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Deutsche Eishockey Liga Warten auf die NHL-Stars

Der Arbeitskampf eskaliert: Die nordamerikanische Eishockey-Liga sperrt die Profis aus. Die europäischen Stars zieht es zurück in die Heimat. Ein NHL-Spieler ist schon in Krefeld gelandet.

© dapd Vergrößern Von Boston nach Mannheim? Dennis Seidenberg könnte nach Deutschland wechseln - allerdings ohne Stanley Cup

Zum dritten Mal innerhalb der letzten anderthalb Jahre greift das Management einer der großen nordamerikanischen Profiligen in der Auseinandersetzung um neue Tarifverträge zum Mittel der Aussperrung. Nach der National Football League (NFL) und der National Basketball Association (NBA), die 2011 ihre Meinungsverschiedenheiten nach zähen Verhandlungen beilegen konnten, ist es diesmal die National Hockey League (NHL) mit ihren 30 Klubs in Kanada und den Vereinigten Staaten, die in der Nacht zum Sonntag alle Verträge auf Eis legte.

Vordergründig gleichen sich die Szenarien. Denn auch den Eigentümern der Eishockey-Teams geht es darum, die Gehälter der Spieler drastisch zu senken. Doch beim Poker in der NHL sind die Karten anders verteilt. Erst vor sieben Jahren hatte die Ligaführung unter Commissioner Gary Bettman zum ersten Mal in der Geschichte des kommerziellen Mannschaftssports eine ganze Saison abgesagt, um den Druck auf die Spieler zu erhöhen.

Der Spielplan der Deutschen Eishockey Liga im Überblick

Die Eishockey-Profis kapitulierten und akzeptierten alle Forderungen der Unternehmer, die sie Monate vorher noch strikt abgelehnt hatten. Darunter jenen Mechanismus, der sich als einzige wirkungsvolle Bremse der Gehaltsentwicklung erwiesen hat: die Salary Cap. Doch das ist der Liga längst nicht mehr genug. Sie will den tarifvertraglich gesicherten Anteil der Profis an den in den vergangenen Jahren auf 3,3 Milliarden Dollar pro Jahr gestiegenen Einnahmen weiter senken.

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Von dem anhaltenden Tauziehen profitieren nur wenige. Mit Ausnahme der Fans in Europa, die daran gewöhnt sind, dass die NHL die besten Russen, Tschechen, Finnen, Schweden, Schweizer und Deutschen nach Nordamerika lockt. Die abermalige Aussperrung macht möglich, dass viele in ihre Heimat zurückkehren werden. Weder die anfallenden Gehaltssummen noch die hohen Versicherungsprämien scheinen die Team-Manager abzuschrecken.

Mannschaften wie Eisbären Berlin oder Adler Mannheim etwa fühlen sich wohl imstande, das Geld für die Extraausgaben aufzutreiben. Das Begehren ist auch deshalb groß, weil die Deutsche Eishockey Liga (DEL) zum ersten Mal seit Jahren wieder Live-Übertragungen ihrer Spiele auf einem frei zugänglichen Fernsehkanal anbietet. Das Rechtepaket wanderte von Sky zu Servus TV.

„NHL-Stars in Deutschland? Ja, warum denn nicht?““

„Hecht, Goc und Seidenberg alle in Mannheim? Ja, warum denn nicht?“, sagt Adler-Geschäftsführer Daniel Hopp, den es nicht stört, dass die Zugänge aus Übersee jederzeit wieder den Kader verlassen können und eine vernünftige Personalplanung nicht möglich ist. Jochen Hecht (vertragslos) und Marcel Goc (Florida Panthers) hatten sich bereits in Mannheim auf die neue Saison vorbereitet.

Auch die Prioritäten von Christian Ehrhoff, der bei den Buffalo Sabres 2011 einen Zehn-Jahres-Vertrag über insgesamt 40 Millionen Dollar abgeschlossen hatte, scheinen vorgezeichnet. Er trainierte den Sommer über bei seinem Heimatverein Krefeld Pinguine. „Wenn Krefeld die Versicherungssumme aufbringt, kann ich schon am Freitag im Heimspiel gegen die Hamburg Freezers dabei sein“, sagt Ehrhoff. Der Aufsichtsrat stimmte bereits zu, schon an diesem Dienstag soll er in Krefeld offiziell vorgestellt werden. Fans und Sponsoren sollen bei den zusätzlichen Kosten eingebunden werden.

Christian Ehrhoff hielt sich schon in Krefeld fit - nun spielt er vorerst in der DEL für die Pinguin © dapd Vergrößern Christian Ehrhoff hielt sich schon in Krefeld fit - nun spielt er vorerst in der DEL für die Pinguine

Dennis Seidenberg (Boston Bruins) würde gerne für die Adler aufs Eis gehen. „Je länger der Lockout dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ich in Mannheim spiele. Wir haben zwar noch nicht konkret miteinander geredet, aber Interesse ist von beiden Seiten da“, so Seidenberg. Der 31-Jährige wäre der erste deutsche Stanley-Cup-Gewinner in der DEL.

Dass neben den deutschen Legionären ganz große Namen in der DEL antreten werden, ist aber unwahrscheinlich. Um die Stars herrscht ein starker Wettbewerb zwischen der russischen Profiliga KHL und der Schweizer National League. So rechnet man in Davos unter anderem mit dem Zugang des Kanadiers Rick Nash (New York Rangers), Landsmann Joe Thornton (San Jose Sharks) ist bereits verpflichtet - beide Stürmer standen 2010 in Vancouver in der kanadischen Goldmedaillenmannschaft.

Höchst unterschiedliche finanzielle Größenordnungen

Nur wenige Stunden nach dem offiziellen Beginn der Aussperrung kam der beste Spieler der vergangenen Saison, der Russe Jewgeni Malkin von den Pittsburgh Penguins, bei Metallurg Magnitogorsk unter. Ilja Kowaltschuk (New Jersey) wird für SKA St. Petersburg spielen, Sergej Gonchar (Ottawa) für Metallurg Magnitogorsk. Jaromir Jagr (Dallas) kehrt zu seinem Heimatverein Kladno in die tschechische Liga zurück.

Auch der beste Spieler der letzten Saison, der Russe Jewgeni Malkin von den Pittsburgh Penguins, kam © dpa Vergrößern Auch der beste Spieler der letzten Saison, der Russe Jewgeni Malkin von den Pittsburgh Penguins, kam bei Metallurg Magnitogorsk

Der Ortswechsel der NHL-Profis sollte - theoretisch - die Verhandlungen zwischen Liga und Gewerkschaft nicht beeinflussen. Aber die Dynamik von Tarifauseinandersetzungen im nordamerikanischen Sport ist schwer einzuschätzen. Die Unternehmer wollen mindestens die Hälfte der Einnahmen kassieren. Im Fall der NHL sogar ein wenig mehr. Hinter der Fassade des Streits verbirgt sich jedoch das eigentliche Problem der Liga: Ihre dreißig Klubs arbeiten in höchst unterschiedlichen finanziellen Größenordnungen.

Die Toronto Maple Leafs etwa, obwohl sportlich schwach, spielen pro Saison knapp 200 Millionen Dollar ein und können sich teure Spieler leisten. Teams wie die Phoenix Coyotes leben von der Hand in den Mund oder sind so gut wie pleite. Zwar gibt es ein Finanzausgleichssystem, das Geld von den reichsten Klubs zu den ärmsten transferiert. Aber das reicht nicht aus, um die Unterschiede zu nivellieren. Nach Auffassung der Liga soll nun eine Gruppe für das Ungleichgewicht bezahlen: die Profis. Und denen dürfte am Ende nur wenig übrig bleiben, als nachzugeben. Das hat die Erfahrung von vor sieben Jahren gezeigt.

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© dpa, afp Vergrößern Mein Herz schlägt für Krefeld

Quelle: F.A.Z.

 
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