27.01.2010 · Es ist vorbei, dieses komplizierte Sport-Stück in immer neuen Aufzügen. Der Vorhang geht zu vor Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, und die Lichter ihrer Karriere gehen aus. Es wird Zeit, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Das System allerdings geht gestärkt aus dieser Belastungsprobe hervor.
Von Evi SimeoniWar es nun ein Drama oder ein Possenspiel, was wir da über sieben Monate lang erleben mussten? Jedenfalls ist es vorbei, dieses komplizierte Sport-Stück in immer neuen Aufzügen. Der Vorhang geht zu vor der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, und die Lichter ihrer Karriere gehen aus.
Auch das Schweizer Bundesgericht hat – nach der Disziplinarkommission des Internationalen Verbandes der Eisläufer und dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne – nicht im Sinne der Berlinerin entschieden. Die Olympischen Winterspiele in Vancouver finden ohne sie statt. Es ist auch nicht zu erwarten, dass nach den Spielen ihre Doping-Sperre noch aufgehoben wird.
Die entscheidende Runde hat sie am Dienstag verloren, den Kampf um die Fortsetzung ihrer Laufbahn damit auch. Auch mit dem deutschen Staat als Arbeitgeber wird sie Probleme bekommen, doch soll, wie der Bundesinnenminister das nennt, die „menschliche Dimension“ in das Verfahren einbezogen werden. Es geht weiter auf einem höchst unbequemen Weg. Doch als Sportlerin sollte sie gelernt haben, zu erkennen, wann sie verloren hat.
Die Sportgerichtsbarkeit hat die populistischen Angriffe überstanden
Es wird Zeit für die fünfmalige Olympiasiegerin im Eisschnelllaufen, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind. Die beiden zuständigen Gerichte haben entschieden, dass ihre abweichenden Blutwerte als Beweis dafür ausreichen, dass sie ihre Leistung manipuliert hat, die Schweizer Revisionsinstanz prüft das Urteil nur noch auf Formfehler.
Es wird Claudia Pechstein auch nicht weiterbringen, die Gerichte, die sie ursprünglich akzeptiert hat, nachträglich immer wieder als voreingenommen hinzustellen. Schließlich sind – anders als die Deutsche glauben mag – nicht nur solche Gerichte als unabhängig einzustufen, die ihr recht geben.
Die Sportgerichtsbarkeit hat die populistischen Angriffe aus dem Pechstein-Lager heil überstanden – allerdings gingen in dem allgemeinen und von ihrem eigenen Management verursachten Getöse grundsätzliche Bedenken nahezu unter.
Eine Verurteilung aufgrund nur eines einzigen Indizes, die selektive Würdigung von Gutachten durch den Internationalen Sportgerichtshof lassen Zweiflern genug Raum zum Weiterdiskutieren. Doch das Urteil im Fall Pechstein ist gesprochen, und das System geht gestärkt aus dieser Belastungsprobe hervor.