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Biathlon-WM : Die Biathlon-Königin

Der dritte Titel im vierten Rennen: Laura Dahlmeier ist bei der Biathlon-WM kaum zu schlagen Bild: dpa

Viertes Rennen, vierte Medaille, dritter Titel: Laura Dahlmeier ist der unumstrittene Star der Biathlon-WM. Im Einzel über 15 Kilometer ist sie schneller als ihre Rivalin Gabriela Koukalova.

          Die Oma hat mal wieder recht gehabt: „Wanns laaft, dann laafts“, pflegt die Großmutter von Laura Dahlmeier zu sagen, wenn ihre Enkelin mal wieder eine kleine Serie hingelegt hat. Und Laura Dahlmeier hat derzeit tatsächlich einen Lauf. Auch am Mittwoch, als die Biathlon-Weltmeisterschaft in Hochfilzen nach zwei Ruhetagen wieder den Betrieb aufnahm, war die 23 Jahre alte Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen vor 12 500 Zuschauern mit ihrer kontrollierten Offensive auch im 15-Kilometer-Einzel nicht zu schlagen.

          19 von 20 Schuss gingen ins Schwarze, und am Ende trennten sie 24,7 Sekunden von einer, mit der sie sich schon die ganze Saison duelliert. Gabriela Koukalova, ihre tschechische Dauerrivalin auch im Kampf ums Gelbe Trikot, ließ ebenfalls eine Scheibe stehen. Dritte wurde überraschend die Italienerin Alexia Runggaldier. „Ich bin froh, dass es nur einen Scheibe war“, sagte Gabriela Koukalova, „ich habe auch nicht erwartet, dass ich Laura schlage. Sie ist unglaublich gut in Form. Sie ist in allem besser, da habe ich keine Chance.“

          Erinnerungen an Neuner

          Laura Dahlmeier beschrieb ihr Erfolgsrezept lapidar mit den Worten: „Viel treffen, Gas geben, locker bleiben, im richtigen Moment konzentrieren – mit wahnsinnig guten Ski ist dann so etwas möglich.“ Die junge Deutsche hat jetzt bei der WM in Tirol neben einer Silber- ihre dritte Goldmedaille erkämpft, und dazu fällt ihr im ersten Moment nicht viel ein als: „Mir fehlen die Worte.“ Was bei ihr selten der Fall ist.

          Aber dieser WM-Auftritt erinnert schon stark an den ersten von Magdalena Neuner, die mit zwölf Titeln immer noch Rekord-Weltmeisterin ist. Diesen Vergleich mag Laura Dahlmeier zwar nicht, aber sie hat schon einmal eingeräumt: „Ich habe immer so Bilder von der Lena im Kopf, wie sie in Antholz 2007 dreimal Gold gewonnen hat. Das hat mich schon beeindruckt. Drei Gold bei einer WM, das ist schon Wahnsinn.“

          Etwas zu langsam: Gabriela Koukalova muss Laura Dahlmeier den Vortritt lassen
          Etwas zu langsam: Gabriela Koukalova muss Laura Dahlmeier den Vortritt lassen : Bild: dpa

          Jetzt ist sie der Wahnsinn. Und drauf und dran, ihre Ausbeute von Oslo vor einem Jahr – fünf Medaillen – zu übertreffen, wobei in Norwegen „nur“ eine davon goldenen Glanz hatte. Gold im Einzel ist die neunte WM-Medaille in Folge. Aber so ganz überraschend kam dieser Titel keineswegs. Sie ist ja so etwas wie die Einzel-Königin, auch wenn sie sagt: „Ich mag diesen Wettbewerb nicht, weil er so anstrengend ist.“ Die älteste Biathlon-Disziplin steht zwar nicht so oft auf dem Weltcup-Programm, aber die beiden einzigen Rennen in dieser Saison hat Laura Dahlmeier gewonnen. Im Dezember in Östersund bei tückischen Böen, im Januar in Antholz in der für nicht alle verträglichen Höhe von 1650 Metern.

          Der Frühling ist ausgebrochen

          Am Mittwoch kam eine ganz andere Herausforderung hinzu. Denn in Tirol ist der Frühling ausgebrochen, selbst auf knapp 1000 Metern Seehöhe. Elf Grad plus im Schatten. Damit muss man erst mal klarkommen. Viele haben am Mittwoch über die ungewohnte Wärme geklagt. Und womöglich war auch der kleine Schwächeanfall, den Laura Dahlmeier nach den ersten Interviews erlitt, die Folge der Winterhitze, zum Glück erst nach dem Rennen. Aber nach einer kurzen Behandlung vom Mannschaftsarzt konnte sie bei der Flower Ceremony schon wieder vor Freude hüpfen. „Es war wie im Sommer, ich hatte kurz Probleme mit dem Blutdruck“, sagte sie, als mit einiger Verspätung doch noch zur Pressekonferenz kam.

          Weil die Februarsonne die WM-Strecken weich gemacht hat, waren die Favoritinnen am Mittwoch fast alle auf die hintere Startgruppe ausgewichen. In der Hoffnung, mit nachlassender Solarenergie könnte der Kurs wieder ein wenig schneller werden. Aber was bei einem so schießlastigen Wettbewerb wie dem 15-Kilometer-Einzel, wo jeder Fehler mit einer Strafminute geahndet wird, vielleicht noch mehr zählt: Die ersten WM-Trage haben gezeigt, dass auch die Optik eine entscheidende Rolle spielt. Die Sonne kommt von links, und drückt den Schuss insofern nach rechts, weil der Schütze links von der Scheibe einen Schatten sieht. Eine optische Täuschung, die die Trefferfläche verkleinert. Auch deshalb war Laura Dahlmeier am Mittwoch mit der hohen Startnummer 93 unterwegs, als Letzte aus dem Kreis der Titelanwärterinnen.

          Sie hatte also die Konkurrenz vor sich, so dass sie zumindest in der Schlussrunde genau wusste, was zu tun war. Die Französin Marie Dorin-Habert, Titelverteidigerin von Oslo, war schon schnell aus dem Rennen, und auch Gabriela Koukalova hatte sich schon im ersten Anschlag eine Strafminute eingehandelt. Aber die 27 Jahre alte Tschechin, die in Hochfilzen schon Weltmeisterin im Sprint geworden war, hat genau wie Laura Dahlmeier diese Eiseskälte, wenn es darauf ankommt. Und die „Gabi“, wie sie alle nennen, traf alle Scheiben. Aber ihre deutsche Konkurrentin hat vielleicht noch mehr von dieser Kaltschnäuzigkeit, die aber auch mit dem Erfolg kommt. Am Mittwoch aber überwog nach getaner Arbeit dann doch die Erschöpfung nach der „Hitzeschlacht“. „Am liebsten würde ich mich jetzt ins Bett legen und die Augen zumachen“, sagte Laura Dahlmeier. Da wartete noch die Siegerehrung auf sie.

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