zum Thema

Sie fahren in dieser Saison außergewöhnlich konstant, sind noch kein einziges Mal ausgeschieden. Wie kam es dazu?

Hauptgrund ist, dass es vom Material her hundertprozentig passt. Ich kann mich bei jedem Rennen darauf verlassen, dass das funktioniert, was ich unter meinen Füßen habe. Das ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass man mit großen Selbstvertrauen in die Rennen geht. Auf der anderen Seite haben wir viel an der Konstanz gearbeitet, das war ja immer ein Manko in den letzten Jahren gewesen. Ich habe extrem viel Riesenslalom trainiert im Sommer, das hat mir sehr geholfen. Denn im Riesenslalom muss der Oberkörper stabiler sein, und das ist mir sehr zugutegekommen.

Sie haben sich also auch technisch verbessert?

Ja, das ist aber auch eine Folge des Materials. Ich muss nicht mehr so viel Zeit aufwenden für Materialtests, ich kann mich auf meine Technik konzentrieren und kann von Training zu Training daran arbeiten, dass die Technik besser wird. In der Vergangenheit habe ich eigentlich von Training zu Training nur geschaut, welches für mich das richtige Setup ist. Das ist jetzt nicht mehr der Fall.

Felix Neureuther © dpa Vergrößern „Ich bin immer noch ein Kritiker der neuen Riesenslalomski“

Sie haben sich auch im Riesenslalom enorm gesteigert. Welche Rolle spielten dabei die Materialänderungen vor dieser Saison?

Ich bin immer noch ein Kritiker der neuen Riesenslalomski, weil ich denke, dass das nicht die richtige Richtung ist, in die sich unser Sport bewegen sollte. Speziell für die Nachwuchsathleten ist es dadurch sehr schwierig geworden. Sie haben fast keine Chance mehr mit ihren körperlichen Voraussetzungen, die Ski richtig auf Druck zu bringen. Da mache ich mir große Sorgen, dass die Jugendlichen, die ja unsere Zukunft sind im Skisport, den Spaß verlieren. Mir kommt das mit den neuen Ski aber sicher zugute, weil ich es als Slalomfahrer gewohnt bin, einen viel kürzeren Druck zu fahren, viel aggressiver zu fahren, stärker die Knie in den Hang zu drücken als zum Beispiel ein Abfahrer. Das muss man mit den neuen Ski, die länger und weniger tailliert sind, noch extremer machen, damit man sie überhaupt um die Kurve bekommt. Das spielt den Slalomfahrern ziemlich in die Karten.

Im Slalom wirken Sie deutlich kontrollierter als früher. Wie lernt man so was?

Das hat sicher viel mit Erfahrung und Reife zu tun. Dass es jetzt so läuft, ist ein Prozess, in dem viele Bausteinchen zusammenpassen: das Material, ein perfektes Umfeld mit einem Spitzen-Trainerteam, die Arbeit an der Technik. Ich war nach der letzten Saison verletzungsfrei, musste nicht operiert werden, sondern konnte mich super auf die neue Saison vorbereiten.

Durchblick im Stangenwald: Neureuther hat in Schladming Großes vor © dpa Vergrößern Durchblick im Stangenwald: Neureuther hat in Schladming Großes vor

Muss man sich Slalomfahren als ständigen Kampf vorstellen zwischen Angriff und Taktik, zwischen dem Instinkt, so schnell wie möglich zu fahren, und dem Kopf, der sagt, hier machst du mal lieber ein bisschen langsamer?

Auf alle Fälle. Der Instinkt will immer nur: Gas, Gas, Gas. Ich musste erst mal lernen, auch mal ein bisschen rauszunehmen, ein bisschen zurückzustecken. Das hat bei mir im Slalom lange gedauert. Ich wollte oft zu viel auf einmal, mir konnte es eigentlich nie schnell genug gehen. Das war im Endeffekt der größte Fehler von mir. Weil ich dadurch zu hasardieren angefangen habe und nicht vernünftig weitergearbeitet habe. Sonst wäre diese Entwicklung, wie sie jetzt da ist, sicher drei, vier Jahre früher gekommen. Man muss immer die perfekte Schraubeneinstellung für sich selbst finden, und man muss das auch körperlich und mental im Griff haben - dass man an manchen Stellen ein bisschen rausnimmt und dann wieder Vollgas fährt. Das ist unheimlich schwierig.

Lässt sich diese innere Kontrolle trainieren?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Felix Neureuther Wieder ist die Kugel weg

Im letzten Slalom der Saison verpasst Felix Neureuther den großen Triumph über seinen ewigen Gegner Marcel Hirscher. Nach einem schweren Fehler bekommt der Deutsche wieder keine Kristallkugel. Mehr Von Elisabeth Schlammerl

22.03.2015, 17:44 Uhr | Sport
Wintersport-Samstag Siege für Neureuther und Frenzel

Felix Neureuther gelingt in Wengen sein zweiter Slalom-Sieg. Eric Frenzel ist bei den Kombinierern in dieser Saison zum vierten Mal erfolgreich. Und die Biathleten Simon Schempp und Arnd Peiffer landeten auf dem Podest. Mehr

17.01.2015, 20:09 Uhr | Sport
Slalom-Gesamtweltcup Neureuther will kein Trottel sein

Felix Neureuther will an diesem Sonntag die kleine Kristallkugel für den besten Slalomfahrer des Winters. Dafür reicht beim finalen Torlauf in Meribel schon ein vierter Platz – und genau das ist das Problem. Mehr Von Elisabeth Schlammerl

21.03.2015, 20:56 Uhr | Sport
Silber und Bronze im Slalom Furioses WM-Finale dank Dopfer und Neureuther

Was für ein spannendes Finale bei der Ski-WM! Die Deutschen Fritz Dopfer und Felix Neureuther landen noch auf dem Podest im Slalom. Der Sieg geht an einen Franzosen, weil der große Favorit ausscheidet. Mehr

16.02.2015, 13:18 Uhr | Sport
Armin Bittner im Gespräch Slalom ist irgendwie Roulette

Gewinnt Felix Neureuther an diesem Sonntag den Slalom-Weltcup, tritt er in die Fußstapfen von Armin Bittner. Ein Gespräch über Kristallkugeln, Superstars und falsche Taktik. Mehr Von Elisabeth Schlammerl

21.03.2015, 11:31 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.02.2013, 19:20 Uhr

Wo bleibt Frau Löw?

Von Michael Horeni

Männer trainieren Männer, Frauen trainieren Frauen: Beim DFB gibt es eine Geschlechtertrennung wie man sie auch in Saudi-Arabien oder in Iran nicht konsequenter betreiben könnte. Das ist in vielfacher Weise schädlich. Mehr 47 18