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Eishockeyspieler Felski im Gespräch „Ost-Berlin-Sprechchöre mag ich nicht“

20 Jahre spielte Sven Felski stets für den selben Klub Eishockey. Doch die Knie machen nicht mehr mit. Im Interview spricht der „Bürgermeister“ über ein ehemaliges NHL-Angebot und seine Zukunft beim deutschen Meister.

© dpa Ein Traum geht in Erfüllung: Der Stürmer wird im 1000. Spiel zum sechsten Mal deutscher Meister

Anfang der vergangenen Woche hat Felski seine Laufbahn als Eishockeyprofi wegen mehrerer schwerer Knieverletzungen beenden müssen. Der Siebenunddreißigjährige spielte nur für die Eisbären Berlin und ihren Vorgängerklub Dynamo. In seinem 1000. Pflichtspiel am 24. April diesen Jahres wurde er zum sechsten Mal Meister mit den Eisbären. Zu den Erfolgen in der Deutschen Eishockey Liga steuerte der Publikumsliebling 224 Tore bei.

Darf ich Sie mit Herr Bürgermeister ansprechen?

Ja, das haben viele zu mir gesagt, das wäre nicht abwegig.

Können Sie vom Eishockey zurücktreten, weil Sie die Mission erfüllt haben, Herr Bürgermeister, die Stadt zu vereinen?

Ich bin ja immer bescheiden. Ich habe immer mein Bestes gegeben, für mich und meinen Verein. Und da das mein Heimatverein ist, fließt da sowieso ein bisschen mehr Herzblut. Ich hoffe, dass ich damit einen Beitrag dazu leisten konnte, dass sich Berlin in die richtige Richtung entwickelt hat und wir ein Gesamt-Berliner Verein geworden sind.

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Wie fühlt sich das an, wenn man als Siebzehnjähriger in einer Liga startet, die nur aus zwei Vereinen besteht, Ost-Berlin und Weißwasser, und ohne Vereinswechsel bei der Filiale eines internationalen Sport- und Unterhaltungskonzerns landet?

Sehr gut. Es ist beeindruckend, wie sich das alles entwickelt hat. Die ersten Jahre waren auch finanziell sehr schwierig, da musste man manchmal befürchten, dass es am nächsten Tag nicht weitergehen würde. Zum Glück hatte meine Frau eine sichere Arbeit. Für mich war das damals eine gute Schule. Ich wusste zu schätzen, dass ich in den letzten zehn Jahren dann das komplette Gegenteil erlebt habe mit sportlichem Erfolg, mit der Verpflichtung sehr guter Spieler, mit dem Umzug in die 02-World.

Konnten Sie das erhoffen, als Sie vor zwanzig Jahren ein Angebot der San José Sharks ablehnten, nach Amerika in die NHL zu wechseln?

Als Achtzehnjähriger denkt man gar nicht großartig. Da will man nur Eishockey spielen. Ich habe mich entschieden, in Berlin zu bleiben, weil ich erst mal mein eigenes Land kennenlernen wollte. Die Mauer war ja gerade erst gefallen. Im Nachhinein weiß man, dass es auch anders gegangen wäre. Klar wäre es schön gewesen, wenn ich in Amerika Millionär geworden wäre. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe.

Bild Felski 1 © dapd Vergrößern Immer nur Berlin: In seinem 900. Spiel trug der „Bürgermeister“ beim Auswärtsspiel in Nürnberg die entsprechende Nummer auf seinem Trikot

Sie werden Ihr Abschiedsspiel im berühmten Wellblechpalast geben. Ist das Ihr Bekenntnis zu Dynamo und „Ost-, Ost-, Ost-Berlin“, so wie es Fans heute noch rufen?

Die Sprechchöre „Ost-, Ost-, Ost-Berlin“ mag ich gar nicht. Wir sind ein Verein für ganz Berlin. Dynamo ist okay, das ist die Tradition des Vereins. Der Wellblechpalast steht für meine Wurzeln. Im Sportforum habe ich zum ersten Mal auf dem Eis gestanden. Als kleiner Eiskunstläufer. Mit elf bin ich zum Eishockey gewechselt. Dort habe ich meine ersten Spiele gemacht. Das ist auch eine Kultstätte. Die Leute, die mich kennen, freuen sich, dort mal wieder eine Veranstaltung zu haben.

Warum sind Sie nie innerhalb der DEL gewechselt?

Als Profi muss man in der kurzen Zeit, die man hat, so viel Geld wie möglich verdienen. Aber keines der Angebote hat das aufgewogen, was ich mit meiner Familie, mit meinen Freunden und meinem Umfeld in Berlin habe.

Sie halten mit 1812 Strafminuten den Liga-Rekord. Ist das ein Widerspruch dazu, dass Sie sich gemeinsam mit Bundespräsident Gauck gegen Gewalt engagieren? Oder passt das zusammen?

In unserer Sportart haben wir das Glück, dass wir uns ein bisschen auslassen können. Die Strafminuten sind ja auch dem Umstand geschuldet, dass ich tausend Spiele gemacht habe; da relativiert sich das. Früher war ich ein Heißsporn, ich konnte einfach nicht verlieren. Aber mit der Erfahrung wird man ruhiger. Im Privatleben bin ich ziemlich entspannt.

Bild Felski 2 © dapd Vergrößern Ausgezeichnet: Von Klaus Wowereit, dem echten Bürgermeister, erhielt der Eishockeystürmer am 01. Oktober den Verdienstorden der Hauptstadt

Es soll für Sie weitergehen bei den Eisbären, nicht wahr?

ich will jetzt alle Bereiche einmal durchleben und mich dann entscheiden, was wirklich, richtig Spaß macht. Ob das das Management sein wird oder eine Trainerlaufbahn im Nachwuchs oder wo auch immer, das kann ich noch nicht absehen. Deshalb muss man es mal machen.

Die Eisbären sind der Vorreiter. Wie sehen Sie die Situation des deutschen Eishockeys?

Ich glaube, dass es wirklich auf einem guten Weg ist. Wirtschaftliche Stabilität sorgt für sportliche Qualität. Eishockey hat mit Servus-TV endlich einen Sender, der Spiele überträgt. Viele Vereine, Köln und Mannheim und Iserlohn, haben gute Nachwuchsprogramme. Ich glaube, dass die meisten mittlerweile professioneller arbeiten. Nur so funktioniert es. Mich freut das. Ich habe ja nicht nur für meinen Verein gekämpft, sondern auch darum, unsere Sportart voranzubringen.

Bild Felski 3 © ddp Vergrößern Jubel im Nationaltrikot: 67 Mal spielte Felski für Deutschland - hier bei der WM 2010

Ihre Tochter ist Leichtathletin. Wünschen Sie ihr eine sportliche Karriere?

Das wichtigste für Kinder ist, dass sie sich bewegen, dass sie Sport treiben. Sie ist auch auf der Sportschule, klar, genau wie ich. Aber ob da später was bei rauskommt oder nicht, ist jetzt gar nicht wichtig. Die Entscheidung wird sie selbst treffen.

Sind Sie auch auf der Tribüne bei den Eisbären so gelassen?

Im Moment geht es ganz gut. Das wird bestimmt anders werden, sobald es in den Play-offs um die Wurst geht.

Die Fragen stellte Michael Reinsch.

Quelle: F.A.S.

 
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