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Biathlon-WM Schritte in die falsche Richtung

Die deutschen Biathleten Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer und Erik Lesser gewinnen als Staffel Bronze. Das bessert die Bilanz von Nove Mesto allerdings kaum auf.

© dpa Nervenflattern zum Schluss: Erik Lesser macht aus Silber Bronze

Erst ganz zum Schluss befiel Erik Lesser das große Nervenflattern. Bis zum allerletzten Stehendanschlag waren die deutschen Skijäger vollkommen überraschend eine Bank am Schießstand. 35 mal hatten Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer und Lesser am Samstag in der Vysocina Arena auf die Scheiben angelegt, und jedes Mal waren die umgeklappt. Fast schon eine unheimliche Serie nach all den Fehlschüssen in Nove Mesto. Sie können es also doch, die WM-Wackelkandidaten. Aber dann stand Lesser, überraschend zum Schlussläufer der 4x7,5-Kilometerstaffel befördert, auf der pinkfarbenen Matte, und hätte eigentlich ganz befreit den Finger krumm machen können.

Claus Dieterle Folgen:

Der Norweger Emil Hegle Svendsen hatte sich bereits vom deutschen Konkurrenten verabschiedet, beide Hände zur Triumphgeste in die Hüften gestützt, und hatte Gold mitgenommen, Silber war dem deutschen Quartett sicher. Und dann schaffte es Lesser nicht, fünf Scheiben mit acht Patronen abzuräumen: zwei Strafrunden, die makellose Bilanz war dahin, der zweite Platz auch. Denn dem Ansturm des Weltcup-Spitzenreiters Martin Fourcade war Lesser nicht gewachsen.

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Und doch gab es in Form von Bronze wenigstens ein kleines Happy End. Die erste Medaille für die gebeutelten deutschen Männer am vorletzten Tag der WM - so wie vor einem Jahr in Ruhpolding: Damit hatten nicht mehr viele gerechnet. Deswegen überwog die Erleichterung. „Die Medaille ist sehr viel wert, sie war verdammt wichtig für uns“, sagte Birnbacher. Und Peiffer fügte hinzu: „Bronze ist ein Riesending“. Und warum soll man einem Kollegen Vorwürfe machen, der die Verantwortung übernommen hatte, die sie beide hatten nicht tragen wollen?

Lesser selbst war der einzige, der äußerst hart mit sich ins Gericht ging: „Ich hatte keinen Druck, das war Unvermögen. Ich bin tierisch enttäuscht von mir und brauche noch ein bisschen, um mich über diese Medaille zu freuen.“

Biathlon-WM 2013 © dpa Vergrößern Guten Job gemacht in der Staffel: Andreas Birnbacher

Sie waren von Anfang vorne mit dabei, nie schlechter als Rang zwei - bis zum nicht ganz so bitteren Ende. Schempp, im Einzel nicht eingesetzt, erledigte seinen Job mit Bravour, Birnbacher blieb clean, Peiffer makellos. Der Rest ist bekannt. Diese - mit einer Ausnahme - überragende Vorstellung am Schießstand konterkariert den bisherigen WM-Auftritt in Nove Mesto. Wer hätte erwartet, dass die vier doch so verunsicherten Deutschen noch zu einer solchen Serie fähig sein würden?

Der Vorsprung durch Technik ist dahin

Bronze ist gut für die Seele, wo doch Rang acht von Andreas Birnbacher im Einzel bislang das Beste war, was die Deutschen zu bieten hatten. Aber der deutsche Vorsprung durch Technik, Waffen und Material ist dahin, die anderen Nationen investieren heute ebenfalls viel Geld. Fast alle trainieren mittlerweile unter professionellen Bedingungen. Und die Deutschen haben nicht mehr das große Reservoir früherer Jahre. Einen herausragenden Biathleten vom Schlage eines Emil Hegle Svendsen oder Martin Fourcade sucht man derzeit in deutschen Landen vergeblich. Aber den suchen andere auch.

Dennoch: Die deutschen Biathleten sind keineswegs so schlecht, wie das Leistungsbild von Nove Mesto vielleicht glauben macht. Denn eines steht fest: Anders als früher war diesmal kein einziger deutscher Biathlet beim Saisonhöhepunkt bislang in Bestform. Sondern ein ganzes Stück davon entfernt. Stimmt das Training nicht, oder liegt es nur am Timing? Das ist schwer zu beurteilen.

Zu viele Fehler, zu lange Schießzeiten

Zumal es „den“ Grund nicht gibt. Der Anfangsverdacht beim Material hat sich nicht bestätigt. Fest steht, dass bei vielen das Gesamtsystem derzeit nicht passt. Auch wenn die Staffel anderes nahelegt: Am Schießstand herrschte bislang bei den einstigen Meisterschützen große Unsicherheit. Zu viele Fehler, zu lange Schießzeiten, schon da geht bei der heutigen Leistungsdichte eine Menge Zeit verloren. Dabei hat sich der berüchtigte mährische Wind in Nove Mesto doch weitgehend zurückgehalten. Aber wenn der einstige „Mister Zuverlässig“ Arnd Peiffer in den Einzelkonkurrenzen sieben von 50 Scheiben verfehlt, ist er weit weg von seinem Vermögen, auch seine Laufzeiten sind nicht konstant auf Top-Niveau.

Birnbacher hat in der Vorbereitung im Training mit einem Triathlon experimentiert, um den nächsten Schritt zu machen. Dass es einer zurück war, zumal auch zwei Infekte hinzukamen, kann passieren. Training ist auch „ein Stück Trial and Error“, sagt Arnd Peiffer, der andere Deutsche, der in dieser Saison sein zweifellos großes Potential einfach nicht ausspielen kann. Der hat nach beendeter Ausbildung ganz auf Vollprofi gesetzt, aber das ist offenbar schiefgegangen. Die WM in Nove Mesto ist ein Jahr vor den Olympischen Spielen vielleicht ein Warnschuss zu rechten Zeit. Und wenn es gelingt, die richtigen Lehren zu ziehen, kann man in Sotschi die Svendsens und Fourcades wenigstens wieder ärgern.

Biathlon-WM in Nove Mesto

Herren, 4 x 7,5 km:
Gold: Norwegen (Ole Einar Bjørndalen, Henrik L’Abée-Lund, Tarjei Bø, Emil Hegle Svendsen) 1:15:39,0 Std./0 Strafrd.+5 Schießfehler;
Silber: Frankreich (Simon Fourcade, Jean Guillaume Beatrix, Alexis Boeuf, Martin Fourcade) + 1:12,8 Min./0+7;
Bronze: Deutschland (Simon Schempp, Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer, Erik Lesser) + 1:18,5/2+3;
4. Russland + 1:24,1/2+7; 5. Österreich + 1:38,9/0+5; 6. Tschechien + 2:50,1/0+9; 7. Italien + 3:04,9/1+9; 8. Kanada + 3:05,7/0+9.

Quelle: FAZ.NET

 
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