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Biathlon-WM : Dahlmeier bringt Gold ins Ziel – mit letzter Kraft

Erschöpft im Ziel: Laura Dahlmeier braucht Hilfe ihrer Staffelkolleginnen Bild: AFP

Laura Dahlmeier führt die deutsche Biathlon-Staffel zum WM-Titel, erleidet die nächste Kreislaufschwäche – und gibt Entwarnung. Ein Start am Sonntag ist nicht in Gefahr.

          Zum Schluss überwog dann doch wieder die Sorge um Laura Dahlmeier. Blass und apathisch saß die 23 Jahre alte Biathletin auf dem Podium, den leeren Blick irgendwo weit in die Ferne gerichtet, während die Teamkolleginnen ausgelassen und in bester Laune ihr gemeinsames Staffel-Gold feierten. Bis Vanessa Hinz bemerkte, wie es um die derzeit beste Biathletin der Welt stand, und sagte: „Komm, hat doch keinen Zweck.“

          Wieder der Kreislauf, wie schon zwei Tage zuvor nach dem Einzel. Nur dass diesmal nicht die Frühlingssonne vom Tiroler Himmel brannte, sondern ein dichter, nasser Flockenwirbel auf das Hochfilzener Biathlonstadion niederging, der die Sicht trübte und die Strecke stumpf werden ließ. Und noch bevor die Pressekonferenz begann, wurde Laura Dahlmeier vom Teamarzt Hans-Jürgen Marquardt in einen Nebenraum geführt.

          Bild: Reuters

          Eine halbe Stunde später gab der Doc mit einem Original-Zitat von Laura Dahlmeier dann Entwarnung: „Mein Opa sagt immer: Ich bin ein zähes Luder“, ließ er ausrichten, bevor er zur Diagnose überging. „Es ist die Summation der Wettkämpfe, und die Laura gehört zu den Leistungssportlern, die mehr geben können, als wozu sie körperlich eigentlich in der Lage sind. Wenn man bei diesen Bedingungen 150 Prozent gibt und dann im Ziel die Spannung plötzlich abfällt, dann geht der Kreislauf in den Keller.“ Dann heißt es Beine hoch, und elektrolyt- und kalorienreiche Getränke zu sich nehmen. „Spitzensportler erholen sich schnell“, sagt Marquardt.

          Die Konkurrenz im Nacken

          Genau das zeichnet Laura Dahlmeier aus: Wenn sie sich eine Schwäche erlaubt, dann erst nach getaner Arbeit. Kurz zuvor hatte sie es als Schlussläuferin der deutschen 4x6-Kilometer-Staffel noch einmal spannend gemacht: Zwei Scheiben verfehlte sie am Freitag im Stehendanschlag, aber das bügelte sie mit zwei Zusatzpatronen routiniert wieder aus. Allerdings war der Vorsprung des deutschen Quartetts auf 5,4 Sekunden geschmolzen. Und die prominente Konkurrenz saß Laura Dahlmeier im Nacken. Aber wie hatte Vanessa Hinz vorher gesagt: „Die Laura ist unser Joker.“

          Und dieser Joker stach auch diesmal, wenn auch wohl mit letzter Kraft. Zeit, sich eine deutsche Flagge zu greifen, blieb der 23 Jahre alten Bayerin nicht. Denn nur 6,4 Sekunden hinter ihr flitzte die ukrainische Schlussläuferin Olena Pidruschna über den Zielstrich, knapp vor der Französin Marie Dorin-Habert. Selbst zur Triumph-Geste fehlte Laura Dahlmeier vor 17.800 Zuschauern die Energie, bevor sie erschöpft in den Schnee sank. „Wichtig war letzten Endes, dass ich alle Scheiben getroffen habe“, sagte sie später.

          WM-Rekordbilanz

          Fünfter Wettbewerb, fünfte Medaille, insgesamt zehn WM-Plaketten in Serie, das hat noch keine Biathletin geschafft. Ein saisonübergreifender Rekord, weil sie die ersten fünf Medaillen ja von der WM 2016 in Oslo mitgebracht hatte. „Das ist schön“, sagte sie. Aber was noch bemerkenswerter war: Viermal Gold bei einer WM, das war selbst Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner nicht vergönnt. Nur die beiden längst zurückgetretenen Norwegerinnen Liv Grete Poiree und Tora Berger spielen noch in dieser Top-Liga. „Das ist schon gigantisch“, sagte Laura Dahlmeier, „aber heute möchte ich hervorheben, dass wir eine richtig tolle Staffel sind. Da macht es Spaß, gemeinsam zu feiern.“

          Obwohl wenig später danach wirklich nicht zumute war. Das deutsche Quartett war als klarer Favorit in dieses WM-Rennen gegangen. Kein Wunder, denn alle drei Staffeln hatte die deutsche Mannschaft in dieser Saison gewonnen. Und sie hatte diese Rolle auch ohne Wenn und Aber angenommen. „Wir waren die Favoriten und eine Medaille unser Ziel. Jetzt ist Gold draus geworden, deshalb ist alles perfekt aufgegangen“, sagte Vanessa Hinz.

          Die Startläuferin musste im Stehendanschlag zwar zweimal nachladen, ließ sich aber nicht abschütteln und übergab als Dritte mit 10,6 Sekunden Rückstand an Maren Hammerschmidt. „Ich habe nach den zwei Fehlern noch Zeit gut gemacht“, sagte Hinz. „Wir hatten ja auch Topmaterial.“ Ihre 27-jährige Kollegin vermied in der Stehendposition gerade so die Strafrunde. „Ich war nervös, ich musste wirklich hart kämpfen“, sagte Maren Hammerschmidt angesichts ihrer drei Nachlader. Franziska Hildebrand ging mit 6,0 Sekunden Rückstand ins Rennen.

          Die 29 Jahre alte Biathletin war das große Fragezeichen im deutschen Team, weil sie mit Platz 19 im Sprint als bestem Resultat unter den Erwartungen geblieben war. Aber irgendwie schaffte es die Erfahrenste, ihren Frust in positive Energie zu verwandeln. Zehn Schuss, zehn Treffer, sodass Laura Dahlmeier ein kleines Polster von 9,7 Sekunden mit auf die letzten sechs Kilometer nahm. Deren Einsatz am Sonntag im Massenstart ist übrigens nicht gefährdet. „Es ist etwas viel gewesen in letzter Zeit. Ich bin mir sicher, dass ich mich wieder richtig regeneriere. Ich denke, dass es bis zum Massenstart wieder klappen kann. Dann gebe ich wieder Vollgas“, sagte Dahlmeier selbst.

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