05.07.2010 · Der Frankfurter Eishockeyklub zieht sich endgültig aus der Deutschen Eishockey Liga zurück - drei Millionen Euro hätten die Lions für eine Lizenz auftreiben müssen. Damit gehen im September nur noch 14 Klubs aufs Eis.
Von Volker Stumpe, FrankfurtDie Eishockey-Anhänger in Frankfurt hatten bis zuletzt gehofft. Am Montag wollten die Lions bekannt geben, ob sie den Lizenzentzug der Deutschen Eishockey Liga (DEL) akzeptieren, oder ob sie vor das Schiedsgericht ziehen würden. Doch die Lions haben den Kampf aufgegeben und ziehen sich endgültig aus der DEL zurück. Damit werden nur noch 14 Klubs in der im September beginnenden Saison aufs Eis gehen. Es sei denn, die Kassel Huskies, denen Ende der vergangenen Woche ebenfalls die Lizenz entzogen wurde, treten noch den Gang vor das Schiedsgericht an, was die Nordhessen schon angekündigt haben.
Der Standort Frankfurt hingegen ist am Montag von der Eishockey-Landkarte verschwunden, die Spieler suchen schon nach neuen Arbeitgebern – ebenso wie Trainer Rich Chernomaz und Manager Dwayne Norris. Beim deutschen Meister von 2004, der 1994 zu den Gründungsmitgliedern der DEL zählte, hatten sich im Lauf der Jahre Schulden in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro angehäuft. Zwar war es dem neuen Eigentümer Siggi Schneider, einem vermögenden Frankfurter Unternehmer, zusammen mit zwei Geschäftspartnern gelungen, den weitaus größten Teil dieser Verbindlichkeiten zu tilgen. Schneider hatte den Verein Ende 2008 nach dem Tod seines Vorgängers Gerd Schröder übernommen. Und er war sich eigentlich sicher gewesen, die Lions retten zu können.
„Null Komma null Interesse am Eishockey“
Doch dem war nicht so. Immer wieder tauchten unbezahlte, aus der Vergangenheit resultierende Posten auf. Zudem erwies sich die Frankfurter Eissporthalle zunehmend als allzu betagte und unattraktive Arena, mit der nicht genügend Einnahmen zu erzielen waren. Über einen Umbau wird schon seit Jahren diskutiert. Das ist nun nicht mehr nötig.
Im Mai hatten die Hessen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Am Montag zogen sie den endgültigen Schlussstrich. Zwar wären die Lions zuversichtlich gewesen, sich die DEL-Lizenz doch noch erstreiten zu können. Schließlich bemängelte die Liga am Frankfurter Etatentwurf nur Altlasten in Höhe von 600.000 Euro. Am Ende aber überwog bei den Hessen die Erkenntnis, dass diese Sportart in Frankfurt langfristig offenbar nicht zu finanzieren ist. „Die komplette Wirtschaft in Frankfurt hat null Komma null Interesse am Eishockey“, sagte Schneider.
Noch am Wochenende hatte der Lions-Chef mit fünf möglichen Sponsoren verhandelt, doch er handelte sich fünf Absagen ein. „Uns fehlen die finanziellen Mittel, um guten Gewissens in die Saison starten zu können“, stellte Schneider nun fest und bezifferte den akuten Fehlbetrag auf „500.000 bis eine Million Euro“. Letztlich aber hätten die Lions etwa drei Millionen Euro auftreiben müssen, um eine wirklich wettbewerbsfähige Mannschaft ins Rennen schicken zu können. Ein Ding der Unmöglichkeit. „Frankfurt kann so nicht die Heimat eines gesunden Eishockeyvereins sein“, sagte Schneider.
Ist dies der Anfang ...
Joerg' S (joerg51)
- 05.07.2010, 22:10 Uhr
Volker Stumpe Jahrgang 1962, zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Jüngste Beiträge