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Eisschnelllaufen Achtung, Rutschgefahr!

Die deutsche Eisschnelllauf-Branche hat nach und nach ihre Protagonisten und Zugkraft verloren. Die aktuelle Misere ist so groß, dass die einstige Galionsfigur Anni Friesinger Alarm schlägt.

© dpa Vergrößern Die Eislauf-Zeiten ändern sich: Aus dem Zugpferd Anni Friesinger wurde die Mahnerin

Schöne Welt des Gleitens, der eleganten Bewegungen. Dem Eisschnelllauf wohnt ein besonderer Reiz inne, und es gibt eine Menge Leute, die sich nicht sattsehen können am ewigen Kreiseln, Runde für Runde. Die auch Rennen über 5000 Meter oder zehn Kilometer genießen, obwohl auf solchen Strecken nicht unbedingt mit packenden Duellen Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann zu rechnen ist. Doch der Zauber schwindet.

Rainer Seele Folgen:  

Vielleicht nicht in den Niederlanden oder in Norwegen, wo man sich dem Eise traditionell eng verbunden fühlt. Oranje und das Eis zum Beispiel: eine runde Sache, im wahrsten Wortsinn, just wieder zu erkennen in Hamar, mit Ireen Wüst und Sven Kramer als Weltmeistern im Mehrkampf. War ja auch mal eine deutsche Domäne, wenigstens bei den Damen, aber das ist schon eine Weile her. Inzwischen schmilzt das Eis, es handelt sich um einen besorgniserregenden Klima-Wandel: In Hamar gab es erstmals seit 41 Jahren keine deutsche Finalteilnahme bei einer Allround-WM.

Das ganze Dilemma der Deutschen lässt sich auch der Rangfolge der erfolgreichsten Eisschnellläufer bei Weltmeisterschaften ablesen. Dort liegen Gunda Niemann-Stirnemann, Anni Friesinger und Karin Enke zwar immer noch auf den Plätzen eins, drei und vier - alle aber sind längst abgetreten.

Eine zum Teil selbstverschuldete Krise!

Die aktuelle Misere ist so groß, dass nun die einstige Galionsfigur Anni Friesinger Alarm schlägt. Achtung, Rutschgefahr! Fünf vor zwölf! Eine zum Teil selbstverschuldete Krise! Das lässt sich aus der Distanz leicht sagen, trotzdem trifft die Starläuferin von gestern den Kern. Die Trainerausbildung im deutschen Eisschnelllauf gilt ebenso wie die Nachwuchsförderung als verbesserungswürdig. Wobei der Zulauf zum Eisschnelllauf grundsätzlich geringer geworden ist, weil dieser Sport - trotz seiner Ästhetik - nicht über den modernsten Anstrich verfügt. Die fetten Jahre für die Deutschen sind jedenfalls vorbei.

Die Branche hat, vielleicht auch geblendet vom früheren Gold-Glanz, sukzessive an Protagonisten und an Zugkraft verloren. So sind auch die Aussichten für Olympia in Sotschi wenig verheißungsvoll. Zumal die ehemalige Sprint-Königin Jenny Wolf an Tempo eingebüßt hat, die streitbare Claudia Pechstein in die Jahre gekommen ist und Stephanie Beckert immer wieder vom eigenen Körper gequält wird.

Der Aufschwung der deutschen Herren ist nicht stark genug, als dass von ihnen plötzlich Medaillen erwartet werden könnten. Immerhin haben sie sich ein bisschen aus dem Schatten der Damen lösen können. Wie sich das jedoch entwickelte, wie der Vorsprung des einst so starken Geschlechts sich verkürzte, muss der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft zu denken geben. Sie bewegt sich, das ist ihr bewusst, auf brüchigem Boden. Allerdings nicht erst seit dem Einbruch von Hamar.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.02.2013, 20:38 Uhr

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Von Anno Hecker

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