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Eishockey-Nationalteam Retter verzweifelt gesucht

 ·  Das erste Länderspiel nach der WM naht, und der Deutsche Eishockey-Bund hat noch keinen neuen Bundestrainer gefunden. Auf dem Weg nach Sotschi 2014 ist wohl nur noch eine Notlösung möglich.

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© imago sportfotodienst Vergrößern Macht er es noch einmal? Auch Hans Zach ist einer der Kandidaten

Die Suche soll bald ein Ende haben. Die Skepsis aber, ob der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) bei seiner von vielen Irritationen begleiteten Fahndung nach einem neuen Bundestrainer tatsächlich den richtigen Weg eingeschlagen hat, bleibt. Am kommenden Dienstag ist die Nationalmannschaft zu Gast in Wien und wird aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums des österreichischen Verbandes ein Privatspiel gegen das Team Austria bestreiten.

Wer dann als Coach hinter der deutschen Bande stehen wird, ist unklar. Dennis Endras, Torwart in Mannheim und des Nationalteams, findet den Zustand „eigentlich nicht zu fassen. Im Fußball wäre so etwas undenkbar.“ Auch zwei Monate nach der Trennung von Jakob Kölliker ist es dem DEB nicht gelungen, einen Nachfolger zu präsentieren. Allenfalls eine Übergangslösung scheint in Sicht.

Dan Ratushny von den Straubing Tigers, Pat Cortina (EHC München), Hans Zach, der schon von 1998 bis 2004 Bundestrainer war, sowie der Schwede Bengt-Åke Gustafsson, zuletzt in Russland bei Atlant Mytischtschi beschäftigt, gelten als aussichtsreichste Kandidaten für den scheinbar nicht sonderlich begehrten Job. Einer von ihnen soll in diesem Winter, in dem Anfang Februar die Olympiaqualifikation auf dem Spiel steht, kurzfristig zum Erfolg beitragen.

Längerfristige Pläne wurden hintangestellt. Eine Berufung Ratushnys, unlängst zum „Trainer des Jahres“ gewählt, wäre dabei die größte Überraschung. Der 41 Jahre alte Kanadier betreut hauptberuflich die Straubing Tigers. Er trat, nach Lehrjahren in Nordamerika und der Schweiz, erst vor zwölf Monaten erstmals hierzulande in Erscheinung und leistete bei dem Verein aus Niederbayern vielbeachtete Aufbauarbeit, als er die Tigers erstmals in die DEL-Play-offs führte.

Nur Straubing äußert sich offen: „Es gab eine Anfrage“

Der DEB, dessen Präsident Uwe Harnos in der Trainerfrage schon viele Volten vollzogen hatte, hält sich bei der komplizierten Personalsuche mittlerweile bedeckt. „Kein Kommentar“, hieß es am Dienstag aus der Verbandszentrale in München, wo Verhandlungen geführt wurden. Nur in Straubing äußerte man sich an entscheidender Stelle offener: „Es gab eine Anfrage“, bestätigte Jürgen Pfundtner, früher Manager der Tigers und heute ihr Sportlicher Berater. „Wir sind übereingekommen, dass wir Gesprächen nicht im Weg stehen.“

Dem Vernehmen nach wurde dem DEB aber deutlich gemacht, dass man mit dem Wirken Ratushnys so zufrieden sei, dass er nur vorübergehend die Doppelfunktion würde ausüben dürfen und er unter keinen Umständen vorzeitig aus seinem bis 2013 gültigen Vertrag entlassen werde.

Harnos könnte mit solch einem Ausweg aus der Bredouille leben. Er hätte damit beim größten Konfliktfall innerhalb seines Verbandes Luft und Zeit gewonnen. Schwierigkeiten gibt es auch sonst noch zuhauf: Nachdem Franz Reindl vor einem Jahr entmachtet worden ist, ist auch die Stelle des Sportdirektors vakant; wegen des enttäuschenden Abschneidens bei der WM unter der Regie Köllikers ist die Olympiateilnahme in Sotschi noch nicht gesichert; mit der Mehrheit der Zweitligateams trägt Harnos zudem einen Gerichtsstreit aus, um zu verhindern, dass sich die Vereine, die sich vom DEB schlecht vertreten fühlen, dem Vorbild der DEL folgend vom Verband lossagen und eine eigenständige Liga ins Leben rufen.

Harnos war im Frühling erst auf den letzten Drücker dem Rat einiger DEL-Manager gefolgt und hatte die von ihm angestrebte Vertragsverlängerung mit dem netten aber nur bedingt stressresistenten Kölliker, den er sich auch als Sportdirektor hatte vorstellen können, verschoben - vier Wochen später entließ er den Schweizer.

„Das Spiel gegen Österreich findet statt“

Beim Kandidaten-Casting hatte der Präsident lange darauf spekuliert, dass Ralph Krueger seinem Werben erliegen würde. Der Deutsch-Kanadier, der einst in Düsseldorf aktiv war und später die Schweiz zu einer Top-Acht-Nation geformt hatte, entsprach perfekt dem ursprünglichen Anforderungsprofil: international erfahren, taktisch clever sowie mit den Gegebenheiten bis hinab in die Nachwuchsförderung des DEB vertraut, aus der auch sein Sohn Justin zum Nationalspieler aufstieg.

Krueger entschied sich dann aber lieber für einen lukrativen Posten in der NHL bei den Edmonton Oilers. Im Juni nahm daraufhin auf Geheiß von Harnos ein sogenanntes Kompetenzteam die Arbeit auf und erhielt die Aufgabe, den Markt zu sondieren und Vorschläge für Führungskräfte zu machen. Zu dem Gremium gehören Eisbären-Manager Peter John Lee, sein Wolfsburger-Kollege Charly Fliegauf, DEB-Vizepräsident Erich Kühnhackl sowie Oberliga-Manager Michael Bresagk von den Löwen Frankfurt.

Ihre Ideen, Uwe Krupp (Kölner Haie) vorübergehend zurückzuholen oder seinen ehemaligen Nationalmannschafts-Assistenten Harold Kreis (Adler Mannheim) zu berufen, waren sowohl beim DEB als auch den betroffenen Klubs nicht mehrheitsfähig. Nun verriet Lee, der „eigentlich gar nichts mehr sagen möchte, weil es schon soviel Trubel gab“, immerhin etwas: Es werde wohl zunächst auf eine zeitlich befristete Übereinkunft hinauslaufen. Fakt sei: „Das Spiel gegen Österreich findet statt.“ Zur Not auch ohne Chefcoach.

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