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Extrem-Skifahrer : Lächelnd in den Abgrund

Waghalsige Sprünge: Der Österreicher Fabio Studer beherrscht das Skifahren in Perfektion Bild: AFP

Imposante Pisten, schwerelose Auftritte: Die Freerider Fabio Studer und Markus Eder verwandeln das Extrem-Skifahren in einen Luftsport.

          Wenn man in den Abgrund springt, sollte man es mit einem Lächeln tun. So wie Fabio Studer. Er steht auf einem Gipfel oberhalb von Zermatt, unter ihm eine Piste, nein, keine Piste: ein Tiefschnee-Abhang mit Felsformationen rechts und links. Unten, die vielen winzigen Punkte, das sind die Zuschauer. Ihnen, den Fotografen und den Kamerateams soll Studer möglichst Spektakuläres bieten, und nebenbei will er seinen Gegner aus den Vereinigten Staaten besiegen, der nach ihm am Start steht.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Beim „Swatch Skiers Cup“ treten acht amerikanische und acht europäische Extrem-Freerider in einem Kontinentalwettkampf gegeneinander an, es sind die besten Freerider der Welt. Gewertet wird die Linie, die sie fahren, die Sprünge, die sie wagen, der „Style“, den sie zeigen, die Eleganz und Leichtigkeit, mit der sie den Hang bezwingen.

          Fabio Studer stammt aus dem Montafon in Österreich, er ist 26 Jahre alt und noch nicht lange im Kreis der Elite seiner Sportart. Aber er ist einer jener jungen Fahrer, die dabei sind, die Freeride-Szene umzukrempeln, ihr eine neue Richtung zu geben. In Zermatt haben sich die Fahrer vor ihm, alles erfahrene Kämpen, an der Mitte des Hanges orientiert, sind mehr oder weniger unfallfrei über Klippen und die ins Gelände modellierten Schanzen gesprungen. Die Zuschauer hatten ihnen zugejubelt, es war grandios, was die Fahrer boten. Doch nun kommt Studer. Und alles wird anders.

          Der Vorarlberger springt in den Abgrund. Rückwärts. „Switch“ nennen das die Freestyler. Sein erster Trick ist ein „Switch 540“, rückwärts anfahren, abspringen, anderthalb Umdrehungen, vorwärts im Steilhang landen. Dann zieht Studer weit nach links in Richtung Felsen. Bei der Besichtigung des Hanges hatte er dort tags zuvor ein Couloir ausgemacht, eine Felsrinne, extrem steil, zwei Meter breit im oberen Teil, vielleicht fünfzig Meter lang. „Ich hatte gehofft, dass dort keiner fahren würde, bis ich drankam“, sagt er. Und tatsächlich hatte es keiner gewagt, Studer ist der Erste und er bleibt der Einzige, der sich in die Rinne wagt.

          Traumhaft sicher durch das Couloir

          Was er in seinem Lauf bietet, ist der einsame Höhepunkt eines Freeride-Wettkampfes auf höchstem Niveau. Traumhaft sicher schlängelt er sich durch das Couloir, springt über einen Felsvorsprung zurück in den Hang, malt ein paar fließende Schwünge in den Schnee und beendet seinen Lauf mit einem makellosen „Cork 720“, einem gedrehten Doppelsalto über eine der Riesenschanzen am Ende des Steilhangs. Was für eine Vorstellung! Vielleicht das Beste, was man je in einem Backcountry-Slopestyle-Wettbewerb gesehen hat, die Zuschauer sind sich einig in ehrfürchtiger Begeisterung. So schwer und extrem die Piste, so schwerelos und federleicht der Auftritt. „Wow“, sagt der Schwede Kaj Zackrisson, Teamchef der europäischen Mannschaft. „Fabio hat wirklich einen unglaublichen Style.“ Und der Österreicher war nicht der Einzige, der beim 21:11-Sieg des Teams Europa einen Blick in die Zukunft des Extrem-Skifahrens bot.

          Auf eigene Gefahr: Die Piste beginnt für den Freerider dort, wo sie für den Hobby-Skifahrer endet
          Auf eigene Gefahr: Die Piste beginnt für den Freerider dort, wo sie für den Hobby-Skifahrer endet : Bild: Peter Mathis

          Der zweite Überflieger der Szene kommt aus Südtirol und ist erst 22 Jahre alt, er könnte fast der Sohn von Zackrisson sein, der in diesem Jahr vierzig Jahre alt wird. Auch Markus Eder zeigte in Zermatt, welche Dynamik die Freeride-Szene ergriffen hat. Bigmountain-Veteranen wie Zackrisson können mit den Sprüngen und Tricks, die die jungen Wilden aus den Funparks ins Gelände mitbringen, nicht mehr mithalten. Schwünge in supersteile Hänge zu ziehen, reicht nicht mehr. Fahrer wie Studer und Eder haben ein anderes Level erreicht. Sie haben aus dem Freeriden einen Luftsport gemacht. „Wir machen das Ganze ein bisschen spektakulärer“, sagt Studer - die Untertreibung des Tages.

          Extreme Tricks in extremen Hängen

          Er und Eder stehen beispielhaft für eine neue Generation, für Fahrer, die in ihrer Kindheit Alpinrennen fuhren, irgendwann den Spaß daran verloren, in die Parks gingen und dort jahrelang Sprünge übten, Tricks lernten, zwischendurch immer wieder im Gelände fuhren - und irgendwann beides verbanden. Alpin, Gelände, Freestyle - sie sind komplette, perfekte Skifahrer, und nur deshalb können sie extreme Tricks in extremen Hängen wagen. Die alpine Ausbildung war die Basis, aber schon lange ist das Pistenfahren keine Option mehr für sie. „Wenn es Tiefschnee hat, fahre ich Tiefschnee“, sagt Studer, „und wenn es keinen hat, fahre ich im Park. So werde ich das mein Leben lang weitermachen.“

          Und auch Eder trauert dem Stangentraining und einer Karriere als alpiner Rennfahrer keine Sekunde nach. „Da würde ich nie so viele coole Leute kennenlernen wie in der Freeski-Szene.“ Eine Szene, die er und Studer gerade aufmischen. „Ja“, sagt Eder, „es ist schon ziemlich schwer geworden für die eingefleischten Freerider, die nicht so viele Tricks draufhaben, mit den Jungen mitzuhalten.“ Nur abends bei den Partys sind die Alten immer noch eine Klasse für sich.

          Quelle: F.A.Z.

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