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Bob-Kommentar Déjà vu im Eiskanal

 ·  Die Bob-Bahn von Vancouver sollte ein Eiskanal der Superlative werden: Die schnellste Bahn der Welt für die Olympischen Spiele in zwei Jahren. Die Folgen tragen die Piloten und ihre Bremser. Vor allem Kurve 13 sorgt für Angst.

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Mittendrin bremste sich Raimund Bethge: „Ich will ja keine Panik machen...“ Aber das musste er loswerden: seine Sorgen um Leib und Leben von Bob- und Skeletonpiloten sowie Rodlern. Ihnen stehen bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver Schussfahrten bevor, die dem über Jahrzehnte erfahrenen Cheftrainer der Deutschen schwere „Bauchschmerzen“ bereiten.

Denn die Bahn ist geworden, was sie im Auftrag der Kanadier werden sollte: die schnellste der Welt. Allerdings so schnell, dass sich selbst der besonnene Bethge, die personifizierte Vorsicht bei der öffentlichen Formulierung kritischer Gedanken, an den Kopf fasst: „Wenn die geplante Spitzengeschwindigkeit 135 Kilometer pro Stunde betragen soll, die Schlitten aber schon vom (tiefer gelegenen) Junioren-Start auf 135 kommen, dann ist es Zeit, das Gehirn einzuschalten.“

„Komme ich da heil runter?“

Seine Athleten hat er damit nicht gemeint. Die müssen das Oberstübchen am Start eher ausschalten, um gefährliche Vorstellungen zu verdrängen: „Komme ich da heil runter?“ Sicher sind sie nicht: Weder André Lange noch David Möller, Spitzenkönner im Bob und auf dem Rodel. Sie haben schon im März an der Bahn gesehen, was so alles möglich: Da schossen Doppelsitzer-Rodler unkontrolliert durch die unteren Kurvenpassagen, prallten im stumpfen Winkel gegen die Bande, rutschten mit einem Bein und einer Kufe auf der Kanalbegrenzung. Bob-Mann Lange packte der Schrecken, als er den Olympiakandidaten Pierre Lueders durch die Röhre fliegen sah – kieloben im Zweierbob. „Wenn du Unterluft kriegst“, sagt Lange, „dann kann das richtig gefährlich werden.“

Bethge hat die „Signale meiner Besten“ weitergegeben. Inzwischen hat es zwar Veränderungen gegeben. Aber der geforderte Umbau der gefährlichsten Passagen gehörte nicht dazu. Die Geschichte kommt den erfahrenen Sportlern bekannt vor. Auch das Schlussstück der Olympiabahn von Turin 2006 (in Cesana) hielten Rodler für zu gefährlich. Erst zahlreiche Unfälle überzeugten die Italiener, ihre Linie zu korrigieren. Die Gründe für diese Verzögerungen sind weltweit die gleichen: Neue Betonkonstruktionen kosten viel Geld. Und bremsende Elemente verderben die Attraktivität: spektakulär muss es sein.

Zur Kurve 13 halten Beobachter inzwischen respektvoll Distanz

Das Ergebnis schmerzt. Nicht nur, weil hervorragende Athleten schwer gestürzt sind. Auch die Reaktion auf die Kritik trifft Bethge: Allen Unfällen, erklärten Vertreter der internationalen Verbände, seien Fahrfehler vorausgegangen. Das ist eine Binsenweisheit. Solange die Sportgeräte nicht brechen, was kaum vorkommt, sind immer die Menschen Schuld. Nur kommen sie in den Bahnen von Winterberg oder Oberhof mit blauen Flecken davon.

Das hohe Tempo in Vancouver aber führt in Kombination mit der Bahnkonfiguration bei einer Fehleinschätzung zu unvermeidlichen Folgefehlern, deren Wirkung fatal sein kann. Zur Kurve 13 halten Beobachter inzwischen respektvoll Distanz. Abflüge werden nicht mehr ausgeschlossen. Das Risiko steigt sogar. Denn bis zu den Winterspielen ist mit einer Beschleunigung zu rechnen. Beim Bob-Bau, nicht bei der dringend notwendigen Kurvendiskussion. „Ich fürchte“, sagt Bethge, „es müssen erst wieder Hubschrauber fliegen.“

Die Bahn von Vancouver ist geworden, was sie werden sollte: die schnellste der Welt – zu schnell.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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