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Eisschnelllauf Komödie um Sirup-Sauger

 ·  Eisschnelllauf interessierte in Amerika niemand. Bis Stephen Colbert Sponsor der amerikanischen Mannschaft wurde. Bislang machte sich der Fernsehstar über den erzkonservativen Sender „Fox News“ lustig. Jetzt verhöhnt er die kanadischen Olympiagastgeber. Das sorgt für Ärger.

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Man muss einem jungen Eisschnellläufer in den Vereinigten Staaten nicht erklären, welchen Stellenwert seine Disziplin genießt. Die Helden der Eisbahn kurven so gut wie nie über den Bildschirm. Und Legenden wie Eric Heiden, der 1980 in Lake Placid alle Strecken dominierte und fünfmal Gold gewann, verschwinden jedes Mal so schnell aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit, wie sie aufgetaucht waren. Umso härter trifft es die Athleten, wenn dann auch noch finanzkräftige Sponsoren Pleite gehen. Und zwar ausgerechnet in einem olympischen Winter.

So standen die Verantwortlichen des amerikanischen Verbandes US Speedskating neulich nach dem Konkurs der holländischen DSB-Bank vor einem Finanzloch im Umfang von 300.000 Dollar und suchten händeringend nach Hilfe. Alles war ihnen recht. Selbst die Unterstützung eines gewissen Stephen Colbert, der jeden Abend im Kabelfernsehen eine eine eigenwillige Comedy-Show mit politischem Einschlag abliefert.

Mit Sport hat Colbert, der in einem faszinierenden Rollenspiel egozentrische rechtskonservative Fernsehfiguren des Senders „Fox News“ karikiert, nichts am Hut. Mit schräger Public Relations jedoch durchaus. Und so verkündete er im November, dass er bei den Eisschnellläufern zwar nicht mit Geld einspringt, aber dafür mit persönlichem Engagement.

Als Gegenleistung tragen die Eisschnellläufer den Aufdruck „Colbert Nation“ auf dem Anzug. Der Begriff umschreibt die Fankultur rund um den Komödianten, der einst bei einem Galadiner des Presseclubs von Washington den damals amtierenden Präsidenten George W. Bush von Angesicht zu Angesicht mit seinem beißenden Humor in Verlegenheit gebracht hatte. Und die anwesenden Journalisten gleich noch dazu.

Colbert sammelte 200.000 Dollar

Colbert ist ein moderner Clown, der vor keiner Institution Respekt hat. So kam es bereits eine Woche nach der Unterzeichnung der Vereinbarung mit den Sportlern zu einem kleinen Eklat. Zwar hatten seine Aufrufe Tausende von Gönnern motiviert, ihren Teil zum Erfolg der amerikanischen Athleten beizutragen; Spenden in Höhe von rund 200 000 Dollar waren zusammengekommen. Aber in seinem satirisch-pseudopatriotischen Übereifer trat der Fernsehmann einem der Stars der Mannschaft auf die Schlittschuhe. Colberts Fauxpas: Er verhöhnte die Ausrichternation der Spiele, weil sie eine restriktive Politik gegenüber ausländischen Sportlern betreibe: „Kanada betrügt“, schimpfte er mit gespieltem Entsetzen. „Diese Sirup-Sauger lassen unsere Athleten nicht auf ihren olympischen Anlagen trainieren.“

Die Attacke provozierte weniger die Nachbarn im Norden, die es gewohnt sind, von ihren Nachbarn geringschätzig behandelt zu werden. Dafür jedoch den Amerikaner Shani Davis, der 2006 in Turin als erster Schwarzer eine olympische Goldmedaille in einer Wintersportart gewonnen hatte – im Eisschnelllauf über 1000 Meter. Colbert sei ein „Jerk“, sagte der 27-jährige Weltrekordhalter auf mehreren Strecken. Das Wort reicht in der Skala der amerikanischen Umgangssprache von „Trottel“ und „Idiot“ bis „Penner“ und „Arsch“. Davis meinte es ernst: „Das können Sie so drucken“, erklärte er dem überraschten Reporter.

Colberts Ironie war Davis entgangen

Die Kontroverse hatte auch ihr Gutes: Eisschnelllauf rückte endlich mal wieder in die Schlagzeilen der Sportseiten. Dabei wurde über die eigentlichen Gründe der Reaktion von Davis nur wenig bekannt. Die ersten Spekulationen lauteten: Der Amerikaner pflege freundschaftliche Verbindungen zu kanadischen Eisschnellläufern, mit denen er vor Turin intensiv in Calgary trainiert hatte. Tatsächlich scheinen die Animositäten viel tiefer zu sitzen. Denn Colbert hatte während der Spiele von Turin in seiner Sendung Davis dafür kritisiert, dass der sich geweigert hatte, am Mannschaftswettbewerb teilzunehmen: „Manchmal muss man, wenn man schwarz ist, sein Ego zur Seite schieben und den individuellen Ruhm zum Wohle des Teams opfern.“

Die Ironie schien Davis offensichtlich entgangen zu sein. „Davis hat schon immer mit den Klischees zu tun gehabt, die andere Afroamerikaner davon abhalten, sich im Eisschnelllauf zu engagieren“, sagte der Sportjournalist und Olympia-Experte Philip Hersch in seinem Blog für die „Los Angeles Times“. Immerhin haben sich Davis und Kurzstrecken-Olympiasieger Apolo Anton Ohno ausbedungen, das Colbert-Emblem (ein C auf der Kapuze und ein kompletter Schriftzug auf dem Oberschenkel) nicht zu tragen, sondern diesen Platz für persönliche Sponsoren zu reservieren. Eine Entscheidung, die vom Verband respektiert wurde. Ohno hat keine Probleme mit dem Fernsehmann und sah durchaus die humorvolle Seite in der Kanada-Schelte. „Ich bin froh, dass sich Stephen Colbert eingeschaltet hat. Das sorgt für eine Menge Beachtung für unseren Sport. Wir können froh sein, dass uns so jemand hilft.“

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