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Eishockey-Nationalmannschaft : Wie der Sohn, so der Vater?

Was bringt die Zukunft? Uwe Krupp hüllt sich in Schweigen Bild: dpa

Justin Krueger feiert sein Debüt als deutscher Nationalspieler - sein Vater Ralph, jahrelang erfolgreicher Coach der Schweizer, ist als Nachfolger für Uwe Krupp im Gespräch.

          Wo die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft in diesen Tagen Station macht, ist Ralph Krueger nicht weit. Zum einen aus beruflichen, viel mehr aber noch aus privaten Gründen war der Trainer am Mittwoch im Stadion in Schwenningen zu Besuch, wo die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ihre Kräfte gegen die Schweiz maß – und trotz ansprechender kämpferischer Leistung das Nachbarschaftsduell 1:2 (0:0, 0:1, 1:1) verlor.

          Der im kanadischen Winnipeg geborene ehemalige Profi, der seit seiner Übersiedlung vor dreißig Jahren ins Rheinland im Besitz eines deutschen Passes ist, war gekommen, um Weggefährten wiederzusehen und sich fortzubilden. Bis zu Olympia in Vancouver betreute er die Eidgenossen. Mit guten Konzepten und dank eines großen finanziellen Aufwands etablierte er seit 1997 die Schweizer unter den Top-Acht-Nationen. Sein Vertrag lief im Februar aus.

          Nicht nur das Händeschütteln mit alten Spezis war dem Einundfünfzigjährigen die Reise in den Schwarzwald wert: Sein Hauptinteresse an diesem Abend galt Sohn Justin. Der vor 23 Jahren in Düsseldorf geborene Sprössling wurde vom Kollegen Uwe Krupp zum dritten Mal für das DEB-Team nominiert. Der Neuling machte seine Sache bei mehr als zwanzig Einwechslungen und Einsätzen in Powerplay wieder so ansprechend, dass er sich Hoffnungen machen darf, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein, die am 7. Mai in der Schalke-Arena mit der Partie gegen die Vereinigten Staaten beginnt. Krupp, der in fast fünf Jahren 48 Debütanten eine Bewährungschance einräumte, äußerte sich jedenfalls wohlwollend über den nächsten Novizen: „Er besitzt Potential.“

          Demnächst Nationaltrainer des eigenen Sohnes: Ralph Krueger könnte Krupps Nachfolger beim DEB werden

          Ansonsten blieb der Bundestrainer seiner Linie treu: Lieber kein Wort zu viel – weder zu den Perspektiven bei der WM noch zu den eigenen Plänen für die Zeit danach. Seine Zusammenarbeit mit dem deutschen Verband ist bis zu diesem Sommer befristet. Ob er das Engagement verlängert, ist ungewiss. Meldungen, wonach es ihn in seine nordamerikanische Wahlheimat zur Familie zurückziehe, dementiert er nicht. Er ignoriert sie genauso wie das angebliche Interesse Ralph Kruegers, ihn zu beerben.

          Das Ziel: Die NHL - auch über den Umweg DEL

          Auch Justin Krueger wusste, dass die Journalisten am liebsten einige knackige Aussagen von ihm zu der für ihn doch sicher ein wenig speziellen Situation gehört hätten. Doch der Filius, der seinem Papa mit der hohen Stirn und den blonden Locken wie aus dem Gesicht geschnitten ist, absolvierte die ungewohnte Fragestunde mit ähnlicher Gelassenheit wie zuvor die Bandenchecks mit den robusten Schweizern: „Mein Vater war hier, weil er mein Vater ist und mich sehen wollte.“ Und weiter: „Uwe Krupp und seine Leute machen einen super Job. Ich wüsste nicht, warum man etwas ändern sollte.“ Klingt logisch, ist in Wirklichkeit wohl ein bisschen komplizierter – und spätestens Ende des nächsten Monats dürfte Klarheit herrschen, wie es für alle Beteiligten weitergeht.

          Dass Krueger junior vor der Zukunft nicht bange sein muss, zeichnet sich schon länger ab. Er absolvierte an der Cornell University im Bundesstaat New York eine zweigleisige Eliteausbildung: sportlich und schulisch. Im Juni erwirbt er seinen Bachelor im Fach „Hotelmanagement“. Schöne Herbergen möchte er jedoch zunächst als Gast kennenlernen – gerne auf Trips mit einem Profiteam aus Übersee. „Die NHL ist mein Ziel“, sagte der 1,90 Meter große Athlet. Sollte er dafür einen Umweg über die Deutsche Eishockey Liga (DEL) einlegen müssen, wäre das kein Problem: „Ich will dort spielen, wo ich mich entwickeln und empfehlen kann.“

          Genügend Angebote liegen vor. Keines ist so konkret wie das aus Berlin: „Ich will sichergehen, dass er bei uns landet, wenn er sich zu einem Wechsel in die DEL entscheidet“, sagte Peter John Lee. Der Manager der Eisbären besitzt sicher nicht die schlechtesten Karten in diesem Poker: Er war bis vor acht Wochen Assistent von Krueger senior beim Schweizer Nationalteam.

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