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Eishockey-Nationalmannschaft Nachsitzen für Olympia

 ·  Der Druck ist groß, die Nervosität hoch: Die Eishockey-Nationalmannschaft muss sich gegen zweitklassige Konkurrenz den letzten freien Startplatz für Sotschi verdienen. Bundestrainer Cortina mahnt zu Konzentration.

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© dpa Vergrößern Fehlt verletzt: Ingolstadts Stürmer Thomas Greilinger (Mitte)

Diese Rolle ist für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft eine neue. Ausnahmsweise tritt das Team bei einem Turnier mal als Favorit an, und für Bundestrainer Pat Cortina ist nicht absehbar, ob und wie seine Leute diese außergewöhnliche Aufgabe meistern werden. „Es wird darauf ankommen, wie wir mit dem Druck klarkommen“, sagt der 48-Jährige. Auf die ungewohnte Herausforderung, die leichter klingt, als sie tatsächlich ist, hätte die in großen Teilen international nicht sonderlich erfahrene Auswahl verzichten können, wenn sie sich bei der Weltmeisterschaft in Schweden von einer besseren Seite präsentiert hätte.

Doch mit dem zwölften Platz im Gesamtklassement verspielte die Mannschaft im vergangenen Mai auch die direkte Teilnahme für die kommenden Olympischen Spiele - und muss nun deswegen nachsitzen.

Bei einem viertägigen Qualifikationswettbewerb, dem sich außerdem das Eishockey-Entwicklungsland Niederlande sowie die zweitklassigen Konkurrenten Italien und Österreich stellen, wird in der schwäbischen Kleinstadt Bietigheim-Bissingen ein letzter Startplatz für das Großereignis in Sotschi 2014 vergeben. Cortina, der vor einem halben Jahr das Amt übernahm und seitdem die Scherben zusammenkehrt, die sein Vorgänger Jakob Kölliker hinterlassen hat, ist bewusst, dass von ihm und seinen Leuten nichts anderes als ein Erfolg erwartet wird. „Wenn man nur die Weltrangliste anschaut, kann ich das verstehen“, sagt der Italo-Kanadier, „aber auf dem Papier gewinnt man halt keine Spiele.“ Je leichter man die Gegner nehme, so seine Mahnung, die er in der Trainingsarbeit seinem durch Verletzungen dezimierten Kader regelmäßig wiederholte, „umso größer ist die Gefahr, dass es richtig schwer wird“.

Besonders die Prüfung gegen Holland an diesem Donnerstag (19.30 Uhr) betrachtet er als Stresstest, der einiges über das eigene Potential verraten werde. Die Spieler aus den sieben Klubs der „Ehrendivision“ seien allesamt „große Unbekannte“, meint Cortina: „Sie werden mit viel Enthusiasmus antreten, denn sie haben absolut nichts zu verlieren, darin besteht ein gewisses Risiko für uns.“ Cortina bezeichnet das kommende Wochenende als „eines der wichtigsten“ für die nahe Zukunft des deutschen Eishockeys: „In Sotschi wollen und müssen wir dabei sein.“

Dass ihm dazu mit Verteidiger Christoph Schubert (Hamburg Freezers), den Stürmern Thomas Greilinger (ERC Ingolstadt) und Matthias Plachta (Adler Mannheim) drei angeschlagene Stammkräfte sowie die komplette deutsche NHL-Prominenz nicht zur Verfügung steht, schränkt seinen Handlungsspielraum ein, mindert seine grundsätzliche Zuversicht aber nicht: „Gehen wir die Sache unkompliziert und organisiert an, nehmen wir den Gegner hart ran, dann haben wir gute Chancen auf den Turniersieg.“ Die Entscheidung über Wohl und Wehe werde wohl in der abschließenden Begegnung mit Österreich fallen: „Auch weil es ein Derby ist, bei dem immer viele Emotionen Einfluss nehmen können.“

„Mental müssen wir stark sein“

Seit 1952 war der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit seinen Männermannschaften stets am Start, wenn es um olympische Ehren ging. Uwe Harnos, der Verbandspräsident, lässt keinen Zweifel aufkommen, dass sich diese Serie zum Wohle des Sports hierzulande fortsetzen soll: „Olympia ist der Gradmesser für unseren Stellenwert.“ Er sei „verhalten optimistisch“, sagte der Anwalt aus Kaufbeuren, dass sich die individuelle Qualität der deutschen Spieler durchsetze: „Es gibt keinen Grund, uns kleinzureden.“

Im Vergleich mit den Italienern am Freitag, gegen die es bei der verkorksten WM in Stockholm immerhin zu einem 3:0-Sieg reichte, könne es sich als Vorteil erweisen, so Harnos, dass Cortina gerade mit den Gegebenheiten im Eishockey-Geschäft südlich des Brenners bestens vertraut sei. Er betreute früher die Klubs HC Varese und AS Asiago, zudem die italienische Nationalmannschaft, „und ich denke, so akribisch, wie er arbeitet, wird er deutliche Worte finden, auf was es ankommt“. Ähnlich äußert sich der Iserlohner Michael Wolf, von Cortina mit der Kapitänsbinde bedacht. „Er ist ein sehr geradliniger Mensch und zeigt uns klar den Weg, den wir gehen sollen. In seinen Ansprachen trifft er genau den Punkt, um uns zu begeistern.“

Der deutsche Chefcoach, dem bis heute lediglich acht Tage für gemeinsame Übungseinheiten mit den Akteuren seines Vertrauens zur Verfügung standen, legte Wert darauf, das durch den WM-Fehlschlag angegriffene Selbstvertrauen in den eigenen Reihen zu stärken. „Mental müssen wir stark sein“, sagt Cortina, der sich viel von einem Trainingscamp verspricht, das er vor 14 Tagen in Bietigheim-Bissingen organisierte. „Wir haben uns da mit den Gegebenheiten vertraut gemacht, wissen nun, wo wir schlafen, in welches Restaurant wir gehen, wie die Umkleiden aussehen und wie lange die Transfers zum Hotel dauern.“ Auch so viel planerische Weitsicht ist neu. Ob es reicht, um eine sportliche Überraschung bei ihrer Stippvisite in der Provinz zu vermeiden, wird sich zeigen müssen. „Erst am Sonntagabend“, weiß Cortina, „sind wir alle ein Stück schlauer.“

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