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Veröffentlicht: 01.11.2014, 13:29 Uhr

Deutscher Eishockeybund Dem kranken Patienten droht die Insolvenz

Düstere Prognosen und deutliche Worte: Beim Dialogtag des deutschen Eishockeys fürchtet der DEB-Vizepräsident die Pleite, falls die Sarnierungspläne nicht umgesetzt werden. Auch der Präsident des Weltverbandes äußert sich besorgt.

© dpa Wann geht dem deutschen Eishockey mal wieder ein Licht auf?

Franz Reindl und seine DEB-Präsidiumskollegen sind fest entschlossen, das deutsche Eishockey zu erneuern. Sollten vor allem die mächtigen Landesverbände die Pläne des DEB-Präsidenten zur Sanierung der Finanzen des Deutschen Eishockey-Bundes boykottieren, könnte ein neuer Dachverband die Folge sein. „Wir werden unsere Folterinstrumente schon zeigen“, drohte DEB-Vizepräsident Berthold Wipfler am Samstag am Rande des sogenannten Dialogtages des DEB in München. „Dann gibt es eben einen Deutschen Eishockey-Verband. Und den dann mit allen bisherigen Mitgliedern ohne die Landesverbände“, ergänzte der für Finanzen zuständige DEB-Vizechef vor der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung am Sonntag.

Zuvor wollte sich Wipfler mit den Landesverbänden zusammensetzen und erörtern, ob diese die vom DEB-Präsidium angestrebten Satzungsänderungen mittragen. „Ich habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass wir alle an einem Strang ziehen. Es gibt ja keine Alternative“, sagte Wipfler, der zuvor die prekäre Finanzlage verdeutlicht und eine Situation ohne Reform aus seiner Sicht dargestellt hatte. „Ihr zwingt mich, wenn ihr euch nicht rührt, 2018 in der DEB-Zentrale im Betzenweg das Licht auszumachen“, rief er den DEB-Mitgliedern zu, ehe er die bereits bekannten Zahlen bis 2013 und erstmals auch die Haushaltsentwürfe bis 2016 vorlegte.

Jahrelang nur Minus gemacht

„Wenn wir nichts ändern, läuft es 2015 auf ein Minus von rund 300.000 Euro hinaus, und 2016 ginge es im Jahr vor der Heim-WM 2017 mit Vorbereitungen und Turnieren raketenartig nach oben auf minus 680.000 Euro“, berichtete Wipfler. Schon in den Jahren nach der Heim-WM 2010 machte der DEB jährlich ein Minus zwischen 168.000 und 659.000 Euro. Auch 2014 werden wieder 233.000 Euro Miese erwartet. Der Gewinn von 1,5 Millionen Euro von der Heim-WM 2010 ist längst aufgebraucht, die Verbandszentrale am Betzenweg in München inzwischen beliehen.

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Um den Status Quo zu ändern, sollen die Profiklubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und dem Unterhaus (DEL II) wieder DEB-Mitglieder werden und Beiträge bezahlen. Unter anderem sollen künftig auch Lizenzgebühren von Profis, Trainern und Schiedsrichtern kassiert werden. „Unsere aktuelle Gebührenordnung sieht das aber nicht vor“, sagte Wipfler, der den jährlichen finanziellen Zusatzbedarf des DEB auf 500.000 Euro bezifferte. Auch eine Einmahlzahlung der Mitglieder, um die dringendsten Probleme zu lösen, ist denkbar.

Für die Sanierungspläne wäre allerdings eine Satzungsänderung notwendig, die möglichst im Frühjahr 2015 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden soll. Vor allem von den mächtigen Landesverbänden aus Nordrhein-Westfalen und Bayern, die als große Widersacher Reindls und Vertraute von dessen umstrittenen Vorgängers Uwe Harnos gelten, wird aber offenbar Widerstand erwartet. Bezeichnenderweise war NRW-Präsident Wolfgang Sorge bis zum frühen Samstagabend gar nicht erst zum Dialogtag gekommen. Bayern-Chef Dieter Hillebrand hatte gar für das gesamte Wochenende abgesagt. Zudem dürften die Landesverbände (LEV) kein Interesse daran haben, künftig weniger als bislang 50 Prozent der DEB-Stimmrechte zu haben.

Ice Hockey World Championship © Picture-Alliance Vergrößern Weltverbandspräsident Rene Fasél

Sollte die angestrebte Satzungsänderung im Frühjahr also scheitern, könnte ein neuer Dachverband die Folge sein. Mit dem Weltverband IIHF ist dieses Szenario offensichtlich bereits abgesprochen. Wipfler ließ durchblicken, das Einverständnis von IIHF-Präsident Rene Fasél bereits zu haben. Schon zum Dialogtag, auf dem der DEB mit allen Beteiligten der Eishockey-Familie in Deutschland die aktuellen Probleme der Sportart diskutieren und Lösungsansätze erarbeiten wollte, war Fasél gekommen. „Das deutsche Eishockey ist ein eingeschlafener Riese. Man war nicht bei Olympia 2014, kein deutsches Team in der Endrunde der Champions League. Das sind vielleicht die Anzeichen für einen kranken Patienten“, sagte der Schweizer.

Zwischen den Zeilen waren bereits deutliche Hinweise an die Landesverbände und Mitglieder zu vernehmen. „Von außen betrachtet standen in den vergangenen Jahren vielleicht zu viele Eigeninteressen im Vordergrund. Manchmal tut die Heilung eines kranken Patienten weh. Aber man muss diese Schritte jetzt ehrlich machen, und jeder muss nachgeben“, mahnte Fasél.

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Von Christian Eichler

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