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Eishockey-WM Eine Ehre - und eine harte Lehre

24.04.2009 ·  0:5 verliert die Eishockey-Nationalmannschaft das Auftaktspiel der WM gegen Russland. Der Titelverteidiger bestrafte jeden Fehler der Deutschen. Das Turnier kann nur zu einem Erfolg werden, wenn das Team in Zukunft disziplinierter auftritt.

Von Marc Heinrich, Bern
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Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat die Weltmeisterschaft mit einer nicht unerwarteten Niederlage und gleichzeitig auch mit der Gewissheit begonnen, dass die kommenden Tage in der Schweiz nur zu einem Erfolg werden können, wenn sie sich disziplinierter präsentiert. Gegen Titelverteidiger Russland verlor das Team von Bundestrainer Uwe Krupp am Freitag in Bern sein erstes Vorrundenspiel in der Gruppe B mit 0:5 (0:3, 0:0, 0:2).

Das deutliche Resultat spiegelte das Kräfteverhältnis in der mit 10.500 Besuchern besetzten Berner Arena jedoch nicht komplett: Zu Beginn und gegen Ende der Partie wogen Routine, individuelle Klasse und taktisches Geschick des Favoriten zweifellos schwerer als die beharrliche Einsatzbereitschaft des Außenseiters, der sich mit unnötigen Strafzeiten das Leben schwermachte. Ansonsten aber zog sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) in diesem von vornherein ungleichen Kräftemessen achtbar aus der Affäre.

„Das war ein guter Fingerzeig, was noch auf uns zukommt“, sagte Krupp in seinem Fazit. Besonders die kämpferische Einstellung seiner Profis dürfte ihm Mut gemacht haben für die kommenden, eher lösbaren Aufgaben. Deutschland trifft im zweiten Spiel auf die Schweiz und muss dann gegen Frankreich antreten. In beiden Fällen geht es für Krupp und seine Männer darum, sich mit Siegen eine gute Ausgangsbasis für die Zwischenrunde zu erspielen.

Der 24-malige Weltmeister, zählt man die Erfolge zu Zeiten der Sowjetunion mit, ging durch einen Doppelschlag von Oleg Saprykin (9. Minute) und Ilja Kowaltschuk (10.) in Führung. Sergej Zinowiew ließ mit seinem kurz darauf folgenden Treffer (16.) früh keinen Zweifel aufkommen, wer die erste Partie bei dieser Weltmeisterschaft gewinnen würde. Während den Deutschen bei allem Bemühen ein Tor verwehrt blieb, traf Anton Kurjanow noch zum 4:0 (43.), ehe Danis Zaripow zum 5:0-Endstand traf (52.).

„Wir wollen bei diesem Turnier für positive Überraschungen sorgen“, lautete das Motto, auf das Krupp seinen zwei Dutzend Mann starken Kader eingestimmt hatte. Bei ihrem Debüt taten sie ihr Bestes, um dieser Vorgabe nachzukommen, doch ihre couragierte Vorstellung genügte nicht, um hinterher mit mehr als einem nett gemeinten Kompliment des russischen Trainers Slawa Bykow dazustehen: „Es war ein hartes Stück Arbeit, bis wir die Deutschen im Griff hatten und es wie gewünscht für uns lief.“ Der Weltranglisten-Neunte begann hochkonzentriert und hatte sogar das 1:0 vor Augen, doch Verteidiger Christoph Schubert übersah den mitgelaufenen, völlig freistehenden Michael Wolf (3. Minute). „Sie haben jeden Fehler von uns postwendend bestraft“, sagte Kapitän Andreas Renz. „Aber wenn wir nicht wieder so oft auf der Strafbank sitzen, ist mir nicht bange vor dem, was noch kommt.“

Jochen Hecht wird den Erwartungen gerecht

Auch Jochen Hecht konnte an diesem frühen Freitagabend keine Wunderdinge vollbringen. Der NHL-Profi mit Mannheimer Wurzeln gab nach vierjähriger Pause sein Comeback in der Nationalmannschaft und übernahm als stellvertretender Kapitän gleich die Aufgabe eines Angriffsführers. Das negative Analyseergebnis seiner vor einer Woche in Nordamerika genommenen Doping-Probe traf vier Stunden vor dem Eröffnungsbully am Spielort Bern ein.

Der 31 Jahre alte Stürmer der Buffalo Sabres gehört damit wieder dem Testpool der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) an. Weil Hecht dem Nada-Kontrollprogramm zuletzt nicht mindestens sechs Monate angeschlossen war, hatte der DEB unter großem Zeitdruck einen Ausnahmeantrag gestellt (siehe auch: Jochen Hecht: Aus dem Haifischbecken zur Eishockey-WM). Trotz der knappen Eingewöhnungsphase und nur einem einzigen, kurzen Training mit seinen Kollegen wurde Hecht den Erwartungen gerecht, die sich der Bundestrainer von der Nominierung versprochen hatte. Auch weil er als Offensivkraft viel in der eigenen Hälfte mitarbeitete - wozu im ersten Abschnitt jede Menge Gelegenheiten bestanden.

„Wir können den Kopf trotz allem oben tragen“

Die Russen legten vom Start weg ein Tempo an den Tag, mit dem sie den Gegner konsequent unter Druck setzten und zu Fehlern zwangen. Hätte nicht der deutsche Torwart Dimitri Pätzold bis zur achten Minute fünfmal mit seiner Fanghand beherzt zugegriffen, hätte es früh noch schlechter ausgesehen. Doch mit zunehmender Spieldauer legten die Deutschen ihre Nervosität und den Respekt vor den prominenten Widersachern ab, von denen ein halbes Dutzend sein Geld in Amerika und Kanada verdient - als Dollar-Millionäre.

Die Stars, für ihre Kunststücke teilweise mit Szenenapplaus bedacht, demonstrierten ihre Klasse vor allem bei flotten Vorstößen nach der Scheibeneroberung in der eigenen Zone, mit denen sie die Abwehr der Deutschen regelmäßig auskonterten. „Wir können den Kopf trotz allem oben tragen“, sagte Renz, „die Russen haben alles gegeben, was sie haben.“ Und weiter: „Es war für uns eine Ehre und im besten Fall auch eine Lehre.“ Das war passend auf den Punkt gebracht.

Deutschland - Russland 0:5 (0:3, 0:0, 0:2)
Deutschland:

Tor: Pätzold (Hannover Scorpions) Abwehr: Schmidt (Iserlohn Roosters), Bakos (ERC Ingolstadt) - Butenschön (Adler Mannheim), Schubert (Ottawa Senators) - Osterloh (Frankfurt Lions), Moritz Müller (Kölner Haie) - Renz (Kölner Haie), Hördler (Eisbären Berlin) Angriff: Wolf (Iserlohn Roosters), Hackert (Adler Mannheim), Gogulla (Kölner Haie) - Hecht (Buffalo Sabres), Yannic Seidenberg (ERC Ingolstadt), Ullmann (Kölner Haie) - Felski (Eisbären Berlin), Alexander Barta (Hamburg Freezers), Kreutzer (DEG Metro Stars) - Travis Mulock (Tölzer Löwen), Hospelt (EHC Wolfsburg), Hager (Krefeld Pinguine)
Russland:

Tor: Brysgalow Abwehr: Nikulin, Proschkin - Wischnewski, Twerdowski - Kalinin, Atjuschow - Woltschenkow, Grebeschkow Angriff: Tereschenko, Saripow, Morosow - Pereschogin, Sinowjew, Kowaltschuk - Gorowikow, Radulow, Saprykin - Kurjanow
Schiedsrichter:
Persson/Vinnerborg (Schweden)
Zuschauer: 10.570
Tore: 0:1 Saprykin (08:14), 0:2 Kowaltschuk (09:37), 0:3 Sinowjew (15:25), 0:4 Kurjanow (42:53), 0:5 Saripow (51:52)
Strafminuten: 18 / 4


Ergebnisse der Eishockey-WM:

Gruppe A, in Zürich:

Weißrussland - Kanada 1:6 (0:2,0:0,1:4)
Slowakei - Ungarn 4:3 (1:0,2:1,1:2)

Gruppe B, in Bern:

Deutschland - Russland 0:5 (0:3,0:0,0:2)
Schweiz - Frankreich 1:0 (1:0,0:0,0:0)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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