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Eishockey Familienausflug nach Moskau mit Happy End

14.05.2007 ·  Die Eishockey-Großmacht Kanada bremsten bei der WM in Moskau weder Provokationen auf den Rängen noch politische Debatten in der Heimat. Im Endspiel gegen Finnland gewannen sie ihren 24. Titel.

Von Marc Heinrich
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Selbst im schönsten Moment des Turniers wurden die Sieger noch einmal auf eine harte Probe gestellt. Die kanadischen Nationalspieler hatten sich nach dem 4:2-Triumph (2:0, 1:0, 1:2) im Endspiel über Finnland soeben in Reih und Glied am Rande des roten Teppichs aufgestellt, um die Goldmedaillen in Empfang zu nehmen, da stimmte ein Chor aus einigen hundert Stimmen auf der Tribüne seine "Rossija, Rossija"-Schlachtrufe an.

Der überwiegende Teil des keineswegs neutralen Publikums in der Chodynka-Arena hätte lieber die "Sbornaja" als Gewinner aus dieser Eishockey-Weltmeisterschaft hervorgehen sehen - doch der Traum der russischen Nationalmannschaft und ihrer Anhänger war schon durch eine unerwartete Niederlage gegen die Finnen geplatzt. Für die Nachfolgergeneration der einst legendären Eissputniks sprang als schwacher Trost nach einem 3:1 gegen Schweden nur der dritte Rang heraus. Aber auch diese Provokation von den Rängen prallte an den neuen Champions ähnlich souverän ab wie zuvor die Attacken der Konkurrenz, die sich in den neun Partien von Moskau der kanadischen Übermacht beugen mussten: ohne Helm, mit erhobenen Händen und Stöcken grüßten die teilweise unrasierten Nordamerikaner fröhlich ins Publikum und ließen sich von einigen lautstarken Kleingeistern unter den 12.000 Zuschauern Spaß und Freude an diesem Abend nicht nehmen.

Viel Arbeit nach dem Kunststück

Die Männer mit dem "Ahornblatt" auf der Trikotbrust, die sich nur zum Auftakt beim knappen Erfolg gegen Deutschland schwer taten, hatten auch mit den vom hitzigen Schlagabtausch mit den Russen geschlauchten Finnen wenige Probleme. Der zum wertvollsten Turnierspieler gewählte Rick Nash (7. Minute) und Eric Staal (14.) sorgten jeweils in Überzahl früh für eine beruhigende Führung; Colby Armstrong (30.) und abermals Nash (60.) verhinderten danach, dass den Finnen, die durch Petri Kontiola (52.) und Antti Miettinen (58.) verkürzten, keine Revanche für die Finalniederlage von 1994 gelang. Die Kanadier blieben als einzige Auswahl ungeschlagen; das gleiche Kunststück war ihnen unter Coach Andy Murray auch schon 2003 in Finnland gelungen.

Der Trainer war hinterher voll des Lobes für seine Leute: "Es war ein Vergnügen, mit diesen Leuten zu arbeiten", sagte Murray, der in Deutschland schon die Kölner Haie und die Eisbären Berlin betreute, "doch in den nächsten zwölf Monaten gibt es für uns weiterhin viel zu tun." Im Frühjahr 2008 findet erstmals eine WM in Kanada statt. Austragungsorte sind dann die Städte Halifax sowie Quebec an der Ostküste - und der Gastgeber tritt als Titelverteidiger an. "Viel bessere Aussichten gibt es doch gar nicht", befand Murray, ehe er sich mit seinen Cracks zum Feiern in ein feines Restaurant zurückzog.

Keine Lust auf Tohuwabohu

Das Teamhotel der übrigen Mannschaften, in dem ein angegliedertes Kasino beinahe rund um die Uhr für Tohuwabohu sorgte, hatten die Kanadier auf eigene Kosten verlassen. Den Spielern wurde zudem gestattet, auf Rechnung des Verbandes Partnerinnen und Kinder in die russische Hauptstadt mitzubringen - nur so konnte einer Vielzahl der NHL-Größen am Ende einer langen Sasion das Abenteuer im Osten überhaupt schmackhaft gemacht werden. Eine familienfreundliche Taktik, die für die 80köpfige Reisegruppe zwar einige Dollar kostete - sich sportlich aber bezahlt machte.

Besonders Kapitän Shane Doan empfand nach dem gelungenen Abschluss der "Mission Gold" Genugtuung. Wegen angeblich beleidigender Äußerungen über eine frankokanadischen Schiedsrichter in einer NHL-Partie ("Fucking Frechman") hatte das kanadische Parlament zu WM-Beginn den Stürmer der Phoenix Coyotes an den Pranger und seine Ernennung zur Führungskraft in Moskau in Frage gestellt. Während der Dreißigjährige sogar einen Anruf von Premierminister Stephen Harper erhielt, mussten Verbandsoffizielle nach Ottawa fliegen und ihre Entscheidung rechtfertigen. "Ich hoffe, sie wissen jetzt, wer ich wirklich bin. Aber ich weiß auch, dass sie ohnehin nur das glauben, was sie wollen", sagte Doan mit Blick auf die Kontroverse um seine Person. "Am Anfang hat es wirklich nicht viel Spaß gemacht, aber die Unterstützung war groß. Ob Familie, Verband oder Mitspieler - sie alle haben mich unterstützt. Sie waren unbeschreiblich", sagte er gerührt.

Doan bedankte sich auf seine Weise und führte den Rekordweltmeister nicht nur mit fünf Toren und fünf Vorlagen auf dem Eis, sondern auch als emotionaler Anführer in der Kabine zum 24. WM-Titel. Die Voraussetzungen sind also geschaffen, um in einem Jahr in der Heimat ein wirklich außergewöhnliches Eishockey-Jubiläum zu feiern.

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