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Eishockey : Casting und Stresstest für Olympia

Im Aufschwung: Die deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hat Selbstbewusstsein gesammelt Bild: obs

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft übt beim Deutschland-Cup für Olympia. Bundestrainer Marco Sturm verbreitet vor dem ersten Härtetest gegen Russland Optimismus.

          Es wird eine Reise ins Ungewisse. Das Olympische Feuer ist mittlerweile vor Ort eingetroffen, in weniger als drei Monaten werden die Winterspiele in Pyeongchang beginnen. Dass es langsam Zeit wird, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um sich bei dem Großereignis in ansprechender Verfassung zu zeigen, ist Marco Sturm bewusst. Für den Bundestrainer der Eishockey-Nationalmannschaft beginnt an diesem Freitag der Countdown zur bislang bedeutendsten Veranstaltung, bei der er für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) die Verantwortung trägt. Südkorea kennt Sturm nur vom Hörensagen. Aber er freut sich darauf und merkt, „dass die Spannung steigt“.

          Der heute 39-Jährige nahm als Aktiver zwischen 1998 und 2010 viermal an dem Spektakel im Zeichen der fünf Ringe teil: in Nagano, Salt Lake City, Turin und Vancouver. Er bezeichnet die Spiele als „ganz anders als Weltmeisterschaften“ und in vielerlei Hinsicht „besondere Events“. Sturm, der im Laufe seiner Karriere Millionen Dollar in Übersee verdiente, hat speziell die vergleichsweise spartanische Unterbringung im Olympischen Dorf in bester Erinnerung, „die Stimmung, die kurzen Wege und die Begegnung mit den anderen Athleten“. Das soll demnächst für seine Spieler auch zum „echten Erlebnis“ werden.

          Die Auswahl des DEB, die vor seinem Amtsantritt in der Weltrangliste derart an Boden verloren hatte, dass sie sich erst nachträglich bei einem Qualifikationsturnier das Ticket für den dreiwöchigen Asien-Trip verdienen musste, bekommt es in der Vorrunde zunächst mit Schweden, Finnland und Norwegen zu tun. Eine anspruchsvolle Aufgabe für das zuletzt unter Sturm in den Kreis der acht besten Nationen zurückgekehrte Team.

          Drei Tests gegen Top-Gegner

          Um dagegen gewappnet zu sein, stimmen sie sich bis zum Sonntag beim Deutschland-Cup ein. In Augsburg geht es gegen Russland, die Vereinigten Staaten und die Slowakei. Für Sturm eine willkommene Gelegenheit, sein Personal einem Stresstest zu unterziehen. Bis zum Abflug nach Pyeongchang ist danach im engen Terminkalender der Klubs nur noch Platz für ein weiteres Testspiel. Umso wichtiger, sagt Sturm, dass die Profis, die er berufen hat, die Gunst der Stunde nutzen: „Die Jungs sind hier, um mich zu überzeugen.“

          Ein neues Kapitel: Bundestrainer Marco Sturm ist optimistisch
          Ein neues Kapitel: Bundestrainer Marco Sturm ist optimistisch : Bild: dpa

          Bereits Anfang Januar muss der DEB beim Deutschen Olympischen Sportbund die Namen der Auserwählten anmelden; insgesamt kann Sturm 25 Cracks berücksichtigen, darunter drei Torleute. Zum Casting in Augsburg lud er 28 Mann ein, während er den gesetzten Routiniers Patrick Reimer (Nürnberg Ice Tigers), Marcel Goc (Adler Mannheim) und Christian Ehrhoff (Kölner Haie) eine Verschnaufpause gönnte. „Von denen weiß ich, was sie leisten können“, sagt Sturm.

          Die Chance, diesmal bei Olympia einen Achtungserfolg zu landen, ist größer als zuletzt. Da die nordamerikanische Profiliga NHL erstmals seit zwanzig Jahren ihren Punktspielbetrieb nicht unterbricht, müssen in Pyeongchang alle Mannschaften ohne Übersee-Profis auskommen. Auch die Kontinental Hockey Liga, das russische Pendant, ließ in dieser Woche aufs Neue verlauten, dass der kurzfristige Olympia-Boykott eine Option sei, über die entschieden werde, wenn das Internationale Olympische Komitee in seiner Exekutivsitzung am 5. Dezember harte Sanktionen wegen des russischen Staatsdopings beschließen sollte.

          Patrick Hager weiß um die Unwägbarkeiten dieser Winterspiele, die auch wegen des politischen Korea-Konflikts unter den Sportlern ein Thema sind, und sagt: „Wir tun gut daran, uns zuallererst aufs Sportliche zu konzentrieren.“ Dem Stürmer vom EHC Red Bull München kommt im Konzept von Sturm eine tragende Rolle zu – erst in Augsburg und dann bei Olympia. Der 29-Jährige gehört zu seinen Führungskräften. Auch die Deutschen müssen auf drei ihrer Besten verzichten, die auf der anderen Seite des Atlantiks ihr Geld verdienen: Torwart Philipp Grubauer (Washington Capitals), Jungstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) sowie Stanley-Cup-Gewinner Tom Kühnhackl (Pittsburgh Penguins). „Deswegen“, sagt Hager, sollen andere zeigen, „dass auch sie das Heft des Handelns in die Hand nehmen können.“ Er sei bereit „vorneweg zu marschieren“, wie auch jeder andere in der Kabine, „in der viel Erfahrung vorhanden ist“.

          Sturm sagt, er sei optimistisch, dass es gelingen könne, in Pyeongchang ein neues Kapitel deutscher Eishockey-Geschichte zu schreiben. „Früher haben wir bei Olympia leider oft eine Packung bekommen“, sagt er, „da hieß es für uns eigentlich immer: warm anziehen. Wir wollen, dass sich das ändert.“ Meteorologisch wird es das im Vergleich zu vorherigen Winterspielen auf jeden Fall. Im Ort Gangneung, wo die Deutschen an der Küste des Japanischen Meers ihre Partien bestreiten, fielen die Durchschnittstemperaturen im Februar bis heute fast nie unter den Gefrierpunkt.

          Entschlossen: Die deutschen Eishockeyspieler wollen was erreichen bei Olympia
          Entschlossen: Die deutschen Eishockeyspieler wollen was erreichen bei Olympia : Bild: obs

          Quelle: F.A.Z.

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