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Eishockey-Kommentar Auf brüchigem Eis

 ·  Das deutsche Eishockey-Team verpasst die Qualifikation für Olympia 2014. Die Folgen des unerwarteten Scheiterns sind fatal. Und die sportlichen Perspektiven werden garantiert nicht besser.

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© dpa Vergrößern Endstation Qualifikation: Deutschland verpasst das Ticket für Sotschi

Absturz statt Aufbruch. Die Winterspiele 2014 in Sotschi werden ohne die deutschen Eishockey-Männer auskommen müssen. Was selbst die Gegner bedauern, denn die hatten in der jüngeren Vergangenheit bei Olympia mit der Nationalmannschaft stets leichtes Spiel. Sie war ein zuverlässiger Punktelieferant: In Turin 2006 trat das Team ohne Sieg die Heimreise an, in Vancouver 2010 reichte es nicht einmal zu einem Punkt.

International ist die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) im Kreise der Elite nur in Ausnahmemomenten wirklich wettbewerbsfähig. Wenn sie ihre Besten, die sich in der nordamerikanischen Profiliga etabliert haben, zur Verfügung hat, muss ihr nicht bange sein. So wie bei der Heim-WM 2010, als es bis zum Einzug ins Halbfinale reichte. Doch für ein Olympia-Qualifikationsturnier wie am Wochenende bekommt kein Profi in Übersee, selbst bei größtem persönlichem Interesse, die Freigabe seiner Arbeitgeber.

Die Folgen des Qualitätsverlusts und des unerwarteten Scheiterns sind fatal. Sie werden den von Machtstreitigkeiten, personellen Fehlgriffen und finanziellen Sorgen belasteten DEB lange beschäftigen. Dabei sollte mit Pat Cortina, dem neuen Bundestrainer, vieles besser werden, vor allem rasch. Der Verband war im vergangenen Spätsommer von dessen Fähigkeiten derart überzeugt, dass man ihm gleich noch die Verantwortung als Sportdirektor übertrug.

Der Mann fiel in seinen ersten Monaten durch Fleiß positiv auf, so wie zuvor beim EHC München, den er von einer abstiegsgefährdeten Zweitligatruppe in die Erstklassigkeit führte. Seine ruhige Art in der Analyse wird von den Spielern geschätzt, sein souveränes Coaching unterscheidet sich deutlich von seinem blassen Vorgänger Kölliker, der in stressigen Momenten den Überblick verlor.

Doch ein Heilsbringer ist er nicht. Auch er muss nun erkennen, dass sich der Reiz der Aufgabe durch die schwierigen Rahmenbedingungen schnell ins Risiko umkehren kann. Cortina hatte wegen Verletzungen und Sperren nicht genügend Führungsspieler, die der Aufgabe gewachsen waren - während parallel zur Blamage in Bietigheim-Bissingen in der NHL die deutschen Nationalverteidiger Ehrhoff, Sulzer (beide Buffalo) und Holczer (Toronto) bei ihren Klubs auch als Torschützen glänzten.

Cortina braucht nach dem verpatzten Einstand Erfolge, um seine Position zu behaupten. Er bewegt sich auf brüchigem Eis. Denn auch finanziell wird das Scheitern Konsequenzen haben. Die Möglichkeit, sich bei Olympia mal wieder einem größeren Publikum im Fernsehen zu präsentieren und Sponsoren schmackhaft zu machen, entfällt.

Zudem wird der Zuschuss durch das Bundesinnenministerium an den DEB reduziert. Deswegen muss bald noch mehr gespart werden, Fortbildungen der 16 bis 20 Jahre alten Nachwuchsathleten werden gestrichen oder gekürzt. Die sportlichen Perspektiven werden dadurch garantiert nicht besser.

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11.02.2013, 17:01 Uhr

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