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Bob : „Hilfe, hilfe, mich hat`s erwischt!“

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Mit Beinbrüchen im Krankenhaus: Raimund Bethge Bild: picture-alliance / dpa

Die Olympia-Vorbereitung der deutschen Bobfahrer wird von einem schweren Unfall überschattet. Bundestrainer Raimund Bethge wurde beim Training auf der Olympia-Bahn in Cesena von einem Bob umgefahren und schwer verletzt.

          Geschockt vom schweren Trainingsunfall ihres Chef-Bundestrainers Raimund Bethge gehen die deutschen Bobfahrer in die letzten zehn Wochen der Olympia-Vorbereitung. Mit einem offenen Unterschenkelbruch, einer Sprunggelenkfraktur und einer Gehirnerschütterung wurde der 58 Jahre alte Diplom-Sportlehrer am Mittwoch morgen ins San Giovanni Bosco Hospital nach Turin geflogen und wenige Stunden danach operiert. Bethge hatte die Bahn offenbar wegen eines Kommunikationsproblems nicht rechtzeitig zum Trainingsstart verlassen und war von einem australischen Zweierbob umgefahren worden.

          „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Sein Zustand ist stabil und er ist ansprechbar. Ich hoffe fest, daß er in zwei Monaten wieder auf die Beine kommt und uns zumindest in Turin bei organisatorischen Fragen helfen kann“, sagte Frauen-Bundestrainer Wolfgang Hoppe. Bethge soll so schnell wie möglich in die Spezialklinik nach Murnau gebracht werden. „Es geht Raimund relativ gut. Wir sehen, daß er so schnell wie möglich nach Deutschland kommt“, erklärte Mannschaftsarzt Martin Nieswand. „Die Olympia-Stimmung ist erstmal dahin. Die Atmosphäre ist sehr getrübt. Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Da kriegt man als Pilot einen Schock“, sagte der zurückgetretene Bob-Olympiasieger Christoph Langen (Unterhaching).

          Unfallhergang noch ungeklärt

          Der erfahrene Bethge, der seit 1990 im Amt ist und seither mit seinen Aktiven 102 Medaillen bei Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften gewann, war zum Auftakt der internationalen Trainingswoche auf der Bahn für die Olympischen Winterspiele in Turin vom australischen Bob mit voller Wucht erfaßt worden. Auf diesem Streckenabschnitt sind die 390 kg schweren Schlitten rund 90 km/h schnell. Pilot Robyn Calleja mußte sich anschließend in psychologische Betreuung begeben, berichtete der österreichische Trainer Manfred Maier. Dieser hatte in Kurve 5 neben dem deutschen Trainer Meinhard Nehmer gestanden, als aus dessen Funkgerät Bethges Hilferuf tönte: „Hilfe, hilfe, mich hat`s erwischt!“

          Der genaue Unfallhergang war am Nachmittag noch nicht bekannt. Fest steht aber, daß der in Schönau am Königssee lebende Bundestrainer bei Kurve 10 in der Eisrinne gestanden hatte, nach Aussagen von Offiziellen unerlaubt. Hoppe, der mit der Teamleitung beauftragt wurde, vermutet ein Kommunikationsproblem als Grund dafür. „Die Bahnbeschallung reicht nicht in jede Ecke. Ich habe die Durchsagen auch nicht gehört. Ich gehe aber davon aus, daß es welche gab“, sagte der Bob-Olympiasieger.

          „Auf diese Trainingswoche hat sich alles konzentriert“

          Nach Aussagen von Stefan Krauß, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), gibt es „ungeklärte äußere Umstände“. Übereinstimmend wurde ihm berichtet, daß Bahndurchsagen nicht gehört wurden. Nach Angaben des Olympia-Organisationskomitees (TOROC) war allen Teams bekannt, daß ab 8.30 Uhr das Betreten der Bahn verboten war.
          Das Training bis zum 3. Dezember ist für alle Nationen außer Italien die letzte Möglichkeit, die Olympia-Bahn zu testen. Die Winterspiele finden vom 10. bis 26. Februar in Turin und Umgebung statt. „Auf diese Trainingswoche hat sich alles konzentriert. Die Bedeutung der Woche ist sehr hoch“, sagte BSD-Pressesprecherin Margit Dengler-Paar.

          Nach einer rund zweistündigen Unterbrechung des Trainings verzichteten bis auf Olympiasieger und Weltmeister Andre Lange (Oberhof) sowie Matthias Höpfner (Riesa) alle deutschen Zweierbob-Besatzungen auf Testfahrten. Auf einer Mannschaftsleitersitzung war zuvor darauf hingewiesen worden, daß beim Training größtmögliche Sorgfalt walten muß, berichtete Hoppe.

          Raimund Bethge, der wegen der Folgen eines Busunfalls 1979 seine Karriere als Bobfahrer beenden mußte, ist bereits der zweite BSD- Bundestrainer, der bei einem Trainingsunfall schwer verletzt wurde. Auf der Bahn in Winterberg war 1993 der damalige Rodel-Bundestrainer Sepp Lenz beim Schneefegen auf der Bahn von der amerikanischen Rodlerin Bethany Calcaterra erfaßt worden. Lenz verlor bei dem Unglück einen Unterschenkel.

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