Rich Chernomaz lacht, und das kommt selten genug vor. Der Trainer des ERC Ingolstadt ist nur schwer zufriedenzustellen. Aber auch kürzlich, in Berlin immerhin, hatte es nichts auszusetzen gegeben am Auftritt seiner Mannschaft, nicht viel wenigstens. Denn Chernomaz wird auch am Sonntag beim 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen den Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), die Eisbären Berlin, etwas gefunden haben, was besser zu machen ist. Dafür war allerdings nach dem Spiel nicht der richtige Zeitpunkt.
„Wir haben in der neutralen Zone starken Druck gemacht, und das war der entscheidende Schlüssel zu unserem Sieg“, sagte er nach dem ersten Erfolg gegen den Titelverteidiger in dieser Saison. Zwei Tage zuvor, beim 6:4-Sieg gegen die Kölner Haie, hatte sich das noch anders angehört. Chernomaz regte sich über „dumme, individuelle Fehler“ auf und über die Art und Weise, wie nachlässig Ingolstadt zu Beginn des letzten Drittels agiert hatte. Das, sagte der 48 Jahre alte Kanadier, dürfe man sich in den Play-offs nicht erlauben. „Das Spiel war gut, um daraus zu lernen, wie man gewinnt, wenn es wichtig ist“, sagte er und er wird auch bei der DEG am Freitagabend (19.30 Uhr) wieder alles von seinen Spielern fordern.
Der Ingolstädter Trainer denkt schon ein paar Wochen voraus. Mitte März beginnen die Play-offs, und dass Ingolstadt dann dabei sein wird, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Die Mannschaft liegt sechs Spieltage vor Ende der Hauptrunde punktgleich mit den Eisbären auf dem zweiten Platz. Für den Kölner Trainer Uwe Krupp waren die Ingolstädter schon zu Saisonbeginn ein Geheimtipp. „Sie haben richtig gute Spieler dazubekommen“, hatte der ehemalige Bundestrainer im September gesagt.
Ansprüche zu haben ist wichtig
Sportdirektor Jim Boni will nichts davon wissen, dass Ingolstadt zu den Titelfavoriten gehöre. „Sicher“, sagt er, „in der letzten Zeit sind wir ein Topklub“, aber trotz eines gut aufgestellten Sponsorenpools, zu dem der ortsansässige Autokonzern gehört, sieht er den ERC Ingolstadt wirtschaftlich gegenüber den Adlern Mannheim, den Eisbären Berlin und den Hamburg Freezers im Nachteil - und erwähnt lieber nicht, dass der Verein in der Tabelle der Gesamtetats mit 6,5 Millionen Euro nicht mehr weit dahinter liegt. Natürlich sei es das Ziel, gibt Boni zu, „dass wir uns weiterentwickeln“.
Die Panther waren da früher schon auf einem guten Weg gewesen. Dreimal standen sie bereits im Halbfinale, das letzte Mal vor zwei Jahren, da scheiterten sie am späteren Meister Hannover. Ansprüche zu haben sei wichtig, sagt Boni, „aber manchmal muss man die Erwartungen auch bremsen“. Er weiß, dass es auch wieder Rückschritte geben kann. Das hat Ingolstadt im vergangenen Jahr erlebt, als sie froh waren, sich am Ende doch noch direkt für die Play-off-Runde qualifiziert zu haben. Trainer Greg Thomson musste nach nur elf Spieltagen gehen, und mit dem neuen Mann an der Bande, Chernomaz, gab es einige Anpassungsschwierigkeiten. „Die Spieler mussten sich an den Trainer gewöhnen“, sagte Boni, „aber der Trainer auch an die Spieler.“
15 Profis mit mehr als 30 Jahren
Und der Sportdirektor ebenfalls an Chernomaz. Der setzte in der für den Verein sportlich schwierigen Situation mit vielen Verletzten vor allem auf erfahrene ausländische Profis, worüber sich einige junge Deutsche in der Mannschaft beschwert haben sollen. Und auch bei der Personalplanung für diese Saison legte Chernomaz mehr Wert auf Routine als auf Perspektivspieler. Der 24 Jahre alte Felix Schütz wechselte zum Beispiel nach langem Hin und Her und einigen Reibereien mit dem Trainer zu den Kölner Haien.
Ingolstadt holte elf neue Profis, im vergangenen September waren 15 von allen zusammen älter als 30 Jahre. Die Oberbayern stellen damit den ältesten Kader der Liga. Das Alter sei doch kein Problem, sagt Coach Chernomaz. „In der NHL spielen auch 40-jährige Profis noch eine gute Rolle.“ Viel wichtiger sei doch, dass diese Mannschaft „gieriger nach Erfolg ist“, als das im vergangenen Jahr noch der Fall war.
Weg wird weitergegangen
Seine Philosophie passt nicht ganz zu der, die Boni mit Ingolstadt verfolgt hatte. Der Sportdirektor wollte junge deutsche Spieler etablieren und hielt noch nach dem Viertelfinal-Aus im vergangenen März gegen die Berliner Eisbären an diesem Programm fest. Man werde diesen Weg weitergehen, hatte er damals angekündigt. Nun unterstützt er vehement den Kurs des Trainers.
„Es gibt im Eishockey keine alten oder jungen Spieler, es gibt nur gute oder schlechte Spieler“, sagt Boni: „Auf eine gute Mischung kommt es an.“ Die scheint beim ERC Ingolstadt in dieser Saison gefunden - auch wenn der kritische Trainer Rich Chernomaz manchmal etwas anderer Meinung ist.