Zampano Hans Zach entgeht nichts. Da hat doch neulich der Florian Keller nicht entsprechend gejubelt, als seinem Mannschaftskameraden von den Eisbären Berlin ein Treffer gelungen war. Es geschah in der Partie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen die Kölner Haie. Zach steht bei denen als Coach an der Bande, aber er ist zugleich auch Bundestrainer. Als solcher beäugte er in jenem Moment den Nationalmannschaftskandidaten. Da ist der Keller Florian dann halt durchgefallen. "Emotionen gehören auch dazu", sagt Zach. Deshalb also keine Berufung in den erlauchten Kreis für den Deutschland-Cup übers Wochenende in Hannover. Keller schmort in der Warteschleife, darf demnächst beim Suisse-Cup mittun, während andere in den Tagen von Hannover schon mal vorspielten.
Die Neulinge überzeugten durch die Bank: Verteidiger Robert Leask (Berlin), der schon nach den Auftritten beim 1:2 nach Verlängerung und Penaltyschießen gegen die Vereinigten Staaten, dem 4:1 über die Schweiz sowie dem1:2 am Sonntag über Kanada nicht mehr wegzudenken ist aus dem Team. Auch die Defesivkraft Stefan Schauer (Kölner Haie) fügte sich nahtlos in das Ensemble ein. "Die Defensive steht", konnte Zach nach nur fünf Gegentreffern in 180 Minuten sagen. Im Sturm hapert es lediglich an der Trefferausbeute.Chancen wurden in Hülle und Fülle herausgearbeitet. Die Eleven Peter Abstreiter (Hamburg), der "kleine" Bruder des zehn Jahre älteren Tobias (Kassel), oder Sebastian Furcher fügten sich auch bei der Chancenauswertung harmonisch in das Gesamtbild ein.
"Jeder hat bestätigt, daß er hier her gehört", machte sich Kapitän Stefan Ustorf für alle stark. Das nennt man dann einen nahtlosen Nationalmannschafts-Übergang von der Saison 2002/2003 zum Winter 2003/2004. Der ging so komplikationslos über die Bühne wie etwa die Nachnominierung des Kölner Stürmers Sebastian Furchner. Weil der Nürnberger Witali Aab wegen eines ausgerenkten Wirbels kurzfristig passen mußte, kam der Einundzwanzigjährige zu seinem Debüt im Nationaldreß. Zach dirigierte Furchner, der gerade auf der Rückfahrt von den Schwiegereltern in Wilhelmshaven nach Köln war, nach Hannover um. Rückzuck war dieser dann in die Mannschaft integriert und trat auf, als habe er schon immer dazu gehört.
Es gab Nationalmannschafts-Jahrgänge vor Hans Zach, die so wirkten, als müßte zusammen spielen, was nicht zusammen gehört. Unter Hans Zach halten sie tatsächlich zusammen "wie Pech und Schwefel". Und er versteht sich darauf, unsicheren Kantonisten Beine zu machen. Thomas Greilinger von den Nünberg Ice Tigers hat er auf dem Weg in die Sommerpause zu verstehen gegeben, er müsse an seiner physischen Verfassung arbeiten. Der Rest käme dann wie von selbst. Ähnliches hat sich Alexander Serikow von den Kassel Huskies anhören müssen. Auch er hat zuglegt: An Muskeln, an Selbstvertrauen, ja Spaß am Eishockey. Zwei Treffer gegen die Schweiz vergrößerten ihn noch. Sich selbst noch mehr abzuverlangen gehört zu den Standardforderungen Zachs an seine Pappenheimer. Von Peter Abstreiter wüscht er sich zusätzliche Fitneß, auch Klaus Kathan habe ähnliche Defizite. Darum fehle ihm der letzte, entscheidende Schritt zum Tor. Aber das alles sind nur kleine Wehwehchen einer Auswahl im Anfangsstadium eines neuen Winters, für den der Nationalmannschaft wieder eine gute Prognose zu stellen ist. Das Personal rotiert, dem Bundestrainer bieten sich sogar Alternativen, von den Nachwuchsmannschaften gibt es zudem ermutigende Resultate. Etwa das 2:1 der deutschen U20 über die Schweiz beim Vier-Nationen-Turnier in Hamar.
Zachs Erfolgsgeschichte mit vier WM-Viertelfinalteilnahmen in fünf Jahren dürfte fortgeschrieben werden. Gelegentlich wird sogar eine gewisse Altersmilde des Poltergeistes von einst erkennbar, nicht allerdings in Fragen des Charakters. Der Mann hat ein verdammt gutes Gedächtnis. So erinnert er sich heute noch, am 4. Februar 1967 als Spieler eine Uhr in der Kabine der Krefelder Eishalle liegengelassen und nicht zurückbekommen zu haben. Seitdem trägt er keine Uhr mehr. Es ließe sich allerdings auch folgern: Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.