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Eisschnelllauf Alle Macht den deutschen Damen

14.03.2011 ·  Bei den Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften in Inzell holen nur die deutschen Frauen Medaillen. Claudia Pechstein sieht ihren Erfolg als Lohn für den zähen Kampf um neue Anerkennung nach ihrer Doping-Sperre.

Von Rainer Seele, Inzell
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Auf die Frauen ist wirklich Verlass, im deutschen Eisschnelllauf hat das ja schon Tradition. Alle Macht den Damen – das galt nun auch bei den Weltmeisterschaften in Inzell, wo die Deutschen am Sonntag noch einmal eindrucksvoll in Erscheinung traten. Durch Jenny Wolf vor allem, die in der futuristisch anmutenden neuen Eishalle über 500 Meter zum vierten Mal in Folge den Titel holte. Danach offenbarte sich zumindest auf dem Eis Harmonie: Deutschland wurde mit Stephanie Beckert, Claudia Pechstein und Isabell Ost Dritter in der Teamverfolgung. Somit heimste die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) in Inzell insgesamt fünf Medaillen ein, allesamt errungen von der starken weiblichen Seite des Verbandes.

Die Berlinerin Jenny Wolf, die in Vancouver Olympia-Gold verpasst hatte, setzte sich mit zwei imposanten Läufen souverän durch und erhielt danach höchstes Lob von Bundestrainer Stephan Gneupel: „Das war ganz große Klasse.“ Er pries nicht zuletzt die Nervenstärke der Sprinterin, die zuvor noch erzählt hatte: „Ich habe keine Reserven mehr.“ Immer wieder machen ihr gesundheitliche Probleme zu schaffen, deswegen ist auch unklar, ob Jenny Wolf über diese Saison hinaus dem Eis verbunden bleiben wird. „Ich merke“, sagte sie nach ihrem jüngsten Triumph, „dass mein Körper von Monat zu Monat abbaut. So kann ich nicht weitermachen.“

Meilenstein für Pechstein

Die Fährnisse des Sports kennt auch Claudia Pechstein zur Genüge, aber inzwischen scheint das Leben wieder leicht und unbeschwert für sie zu sein, und die Tränen in diesem Leben entspringen der puren Freude. Die Berlinerin hatte am Samstag ihr Gesicht immer wieder zur Seite gedreht, um ihre feuchten Augen zu trocknen, ihre Empfindungen hatten sie überwältigt. Es gab erfolgreichere deutsche Eisschnellläuferinnen in Inzell, und doch fühlte Claudia Pechstein sich auch als eine große Gewinnerin. Sie erweckte den Eindruck, dass auch der dritte Platz über 5000 Meter für sie einem Triumph gleichkam. Die Berlinerin sagte voller Genugtuung, dass dies die wichtigste Medaille ihrer Karriere sei, und nie habe Bronze schöner geglänzt.

Diesen Samstag in Inzell betrachtete sie als einen Meilenstein in ihrer Laufbahn, als den Lohn für ihren zähen Kampf um neue Anerkennung. Und für ihre Entourage gilt als sicher, dass Claudia Pechstein, die zu zwei Jahren Zwangspause verurteilt worden war wegen auffälliger Blutwerte, über kurz oder lang noch mehr Genugtuung erleben wird. „Der Tag wird kommen“, behauptete ihr Manager Ralf Grengel, „an dem Claudia vollständig rehabilitiert wird.“ Natürlich glaubt auch er, dass seiner Mandantin schreiendes Unrecht widerfahren ist. Bei Claudia Pechstein, sagte er, „wird die Wissenschaft noch ignoriert. Das geht auf Dauer nicht.“

Bach hat „sehr schöne Worte“ für Pechstein übrig

Immerhin stand die Berlinerin auch in Inzell in engem Kontakt mit der Spitze des deutschen Sports, mit Thomas Bach beispielsweise, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Sie glaubt, von Bach unterstützt zu werden. „Er hat Zeit für mich“, sagte sie auf alle Fälle zufrieden, man müsse ja auch darüber sprechen, „was da vielleicht so alles schief gelaufen ist“. Bach soll außerdem Claudia Pechsteins bemerkenswerte Inzeller Darbietung mit dem Begriff „Chapeau“ gewürdigt haben – er habe, sagte die 39 Jahre alte Berlinerin, „sehr schöne Worte“ für sie übrig gehabt.

Zuvor hatte sie sich in Inzell schon mit Michael Vesper, dem Generaldirektor des DOSB, getroffen. Womöglich ging es dabei um das Thema Olympia, um Sotschi 2014. Claudia Pechstein liebäugelt, obwohl dies die Regeln nach ihrer Sperre untersagen, trotz ihres fortgeschrittenen Alters mit einer Teilnahme an diesen Winterspielen. Die DESG hat dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden, zumindest sagte Präsident Gerd Heinze das am Samstag. Aber das hängt selbstredend auch von der weiteren Entwicklung von Claudia Pechstein ab. Heinze neigt da zur Vorsicht. Das vorläufige Hoch der Rückkehrerin, sagte er, sei noch keine Garantie für eine dauerhafte Leistungsfähigkeit.

Umarmung zwischen Rivalinnen

Claudia Pechstein genoss erst mal in vollen Zügen die Inzeller Tage, die Reizfigur des Eisschnelllaufs wähnte sich sehr willkommen im Kreis der Elite. Am Samstag hatte es sogar eine Umarmung mit ihrer Erfurter „Rivalin“ Stephanie Beckert gegeben, die Zweite über 5000 Meter geworden war und damit ihren Aufschwung dokumentierte. Ein bisschen Frieden also auch im deutschen Lager: „Ein Zickenduell“, betonte Claudia Pechstein, „kriegt ihr von mir nicht“. Ohnehin, sagte sie, sei sie inzwischen „eine andere Claudia“, angeblich sehr viel gelassener als früher, was auch an ihrem neuen Freund, einem Berliner Unternehmer, liegen soll.

Da konnte es doch nicht verwundern, dass dem DESG-Chef Heinze in Inzell das Herz aufging, die Frauen-Power imponierte ihm offenbar mächtig. „Die Frauen“, sagte Heinze, „ziehen die anderen nach wie vor mit.“ Nur mit einer einstigen Größe, just einer Inzeller Ikone, tat sich die DESG schwer: Die geplante Verabschiedung der zurückgetretenen Anni Friesinger kam nicht zustande.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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