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Dreifach-Weltmeister Ligety Der Beste der Welt

Ted Ligety gewinnt auch den Riesenslalom der WM. Das Duell mit Marcel Hirscher fällt aus: Zu überlegen ist der Amerikaner. Die Gegner werden ehrfürchtig.

© dpa Vergrößern Lässig im Zielraum: Der Amerikaner muss keinen Konkurrenten fürchten

Das Duell begann, wie es sich für ein Duell gehört, am frühen Morgen, der Schauplatz lag noch im Schatten. Es war kein einsamer Waldrand, keine alte Eiche - es war das Zielstadion in Schladming, das mit gut 30.000 Fans gefüllt war. Marcel Hirscher gegen Ted Ligety, Österreich gegen Vereinigte Staaten, so lautete der Zweikampf im Riesenslalom der Ski-WM - kein anderer hat in dieser Saison einen Riesenslalom im Weltcup gewonnen. Zu Saisonbeginn schien Ligety unantastbar, er gewann den Auftakt in Sölden mit 2,75 Sekunden Vorsprung. Danach holte Hirscher auf, er sprach davon, endlich die richtige Abstimmung gefunden zu haben, rechtzeitig zur WM, der „Über-Läufer“ Ligety schien wieder in Reichweite. Bis zu diesem Freitag. Da wurde das Duell zum Solo für Ted.

Bernd Steinle Folgen:  

Schon im ersten Durchgang fuhr der 28 Jahre alte Amerikaner allen auf und davon - 1,3 Sekunden lagen zwischen ihm und den besten Verfolgern. In Teil zwei brachte Ligety den Vorsprung sicher ins Ziel und verteidigte seinen WM-Titel von Garmisch-Partenkirchen vor zwei Jahren. Es war sein drittes WM-Gold in Schladming, eine Ausbeute, die seit 45 Jahren kein Skirennfahrer mehr geschafft hat. „Ich bin überwältigt“, sagte Ligety dazu.

Ted Ligety of the U.S. skis during the first run of the men's Giant Slalom race at the World Alpine Skiing Championships in Schladming © REUTERS Vergrößern Auf Ideallinie unterwegs: Ted Ligety

Sein Rivale Hirscher hatte am Ende gut acht Zehntelsekunden Rückstand, war mit Silber aber trotzdem „extrem glücklich“.

Er hatte seit dem Training am Vortag mit Rückenproblemen zu kämpfen gehabt, hatte wenig geschlafen und wurde am Freitag zwischen den Läufen physiotherapeutisch behandelt. Vor allem im ersten Durchgang schien er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein. „Es war vielleicht das schwerste Rennen, das ich je gefahren bin“, sagte der 23 Jahre alte Österreicher.

Plätze sieben und zehn für die Deutschen

Die Deutschen Fritz Dopfer und Felix Neureuther landeten auf den Rängen sieben und zehn, Stefan Luitz schied aus. Dopfer, nach Lauf eins als Fünfter noch in Medaillennähe, ärgerte sich gewaltig darüber, dass er „die Fehler aus dem ersten Lauf im zweiten nicht abstellen konnte“. Er habe in beiden Läufen nicht seine Top-Leistung zeigen können, „deshalb bin ich schon sehr enttäuscht“.

23232502 © AP Vergrößern So fährt nur einer Riesenslalom: Geschnittene Kurve in Schladming

Doch Theodore Sharp Ligety, wie er offiziell heißt, ist sowieso „in anderen Sphären als wir alle“ unterwegs, so Dopfer. Er fährt oft eine eigene, etwas rundere Linie, wie keinem anderen gelingt es ihm, die Ski stets voll auf Zug zu bringen, in den Toren zu beschleunigen, viel Druck auf die Ski zu bringen und zeitraubende Rutschphasen zu vermeiden. Er ist bekannt für spektakuläre Schräglagen, dabei ist er alles andere als ein Ski-Hasardeur, er zappelt unterwegs nicht wild mit Armen und Beinen, sondern fährt stabil und kontrolliert.

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Der erste Durchgang in Schladming war da das beste Beispiel. „Es war ein solider Lauf“, sagte Ligety zurückhaltend, „ich habe angegriffen, bin aber kein unnötiges Risiko eingegangen.“ Neureuther erzählte danach, sein Kumpel Ligety habe ihm gesagt, er sei kaum richtig „ins Schnaufen“ gekommen - während Neureuther selbst nach dem ersten Lauf fix und fertig war. „Da sieht man eben den Unterschied, wenn man hier ökonomisch runter fährt“, sagte er. Ihm selbst war es da anders ergangen: „Wenn man von oben bis unten immer darum kämpfen muss, Druck aufzubauen, kostet das viele Körner.“

Den zweiten Durchgang ging Neureuther „mit viel mehr Mut“ an, prompt schaffte er die zweitbeste Laufzeit nach Hirscher und verbesserte sich um vier Plätze.

- © AFP Vergrößern Solo für Ted: „Best of the World“

Ligety aber war für alle eine Nummer zu groß. „Ted ist der Beste der Welt“, sagte Abfahrts-Weltmeister Aksel Lund Svindal, der Bronze nur um vier Hundertstelsekunden hinter dem Italiener Manfred Mölgg verpasste. In diesen Tagen wurde der Amerikaner bei der WM gefragt, wie sich das anfühle, mit Höchsttempo diese perfekten Carving-Schwünge in den Hang zu meißeln, durch einen Rennkurs zu schießen wie auf Schienen. „Ich versuche, so sauber wie möglich Ski zu fahren, einen perfekten Bogen zu fahren“, sagte Ligety. „Es fühlt sich fast so an, als ob du nur mitfahren würdest, du fährst nur von einem Bogen zum nächsten, du bestimmst nicht zu 100 Prozent selbst, wo deine Ski hinfahren. Du musst das nehmen, was die Ski dir zurückgeben. Und hoffen, dass sie dich an den richtigen Ort bringen.“

Das tun sie bei Ligety derzeit zuverlässig, und so geht die lange Erfolgsgeschichte von Amerikanern bei sportlichen Großereignissen im Skisport munter weiter. Fast ebenso lange läuft schon die Suche nach einer Erklärung für diese Lockerheit, mit der die Amerikaner oft in wichtige Rennen gehen, und mit der sie in diesen Rennen ihren Gegnern ebenso oft davon fahren. Die Bedeutung von WM oder Olympia, die vielen zur Last wird, scheint ihnen nichts anhaben zu können. Ligety hat für diese existentielle Entspanntheit seine eigene Erklärung. „Ein amerikanischer Skirennfahrer zu sein, ist eine ganz besondere Geschichte“, sagt er. „Als ich 14 war, bin ich jedes Wochenende bis zu 14 Stunden gereist, um zu einem Skirennen zu kommen. Das ist im Grunde mehr Reisestress als Marcel Hirscher ihn nun als Weltcup-Fahrer hat. Wer da durchkommt, kann wirklich entspannt sein und mit allen möglichen Stress-Situationen fertig werden.“

„Best of the World“

Für Ligety selbst, bei der WM schon zum „Mister Schladming“ ausgerufen, scheint das allemal zu gelten. Mit einer anderen Erklärung für die amerikanischen Erfolge dagegen kann er wenig anfangen - der Theorie von den niedrigen Zielen und den bescheidenen Erwartungen, die es den Amerikanern leichter machten als Läufern anderer Nationen. „Habt ihr das Motto des US Ski Teams schon gesehen?“, fragte er und lachte: „Best of the World“. Ted Ligety wird diesem Motto derzeit voll gerecht.

23232509 © AP Vergrößern Mit dem zweiten Durchgang zufrieden: Felix Neureuther

Alpine Ski-WM in Schladming

Herren, Riesenslalom
Gold:
Ted Ligety (USA) 2:28,92 (1:13,14/1:15,78) Min.;
Silber: Marcel Hirscher (Österreich) 2:29,73 (1:14,45/1:15,28);
Bronze: Manfred Mölgg (Italien) 2:30,67 (1:14,58/1:16,09);
4. Aksel Lund Svindal (Norwegen) 2:30,71 (1:14,44/1:16,27); 5. Alexis Pinturault (Frankreich) 2:30,86 (1:15,09/1:15,77); 6. Davide Simoncelli (Italien) 2:31,00 (1:14,91/1:16,09); 7. Fritz Dopfer (Garmisch) 2:31,11 (1:14,72/1:16,39); 8. Philipp Schörghofer (Österreich) 2:31,17 (1:15,45/1:15,72); 9. Benjamin Raich (Österreich) 2:31,32 (1:15,04/1:16,28); 10. Felix Neureuther (Partenkirchen) 2:31,70 (1:16,30/1:15,40).

Ted Ligety (28 Jahre)
4 x Weltmeister: Super-G, Super-Kombination und Riesenslalom 2013, Riesenslalom 2011
1 x Olympiasieger: Kombination 2006
1 x WM-Bronze: Riesenslalom 2009
3 x Disziplin-Weltcupsieger: Riesenslalom 2008, 2010 und 2011

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 15.02.2013, 11:38 Uhr

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