Das Lachen von Anni Friesinger klingt etwas gequält. „Im Moment ist der Zeh grün, in ein paar Tagen wird er wohl braun sein“, sagt Deutschlands derzeit erfolgreichste Eisschnelläuferin. Doch nicht nur die schmerzhafte Kapselverletzung am linken kleinen Zeh bereitet der Olympiasiegerin ausgerechnet vor der Einzelstrecken-WM in ihrer Heimat Inzell (3. bis 6. März) mehr Probleme als erwünscht.
Der Erfolgsdruck lastet schwer auf den Schultern der 28jährigen. „Der Rummel in Inzell wird gewaltig sein. Ich versuche, das positiv zu sehen und einfach die Stimmung zu genießen. Ich möchte das so gut wie möglich ausblenden und mich auf den Wettkampf konzentrieren“, meinte die Titelverteidigerin über 1000 und 1500 Meter.
Nachdenkliche Powerfrau
Gleich viermal will Anni Friesinger an den vier Tagen in der 4200-Seelen-Gemeinde im Chiemgau an den Start gehen, und so spricht die ungewohnt nachdenklich wirkende Powerfrau auch von „zwei Seiten der Medaille“: „Der Vorteil ist, daß niemand die Bahn und ihre Eigenarten besser kennt als ich. Andererseits erwartet jeder eine Medaille nach der nächsten von mir. Ich bin schon mehr als zufrieden, wenn ich einen meiner Titel verteidigen kann.“
Von der Tatsache, daß sie mit vier Siegen Gunda Niemann-Stirnemann als Rekordweltmeisterin bei den Einzelstrecken-Konkurrenzen entthronen würde, will Anni Friesinger nichts wissen: „Wenn ich schon das Gerede von vier Goldmedaillen höre, kriege ich einen dicken Hals.“
„Hinterhältige“ Schmerzen
Der dicke Zeh wird jedenfalls während der WM keine Ruhe geben. Die Schmerzen seien „hinterhältig“, die ersten Minuten im engen Schlittschuh „geradezu ekelhaft“. Den für die Zeit nach der WM geplanten Skiurlaub hat sie bereits gestrichen. Vor dem Weltcup-Finale in Heerenveen hatte sie sich beim Aufwärmen an einer Eisenstange gestoßen und die Kapselverletzung zugezogen. Fünf Tage Eispause folgten.
„Da sitzt man in der Form seines Lebens im Hotelzimmer und dreht Däumchen. Das ist bitter“, sagt Friesinger, die nur hoffen kann, daß sich das Mißgeschick von Heerenveen nicht auf die WM auswirken wird: „Das wird sich am Donnerstag zeigen, aber schneller bin ich unter Garantie nicht geworden.“
Nächstes Kunststück?
Das Rennen um den Gesamtsieg im 1500-Meter-Weltcup hatte sie schon vor Heerenveen gegen die Kanadierin Cindy Klassen verloren, Claudia Pechstein hatte sie aber noch im Blick. „Ich wollte noch mal über die Langstrecke angreifen. Da lief es in dieser Saison sensationell bei mir. Immerhin habe ich auch Claudia, die Olympiasiegerin ist, geschlagen.“
Dieses Kunststück will sie in Inzell mindestens einmal wiederholen. Am Freitag kommt es über 3000 Meter zum ersten Duell Friesinger/Pechstein. Nach diesem Rennen will sich die Lokalmatadorin entscheiden, ob sie sich am Schlußtag über 5000 Meter abermals der Berlinerin stellt, oder ob sie ihren Titel über 1000 Meter verteidigt. Fest stehen Starts über 1500 Meter am Donnerstag und im Teamwettbewerb neben den Erfurterinnen Sabine Völker und Daniela Anschütz am Samstag.