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Eishockey Zurück zu den deutschen Tugenden

 ·  Der neue Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina bringt eine eigene Idee mit und hat damit zunächst Erfolg - sein Team gewinnt auf Anhieb den Deutschland-Cup.

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© dpa Vergrößern Mann mit Taktiktafel und Spielverständnis: Pat Cortina

Ein Anfang ist gemacht. Die drei Tage von München haben beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) die Hoffnung genährt, dass sie dieses Mal bei einer wichtigen Personalentscheidung richtig gelegen haben könnten und die kommenden drei Jahre für die Nationalmannschaft keine verlorenen Jahre werden. Pat Cortina bekam den zunächst bis 2015 befristeten Auftrag, als Bundestrainer die Auswahl auf einem Niveau zu etablieren, dass sie sich bei Großereignissen wieder im Kreis der erweiterten Weltspitze blicken lassen kann, ohne von der Konkurrenz von vornherein auf die Rolle des Punktelieferanten reduziert zu werden. Beim Deutschland-Cup am Wochenende erhielt Cortina die Gelegenheit, seine personellen Vorstellungen zu konkretisieren und Formationen zu testen - mit überraschend deutlichem Erfolg: Sowohl gegen Kanada (3:2) als auch die Schweiz (2:0) sowie letztlich gegen die Slowakei (2:0) glückten Prestigesiege, die alle Beteiligten als gutes Omen für den weiteren gemeinsamen Weg werteten.

„Wir haben viel gut gemacht. Danke an die Spieler für ihren Einsatz. Sie haben mit einer hervorragenden Einstellung und Enthusiasmus gespielt. Da kann ich nur sagen: ‚Weiter so“, bewertete Cortina die sportliche Beziehung in ihrem Anfangsstadium, die in München mit dem Turniersieg endete. Er fühlte sich nach den Eindrücken ermutigt und gab sich überzeugt, dass es für ihn die richtige Entscheidung war, die Aufgabe zusätzlich zu seinem Hauptberuf beim EHC München anzunehmen, den er erst im kommenden Sommer aufgibt. „Es ist das Nationalteam. Das ist natürlich was Spezielles. Die Spieler sind extra motiviert, die Atmosphäre in der Halle ist unglaublich. Das ist wie mit einer neuen Freundin.“

Auffällig waren Veränderungen im Abwehrverhalten, bei dem Cortina perspektivisch seine Idee durchsetzen möchte, dass „die Scheibe immer ganz einfach gespielt wird“ und dass alle Stürmer nach hinten mitarbeiteten. Anders als zuletzt ließ er in der eigenen Zone nicht mehr Mann gegen Mann spielen und höchstens einen Angreifer den Aufbau des Gegners stören; dafür wurde an der Bande konsequent gecheckt. „Wenn wir international erfolgreich sein wollen, müssen wir in der Defensive sicher stehen, sauber und schnell passen“, sagte der Italo-Kanadier Cortina, der davon sprach, dass er ein Freund „deutscher Tugenden“ sei: „Disziplin, Struktur und ein sehr einfaches System. Jeder muss verstehen, dass er nicht größer ist als das Team.“ Energie, Konzentration sowie taktisches Mitdenken seien bei ihm Voraussetzungen, um sich einen Stammplatz zu verdienen. Sobald Aktionen nach dem Abfangen des Pucks zu ungenau ausgeführt wurden, wurde es tatsächlich brenzlig; viele Kontersituationen gegen Kanadier und Schweizer überstanden die Deutschen nur dank ihrer sich abwechselnden Schlussleute Rob Zepp und Dennis Endras.

Der Deutschland-Cup war Castingshow und Trainingscamp zugleich. „Wir haben im Laufe der Saison nicht so viele Maßnahmen, deshalb war es wichtig, um sich als Team im Hinblick auf die Saisonhöhepunkte zu finden.“ Im Dezember folgen zwei Länderspiele gegen Russland und im Januar ein Kurzlehrgang. Dann muss Cortina bereits eine passende Mischung parat haben, um die Olympia-Qualifikation gegen Italien, Österreich und einen weiteren Qualifikanten vom 7. bis 10. Februar in Bietigheim-Bissingen zu überstehen. Den Fehler, die erfreuliche bayerische Momentaufnahme überzubewerten, machte diesmal niemand in der DEB-Spitze.

Anders als vor zwölf Monaten bei gleicher Gelegenheit, als Jakob Kölliker auch einen ordentlichen Einstand erlebte und anschließend mit Beifall überschüttet wurde, hielten sich die Schulterklopfer diesmal merklich zurück. Aus schlechter Erfahrung ist auch die Verbandsspitze um Präsident Uwe Harnos klug geworden, die nach den anfänglichen Hoffnungsschimmern unter Köllikers Regie den Schweizer am liebsten langfristig gebunden hätten, dann jedoch erkennen mussten, dass der freundliche Mann aus dem Kanton Bern der Aufgabe im Ernstfall nicht gewachsen war - und bei der WM im Mai mit dem zwölften Platz ein erschreckend schlechtes Resultat ablieferte. Köllikers Demission wurde zur Chance für Cortina, der nun das Glück hat, sich nicht nur kurzfristig beweisen zu müssen.

„Er macht seinen Job bislang sehr gut“

Die Spieler jedenfalls zeigten sich angetan vom künftigen Boss. Von einer eigenen Philosophie des Trainers zu sprechen sei zu Beginn des Kennenlernens „viel zu früh“, meinte Stürmer Christoph Ullmann zwar, doch die Eindrücke stimmten ihn optimistisch: „Er macht seinen Job bislang sehr gut.“ Ähnlich bilanzierte auch sein Mannheimer Kollege Marcus Kink. Bei den vielen Namen, die seit Juli auf der Suche nach einem Bundestrainer im Gespräch waren, sei der ein oder andere überrascht gewesen, dass die Wahl auf Cortina fiel. Aber schon bei der ersten Sitzung im Münchner Teamhotel sei jeder Spieler eines besseren belehrt worden: „Jetzt wissen wir, warum er es ist.“

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