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Claudia Pechstein Die Zweifel laufen immer noch mit

 ·  Claudia Pechstein will den Kreis schließen. Am Wochenende startet die Eisschnellläuferin bei der EM. Der Staatsrechtler Röger hält derweil die Beweislage bei ihrer Verurteilung für unzureichend.

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© dapd Vergrößern Sie läuft nur scheinbar weg: Claudia Pechstein kämpft auf dem Eis um ihren ruf

Wieder die Europameisterschaft. An diesem Wochenende will Claudia Pechstein auf dem gefrorenen See im Stadtpark von Budapest eine Medaille im Mehrkampf gewinnen und beste der drei deutschen Eisschnellläuferinnen werden. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Schließlich wird die Berlinerin in sechs Wochen vierzig Jahre alt.

Bei ihren letzten europäischen Titelkämpfen 2009, so geht die Fama, waren die Leistungen, mit denen sie sich im Alter von bald 37 Jahren zum dritten Mal den Titel holte, so auffallend gut, dass aus dem wachsenden Zweifel der Funktionäre des Eislauf-Weltverbandes (ISU) an der Sauberkeit der Deutschen so etwas wie grimmige Überzeugung wurde. Vier Wochen später, zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Hamar, zogen die Doping-Fahnder Claudia Pechstein aus dem Verkehr. Wegen ungewöhnlicher Blutwerte sperrte der Verband sie schließlich für zwei Jahre.

Kampf um Rehabilitierung

Seitdem beteuert die fünfmalige Olympiasiegerin ihre Unschuld und kämpft um ihre Rehabilitierung. Seitdem hat das deutsche Sportpublikum aus Gerichtsberichten, Interviews, wissenschaftlichen Gutachten und einer Pechstein-Autobiographie von fast 500 Seiten gelernt, dass Retikulozyten junge rote Blutkörperchen sind, deren auffällig hohe Zahl auf Blutdoping hinweisen kann oder - wie es eine Reihe Mediziner Claudia Pechstein und ihrem Vater bestätigt - auf eine jahrzehntelang unbemerkte, seltene Krankheit zurückzuführen ist. Das Oberste Gericht des Sports, der Cas in Lausanne, bestätigte ihre Sperre, das Schweizerische Bundesgericht verwarf eine Revision. Als Nächstes will die Sportlerin vor dem Landgericht Berlin auf Schadensersatz klagen und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen.

Zweifel gehören zum Spitzensport; das Publikum hat gelernt, sie in seinem Bild von Wettkampf und Rekorden unterzubringen. Sie begleiten auch Claudia Pechstein in ihrer ersten vollständigen Saison seit Ablauf ihrer Sperre vor knapp einem Jahr. Beim Weltcup in Heerenveen, dem Ort der Europameisterschaft von 2009, unterbot sie im Dezember in 7:02,92 Minuten ihre Zeit über 5000 Meter von damals um sieben Hundertstelsekunden. Glatt sieben Minuten scheinen in Budapest möglich; mit einer solchen Zeit gewann sie 2006 in Turin die Olympische Silbermedaille.

Bei der Nationalen und bei der Welt-Anti-Doping-Agentur hat sich Claudia Pechstein selbst angezeigt, von der ISU verlangt sie die Eröffnung eines DopingVerfahrens - nicht obwohl, sondern weil ihre Leistungen wie ihre Blutwerte praktisch die gleichen sind wie die, die zu ihrer Sperre führten.

Damit stehen dem Zweifel an der Lauterkeit der Sportlerin, die zwei Mal für die deutsche Olympiamannschaft die Flagge trug und die in der Bundesversammlung an der Wahl des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland teilnahm, Zweifel an den Urteilen von Verband und Appellationsgericht gegenüber. Sie basieren darauf, dass die Richter keine andere Erklärung für die abnormen Blutwerte finden konnten als Manipulation; nicht Beweise, die jeden Zweifel ausschließen, reichten dafür aus, sondern eine hinreichende Überzeugung, wie die Richter selbst formulierten.

Rückendeckung vom Juristen

Ralf Röger, Professor an der Fachhochschule des Bundes in Lübeck und Privatdozent an der Universität Köln, hält diese Beweislage nicht für ausreichend für eine Bestrafung. „Im Leistungssport ist die Konsequenz, die ein sportrechtlicher Verstoß haben kann, von seiner Schwere her kaum noch zu unterscheiden von einem staatlichen Eingriff“, sagt der Staats- und Verwaltungsrechtler.

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