Home
http://www.faz.net/-gu7-75w0b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Felix Neureuther Endlich wie der Vater

 ·  Felix Neureuther muss sich die Zuneigung des Slalomhangs von Wengen hart erkämpfen. Nun zieht er mit seinem Vater endlich gleich. Es ist ein Sieg mit Ankündigung.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)
© dpa Vergrößern Starkes Stück: Felix Neureuther, stolzer Sieger von Wengen

Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Felix Neureuther musste sich die Zuneigung des nach links gekrümmten, tückischen Slalomhangs von Wengen mit den beiden Pisten Männlichen und Jungfrau hart erkämpfen. Und lange warten, bis er es seinem Vater Christian Neureuther gleichtun konnte, der hier vor 39 Jahren mit eingegipster Hand seinen schönsten Sieg feiern konnte. Fünf Hundertstel Vorsprung hatte der Papa dabei auf den Italiener Fausto Radici („der Mann mit dem Glasauge“), der Sohn bezwang die beiden besten Slalomfahrer der Gegenwart, Marcel Hirscher um 21 und Ivica Kostelić um 25 Hundertstel. Fritz Dopfer wurde Sechster und rundete einen Sonntag ab, an dem ja auch Viktoria Rebensburg gewann, und den Neureuther deshalb als „historisch“ bezeichnete. „Es ist schön, wenn wir mit den Damen gleichziehen können, das war nicht immer so.“

Sieg mit Ankündigung

Obwohl Felix Neureuther in Wengen bei acht Versuchen nie auf dem Podest stand, war es ein Sieg mit Ankündigung. Nicht nur weil er am Vorabend in einem Interview selbstsicher erklärt hatte: „Ich will einfach meine beste Leistung abrufen. Dann wird es für die anderen schwer, mich zu schlagen.“ Sondern auch, weil die Zahlen des Rennens mit einem ganz besonderen Countdown darauf hinwiesen. Vor drei Jahren war Neureuther 13., dann Neunter und im letzten Winter Fünfter. Man muss kein Rechengenie sein, um die nächste Zahl zu erraten.

Für Papa Christian Neureuther war Wengen nicht nur ein mythischer, sondern auch ein sentimental ganz besonderer Ort. „Hier ist der Mensch noch im Einklang mit der Natur“, sagt er. Und er erzählt auch die Geschichte, wie er beim Bijoutier in Wengen einen Armband-Anhänger in der Form eines „Schweinderl“ kaufte, das er auf der Kleinen Scheidegg seiner Rosi schenkte, die auf der andern Seite dieses Passes bei den Frauen-Rennen von Grindelwald startete. Das Schweinderl wurde zum Maskottchen, das sie auch bei ihren Olympiasiegen von Innsbruck bei sich hatte. Schon damals waren in Deutschland die Frauen erfolgreicher.

Für Felix Neureuther ist Wengen einer der großen Klassiker, und natürlich findet er es schön, dass er auch hier mit seinem Papa gleichziehen konnte - wie zuvor schon in Kitzbühel und beim Heimrennen von Garmisch. Wenn es so lange dauerte, bis er sich er sich auch hier durchsetzen konnte, lag das vor allem daran, dass er stets zu viel wollte. Dass er noch nicht der Felix Neureuther war, der er heute ist: nicht mehr der Unbändige, der zwischen Top und Flop schwankt, sondern der Techniker, der dank perfekter Arbeit im Training die ebensolche Abstimmung des Materials und damit auch die Konstanz gefunden hat. Die Rückenverletzung, die ihn im Herbst plagte und während sechs Wochen von den Pisten fernhielt, habe ihn lockerer gemacht, sagt er. Er habe gelernt, auch mal freies Fahren zu genießen.

Er freut sich unbändig auf die WM

Er weiß, dass sich nichts erzwingen lässt. Weil das so ist, freut er sich auch unbändig auf die Weltmeisterschaften in Schladming. „Meine ersten, bei denen die Voraussetzungen wirklich gut sind.“ Bei seiner Heim-WM, sagt er, habe er sich zu sehr unter Druck gesetzt, sich abgekapselt, nichts auf sich zukommen lassen und deshalb auch die erwartete Leistung nicht gebracht. Diesmal soll alles anders sein: „Ich habe nicht nur eine, sondern zwei Disziplinen, ich weiß, dass ich in Form bin. Und der ganze Druck wird diesmal auf dem Marcel lasten.“

Damit meint er Marcel Hirscher, seinen Freund aus Österreich, der die drei Slaloms vor Wengen gewann, mit dem er oft zusammen trainiert und mit dem er jetzt schon zum dritten Mal in dieser Saison gemeinsam auf dem Podest stand. Nach einem extrem spannenden Rennen, bei dem die ersten 15 nach dem ersten Lauf durch weniger als eine Sekunde getrennt waren. Neureuther war Zweiter und musste „Vollgas“ geben, um seinen Freund abzufangen. Sein Trainer Albert Doppelhofer hatte den Kurs gesetzt, und Neureuther staunte, wie schwierig er die Aufgabe machte, „doch das zeigte nur, wie groß sein Vertrauen in mich ist“. Dank drittbester Laufzeit (hinter Weltmeister Jean-Baptiste Grange und Manfred Mölgg) fing er Hirscher noch ab.

Es war ein Lauf, der auf Ivica Kostelić zugeschnitten war. Der Kroate verpasste zwar seinen vierten Wengener Sieg in Serie. Doch er freute sich über einen ganz besonderen Rekord. „Ich interessiere mich für Geschichte, auch für Skisport-Geschichte“, sagte er. „In der Superkombination vom Freitag holte ich meinen elften Podestplatz in Wengen. Elf Podestplätze am gleichen Ort schafften vor mir nur Ingemar Stenmark, Marc Girardelli und Didier Cuche. Das sind drei der größten Namen im Skisport, Stenmark und Girardelli waren meine Idole. Deshalb wollte ich auch im Slalom unbedingt auf das Podest und das Dutzend vollmachen.“

Ski alpin, Weltcup Männer, Ergebnisse:

Weltcup-Stand Slalom, nach 7 von 11 Wettbewerben:

1. Marcel Hirscher (Österreich) 600 Pkt.
2. Felix Neureuther (Partenkirchen) 484
3. André Myhrer (Schweden) 330
4. Manfred Mölgg (Italien) 265
5. Ivica Kostelic (Kroatien) 255
6. Alexis Pinturault (Frankreich) 248
7. Mario Matt (Österreich) 209
8. Fritz Dopfer (Garmisch) 186
9. Jens Byggmark (Schweden) 158
10. Manfred Pranger (Österreich) 142
...35. Philipp Schmid (Oberstaufen) 26

Weltcup-Gesamtwertung, nach 21 von 36 Wettbewerben:

1. Marcel Hirscher (Österreich) 935 Pkt.
2. Aksel Lund Svindal (Norwegen) 747
3. Ted Ligety (USA) 696
4. Felix Neureuther (Partenkirchen) 646
5. Manfred Mölgg (Italien) und Ivica Kostelic (Kroatien) beide 477
7. Alexis Pinturault (Frankreich) 454
8. Hannes Reichelt (Österreich) 371
9. Fritz Dopfer (Garmisch) 352
10. Kjetil Jansrud (Norwegen) 347
...46. Stefan Luitz (Bolsterlang) 100
...81. Tobias Stechert (Oberstdorf) 46
...87. Stephan Keppler (Ebingen) 34
...93. Philipp Schmid (Oberstaufen) 26
...109. Andreas Sander (Ennepetal) 14
...117. Philipp Zepnik (Halblech) 10
...134. Josef Ferstl (Hammer) 1

  Weitersagen Kommentieren (2) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Sergej Bubka im F.A.Z.-Interview „Wir werden die Krise überstehen“

Die russische Annexion der Krim bedeutet auch einen gravierenden Verlust für die ukrainischen Sportler. Im F.A.Z.-Interview spricht Sergej Bubka zudem über die aktuelle Lage, Gold in Sotschi und Lemberg 2022. Mehr

14.04.2014, 15:31 Uhr | Sport
Golf-Masters in Augusta Bill Haas übernimmt Führung

Am ersten Tag des Masters schickt sich Bill Haas an, die Erfolgsgeschichte seiner Familie fortzusetzen. Doch die Konkurrenz ist ihm dicht auf den Fersen. Auch Bernhard Langer spielt einen guten ersten Tag. Mehr

11.04.2014, 04:07 Uhr | Sport
„Cyberwar“-Themenabend bei Arte Die Drohne schlägt alles

Was ist asymmetrisch an modernen Kriegen? Laut eigenen Aussagen wissen amerikanische Drohnenpiloten nicht, ob sie Mörder sind. Und einem deutschen Hacker gelingt es per Tastendruck, die Wasserversorgung zu sabotieren. Mehr

15.04.2014, 15:00 Uhr | Feuilleton

20.01.2013, 21:13 Uhr

Weitersagen

Arroganz und Wirklichkeit

Von Michael Ashelm

Der Tote bei einem Protestmarsch in Rio de Janeiro belegt: Die Fifa, die während der WM am Ort des Protestes an der Copacabana im besten Hotel residiert, hat noch immer keinen richtigen Umgang mit den Problemen im Gastgeberland. Mehr 1 1