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Bode Miller im Gespräch „Mein Herz ging nur so: Rrrrrrrrrrr!“

Der 35 Jahre alte amerikanische Skistar muss nach einer Knieoperation auf die gesamte Weltcup-Saison verzichten. Im kommenden Winter will er wieder am Start sein - und endlich auch auf der Streif in Kitzbühel gewinnen.

© dpa Vergrößern Bode Miller muss diesen Winter aussetzen

Sie waren vor kurzem zu Dreharbeiten für die Skibekleidungsmarke Ihres ehemaligen Rennfahrerkollegen Lasse Kjus zurück auf der Streif. Was macht diese Strecke so besonders schwierig?

Sie hat eine große Geschichte, viel Prestige, meiner Meinung nach ist es genau das, was sie so besonders macht. Wenn es nicht gerade sehr eisig und schnell ist, ist es kein außergewöhnlich herausfordernder Kurs. Der härteste Teil ist am Anfang, die ersten 30 Sekunden, aber da bist du noch frisch, hast noch 100 Prozent Energie, du kannst dich im Kopf darauf einstellen. Der Kurs ist weniger als zwei Minuten lang, und es gibt einen langen Abschnitt in der Mitte, der nicht so anspruchsvoll ist. Zusammen mit dem Hausberg am Ende hast du 40 Sekunden mit wirklich schwierigen Passagen. Die Abfahrt in Bormio dagegen ist jedes Jahr extrem anstrengend, du bist im Ziel körperlich total am Ende, und du musst am Schluss diese fünf, sechs Kurven fahren, die immer sehr dunkel und schlagig sind, mit schwierigen Geländewechseln, die dich hin- und herwerfen. Während du auf der Streif Fahrer auch am Ende der Strecke noch angreifen siehst, steht in Bormio am Ende jeder fast aufrecht da und holpert 30 Sekunden lang daher.

Wie hat sich die Strecke in Kitzbühel verändert?

In den letzten Jahren sind die Kurven enger geworden, jeder Streckenteil ist noch kurviger als früher. Dadurch geht viel von dem alten Reiz verloren, als du selbst entscheiden musstest, wie aggressiv du fahren wolltest. Jetzt fährt fast jeder dieselbe Linie auf dem ganzen Kurs. Das ist mein größter Einwand an den Internationalen Skiverband, dass du früher in der Abfahrt deine Linie selbst gesucht hast, manchmal waren das Unterschiede von fünf, sechs Metern, wo die Athleten gefahren sind, weil ihr Können und ihr Risikomanagement ihnen zu diesem Zeitpunkt sagten, dort sollten sie fahren. Jetzt siehst du in der Abfahrt eine einzige Spur. Das, glaube ich, nimmt viel weg von dem, was der Sport sein kann.

Wie war das bei Ihrer ersten Fahrt auf der Streif?

Zum ersten Mal war ich in einem schwierigen Jahr hier, 2001, auf einer eisigen, holprigen, rüttelnden Piste, es hatte nicht viel Schnee. Der Kurs sah noch ganz anders aus, die Tore waren weiter innen plaziert, auch die Ski waren anders, drehten nicht so leicht. Wenn es eisig ist, ist das ein wirklich unangenehmer Berg, der für viele Fahrer problematisch werden kann. Ich bin an der amerikanischen Ostküste aufgewachsen, wir sind viel auf Eis gefahren, ich bin steile, holprige Sachen gewohnt, das ist meine Spezialität. Darum war dieser Berg, auch wenn er richtig eisig war, immer etwas anderes für mich als für viele andere.

Streif - Rennstrecke bei Nacht © dpa Vergrößern Die Kitzbüheler Streif bei Nacht

Wie lief es bei Ihrem ersten Rennen auf der Streif?

Ich wurde 30., ich bin gut gefahren, aber meine Ski waren damals unglaublich langsam, ich habe viel Zeit in den flachen Passagen verloren. Am Ende war ich aber nur glücklich, bei meiner ersten Abfahrt nicht gestürzt zu sein.

Im Starthaus von Kitzbühel, heißt es oft, sei es stiller als vor anderen Abfahrten. Haben Sie das auch so erlebt?

Ja, das stimmt. Aber entscheidend ist die Wahrnehmung. Die Wahrnehmung verändert das Gefühl am Start. Am meisten Angst vor dem Start hatte ich in Bormio. Damals hatten wir nur einen Trainingslauf, ich bin aus dem Start raus, in die erste Kurve, bin an diesem Sprung abgehoben, ein bisschen schräg, bin gelandet, hängengeblieben, habe mich verdreht und bin in die Fangzäune gekracht, mit 120 Stundenkilometern. Das war mein einziger Trainingslauf. Am nächsten Tag startete ich als 31., direkt nach Daron Rahlves, der den Trainingslauf gewonnen hatte. Er ging über den Sprung, landete, blieb kurz hängen und verschwand hinter der nächsten Kuppe. Das sah genauso aus wie bei mir im Training. Mein Herz ging nur so: Rrrrrrrrrrr! Und dann kam er da unten hinter der Kuppe raus, mit einem irren Tempo, und ich stand oben im Starthaus und dachte: auf keinen Fall! Ich sollte jetzt nicht hier fahren! Ich bin absolut sicher, dass ich an diesem Sprung abhebe, schräg lande und mich voll in den Zaun haue. Es brauchte jeden Rest mentaler Stärke, die ich hatte, um das zu überwinden. So was habe ich hier in Kitzbühel nie gefühlt. Obwohl ich glaube, dass viele hier das gleiche Erlebnis haben.

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