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Biathlon-WM Party für alle - außer für die Deutschen

 ·  Die Tschechen feiern eine stimmungsvolle Biathlon-WM - nur beim deutschen Team ist sie im Keller.. Miriam Gössner landet im Sprint auf Rang sechs. Und auch die Herren schaffen nicht den Sprung auf das Podest.

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© dpa Vergrößern Beste DSV-Athletin: Miriam Gössner wurde Sechste

Mark Kirchner steht am Schießstand mit versteinerter Miene, Fritz Fischer wendet sich Augen rollend ab und knallt die Skistöcke in den Schnee. Nein, das ist nicht das erhoffte Unternehmen Wiedergutmachung, dass die beiden Trainer der deutschen Männer mit ansehen müssen. Schließlich ist Biathlon-WM, schließlich sorgen 21.000 Zuschauer im Hexenkessel der Vysocina Arena von Nove Mesto für eine Stimmung wie daheim in Oberhof.

Sie hätten am Samstag nur zu gerne wieder mitgefeiert, die Deutschen, nachdem die Mixed-Staffel zum Auftakt gründlich in die Hose gegangen ist. Aber auch nach dem Sprint stehen wieder die anderen auf dem Podest: Der Norweger Emil Hegle Svendsen, der diesmal den Zweikampf mit dem französischen Branchenführer Martin Fourcade bei jeweils einer „Fahrkarte“ um 8,1 Sekunden gewonnen, hat.

Der Slowene Jakov Fak an Position drei. Und die deutsche Mannschaft, die immer wieder als so stark und homogen gepriesen wurde, hat nicht mehr zu bieten als den zwölften Platz von Erik Lesser. Kaum noch Hoffnung auf ein versöhnliches Wochenende, weil die Zeitrückstände - bei Lesser sind es 49,4 Sekunden - im Verfolgungsrennen an diesem Sonntag schon beträchtlich sind. Jedenfalls bei den Männern.

Drei Stunden später schwebt Gerald Hönig zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Die drei Fehler von Andrea Henkel (Platz 33) im Sprint machen ihn sprachlos, aber Miriam Gössners Vorstellung lässt die Augen des Frauen-Trainers blitzen. Als Sechste hat die Pechmarie der Mixed-Staffel zwar auch keine Chance auf das Podest, das die beiden Ukrainerinnen Olena Pidruschina (Platz eins) und Vita Semerenko (Platz drei) mit der Norwegerin Tora Berger teilen, aber die Laufleistung stimmt wieder zuversichtlich.

Eigentlich ist die 22 Jahre alte Garmischerin die Einzige, die an diesem grauen Wintertag Optimismus versprüht: „Ich habe eigentlich nie an meiner Form gezweifelt“, sagt sie. Die zwei Fehler liegend seien ärgerlich, aber stehend Null. „Das war wichtig für mich.“ Nur 33,1 Sekunden trennen sie von der Spitze, und was das für die Verfolgung bedeutet, ist klar: „Da wird vom ersten Meter gefightet.“ Sie kann noch als einzige aus eigener Kraft auf das Podest. Das ist das Kriterium für Weltspitze.

Das erfüllen bei den Männern derzeit nicht einmal die Aushängeschilder Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer. Birnbacher, der in dieser Saison zwei Weltcupsiege erkämpft hat, steht die Enttäuschung ins abgekämpfte Gesicht geschrieben, als er nach Platz 23 bekennt: „Damit kann ich nicht zufrieden sein.“ Dabei hatte er das Gefühl: „Heute geht was.“

Bis zum Stehendschießen sah das so schlecht nicht aus. Aber als Birnbacher dann in der aufrechten Position zwei Scheiben stehenließ, „war plötzlich die Enttäuschung in mir. Und dann ist einfach nix mehr gegangen“, sagt der 31 Jahre alte Schlechinger. Mit 1:24,7 Minuten Rückstand macht sich selbst ein Berufsoptimist - und zu denen gehört Birnbacher nicht einmal - keine Illusionen mehr. „In der Verfolgung ist nicht mehr viel drin“, sagt er. Auf eine Nullserie kann er auch nicht hoffen, weil er mit seinem Stehendanschlag hadert.

Selbst im Training klappt es nicht so recht. Dabei hat der berüchtigte Schießstand von Nove Mesto bislang nur sein nettes Gesicht gezeigt. Es wäre schon hilfreich, wenn Birnbacher wüsste, woran es liegt. Er weiß immerhin, an wem es liegt: „An mir. Es ist wie bei einem Golfer, der den Ball nicht trifft.“ Nur muss der nicht auch noch läuferisch überzeugen. Selbst das geht Birnbacher am Samstag ab. Was wohl nicht nur an ihm liegt: „Der Ski hat auf der Schlussrunde mehr abgebaut als bei den Spitzennationen. Daran müssen wir arbeiten“, sagt er.

Mit einer Lösung dieses Teilproblems wäre Arnd Peiffer im Moment wohl auch nicht geholfen. Der Sprint-Weltmeister von 2011 ist nach starkem Saisonbeginn auf der Suche nach sich selbst und bekennt nach Platz 16 müde: „Ich weiß nicht, woran es liegt, aber im Moment bin ich nicht bei 100 Prozent. Da kriege ich gegen die Topleute halt ein paar Sekunden.“

Es war eine Minute und acht Sekunden. Bei nur einem Schießfehler. Wobei man ihm am Samstag mildernde Umstände zubilligen muss. Weil bei einer WM auch sogenannte Exoten mitmachen dürfen, erwischte der Niedersachse im Mammutfeld der 136 Starter die Nummer 111. Dass da selbst eine WM-Strecke nicht mehr im Idealzustand ist, versteht sich von selbst. „Viel mehr ist bei mir derzeit nicht drin.“

Derart in der Defensive, bemüht man gerne die internationale Leistungsdichte bei den Männern, wie Cheftrainer Uwe Müssiggang: „Es wird brutal schwer, auf das Podest zu kommen. Noch nicht einmal die Russen sind oben, und die haben bislang eine gewaltige Saison gehabt.“ Der Unterschied: Die Russen haben am Samstag gleich drei Männer in die Top Ten gebracht.

Biathlon-WM in Nove Mesto

Zehn-Kilometer-Sprint der Herren

Gold: Emil Hegle Svendsen (Norwegen) 23:25,1 Min./1 Schießfehler;
Silber: Martin Fourcade (Frankreich) + 0:08,1/1;
Bronze: Jakov Fak (Slowenien) + 0:11,2/0;

4. Ole Einar Bjørndalen (Norwegen) + 0:19,9/1;
5. Dmitri Malyschko (Russland) + 0:23,2/0;
6. Alexis Boeuf (Frankreich) + 0:25,0/0;
7. Anton Schipulin (Russland) + 0:32,9/1;
8. Fredrik Lindström (Schweden) + 0:38,0/2;
9. Jewgeni Ustjugow (Russland) + 0:38,4/1;
10. Simon Eder (Österreich) + 0:38,6/0; ...
12. Erik Lesser (Frankenhain) + 0:49,4/1;
16. Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) + 1:08,1/1;
23. Andreas Birnbacher (Schleching) + 1:24,7/2;
28. Simon Schempp (Uhingen) + 1:36,2/2

7,5-Kilometer-Sprint der Damen:

Gold: Olena Pidgruschna (Ukraine) 21:02,1 Min./0 Schießfehler;
Silber: Tora Berger (Norwegen) + 0:06,4/1;
Bronze: Wita Semerenko (Ukraine) + 0:22,8/0;

4. Olga Saizewa (Russland) + 0:24,5/1;
5. Olga Wiluchina (Russland) + 0:25,3/0;
6. Miriam Gössner (Garmisch) + 0:33,1/2;
7. Krystyna Palka (Polen) + 0:34,5/1;
8. Ann Kristin Aafedt Flatland (Norwegen) + 0:35,5/0;
9. Kaisa Mäkäräinen (Finnland) + 0:40,8/2;
10. Veronika Vitkova (Tschechien) + 0:50,6/0; ...
13. Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld) + 0:55,1/0;
33. Andrea Henkel (Großbreitenbach) + 1:32,6/3;
84. Nadine Horchler (Willingen) + 3:26,7/4

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