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Didier Cuche Der neue König von Kitz

21.01.2012 ·  Der Schweizer gewinnt die Abfahrt auf der Streif und löst einen Österreicher als Rekordsieger ab. Die Konkurrenz kann sich trösten: Im kommenden Jahr wird Cuche nicht mehr gewinnen.

Von Bernd Steinle, Kitzbühel
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© AFP Fünfter Sieg auf der Streif: Didier Cuche ist der „König von Kitzbühel“

Einen Trost wenigstens hatte Klaus Kröll: „Nächstes Jahr wird es einen anderen Sieger geben.“ Kröll war die größte Hoffnung der Österreicher gewesen bei der Weltcup-Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel, der heißeste Kandidat auf den ersehnten ersten Saisonsieg der heimischen Speedfahrer.

Doch am Ende blieben den Österreichern wieder nur die Plätze zwei (Romed Baumann), drei (Kröll) und vier (Joachim Puchner). Ganz oben stand der Mann, der da schon 2008, 2010 und 2011 stand, und der nun 2013 wohl definitiv nicht mehr dort stehen wird, weil er vor drei Tagen seinen Rücktritt zum Saisonende verkündet hat: der Schweizer Didier Cuche.

Zusammen mit seinem ersten Erfolg 1998 ist der 37 Jahre alte Cuche jetzt mit fünf Siegen alleiniger Rekordhalter auf der Streif – vor der österreichischen Ski-Legende Franz Klammer. Der nahm die Zurücksetzung sportlich-gelassen. „Er hat in den letzten Jahren Kitzbühel den Stempel aufgedrückt, und er hat heute als einziger richtig attackiert, er hat sich überwinden können“, lobte Klammer den neuen König von Kitz. „Es war eine Augenweide zum Zuschauen.“ Und das, obwohl die Bedingungen alles andere als einfach waren. „Wenn man bei so einem Wetter so schnell fährt, ist man ein würdiger Sieger“, sagte Klammer.

Wegen des starken Schneefalls war der Start weit nach unten versetzt worden, an die Einfahrt zur Alten Schneise, unterhalb von Mausefalle und Steilhang. Auf der um ein Drittel verkürzten Strecke kam es im ersten Teil vor allem auf das Gleitvermögen an, bevor es dann an der Hausbergkante streif-typisch zur Sache ging.

Just dort fuhr Cuche die entscheidenden Zehntelsekunden heraus. „Ich habe die Linie gut getroffen, konnte in der Traverse früh in die Hocke gehen und von oben nach unten fahren“, sagte Cuche. Das gebe er gerne auch als Tipp für die nächsten Jahre weiter, denn: „Mir ist das jetzt egal.“

Dass der Schweizer das Ende seiner Karriere ausgerechnet in Kitzbühel, im Herzen des Erzrivalen Österreich, verkündete, hatte zuvor einige Verwunderung hervorgerufen. Für Cuche war der Schritt eine Herzensangelegenheit: „Meine Karriere war geprägt von vielen Höhen und schönen Erlebnissen, und Kitzbühel ragte da immer speziell heraus“, sagte er.

„Irgendwas muss man ja finden“

Dort schaffte er 1998 seinen ersten Weltcup-Sieg, und dort ist er nun Rekordsieger, auch wenn der entthronte Klammer die verzweifelte Rechnung aufmachte, dass Cuche jetzt eigentlich ja erst bei vier Streif-Siegen stehe, weil bei seinen fünf Erfolgen zwei kurze Abfahrten dabei waren – die Sprint-Abfahrt 1998 und das verkürzte Rennen 2012. „Irgendwas“, sagte Klammer in seiner Not, „muss man ja finden“.

Cuche ließ solcherart Schönrechnerei kalt. Dass er angesichts des dichten Schneefalls bei seiner Abschiedsfahrt auf der Streif nicht in den Genuss der gesamten Strecke kam, störte ihn nicht weiter. „Mein letztes Rennen von ganz oben habe ich ja auch gewonnen“, sagte der Vorjahressieger.

Und die Liste seiner Erfolge ist über die Streif hinaus beeindruckend: Vier Mal Sieger des Abfahrts-Weltcups, Super-G-Weltmeister 2009, Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1998. „Er hat den Skisport mit geprägt in den letzten Jahren“, sagte der Österreicher Kröll.

Doch Cuche hat sich auch über das Lager der Abfahrer hinaus viel Respekt erarbeitet, durch seine Leistungen und durch sein Auftreten abseits der Piste. „Didier Cuche war für mich immer ein Vorbild“, sagt Slalomspezialist Felix Neureuther. „Er ist eine unglaubliche Größe im Skisport, ich finde es sehr schade, dass er zurücktritt.“

„Das hab ich auf jeden Fall dringehabt“

Auch der beste deutsche Abfahrer, Stephan Keppler, war voll des Lobes über Cuche. „Er ist wieder perfekt gefahren, wie die letzten Jahre auch“, sagte er. „Da werde ich noch viel üben müssen, damit mir so eine Fahrt mal gelingt.“ Immerhin gelang Keppler mit Platz acht schon jetzt das beste Resultat eines deutschen Abfahrers auf der Streif seit 25 Jahren.

„Ich bin super zufrieden“, sagte der 27-Jährige. Nur die drei Hundertstelsekunden Rückstand auf den sechstplatzierten Wengen-Sieger Beat Feuz aus der Schweiz „ärgern mich schon ein bisschen“, sagte er. „Das hab ich auf jeden Fall dringehabt.“

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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