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Biathlon-Staffel Eine Dahlmeier reicht nicht

Die überraschend für die Staffel nominierte Junioren-Weltmeisterin Laura Dahlmeier zeigt ein famoses Rennen. Leider fallen Franziska Hildebrand, Miriam Gössner und Andrea Henkel ab.

© dpa Vergrößern Gut gezielt: Nachrückerin Laura Dahlmeier zeigt in Nove Mesto einen starken Auftritt

Biathlon-Staffeln sind wie Achterbahnfahrten. Mal ist man ganz oben, mal rauscht man haltlos in die Tiefe. Schade nur, wenn die ganze Sause im Tal endet. Das deutsche Frauen-Quartett hat dieses Wechselbad der Gefühle ohne Happy End am Freitagabend bei der Weltmeisterschaft in Nove Mesto bis zum Überdruss durchgemacht.

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Von Platz 14 auf Rang acht, plötzlich Spitzenreiter, aber am Ende der 4x6 Kilometer mit jeweils zwei Schießeinlagen standen Franziska Hildebrand, Miriam Gössner, Laura Dahlmeier und Andrea Henkel in der mit 27.000 Zuschauern ausverkauften Vysocina Arena mit leeren Händen da. Platz fünf statt Gold. Und sie schielten sehnsüchtig zum Podest hinauf, wo mal wieder die anderen die Medaillen in den Nachthimmel reckten: Ganz oben Norwegen, mit der überragenden Schlussläuferin Tora Berger, die sich Titel Nummer vier holte, die Ukraine und, als große Überraschung, das Quartett aus der Italien.

„Da war deutlich mehr drin“

Keine Medaille, das ist einer deutschen Frauen-Staffel zum letzten Mal 1993 passiert. „Schade“, dass es nur Platz fünf geworden ist, da war deutlich mehr drin“, sagte Frauen-Bundestrainer Ricco Groß. Aber Schlussläuferin Andrea Henkel, bislang einzige deutsche Medaillengewinnerin, musste zu oft nachladen. 20 Sekunden fehlten zu Bronze.

Und doch gab es in der allgemeinen Enttäuschung eine junge Biathletin, die gar nicht aufhören wollte zu strahlen. Die Gewinnerin des Abends: WM-Azubi Laura Dahlmeier. Nie gehört, den Namen? Da muss man kurz ausholen. In der Not greift man manchmal zu ungewöhnlichen Mitteln. So wie die Trainer der deutschen Biathletinnen. Die hatten kurzerhand noch die Staffel umgekrempelt, weil die bislang so zuverlässige Willingerin Nadine Horchler bei der WM in Nove Mesto unter Formschwäche leidet. Und Laura Dahlmeier in den kalten Schnee geworfen.

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Die Partenkirchenerin ist zwar frischgebackene dreifache Junioren-Weltmeisterin, aber noch ohne einen einzigen Weltcup-Einsatz, geschweige denn WM-Auftritt. Ein Akt der Verzweiflung?, fragte sich mancher. Oder ein kühner Schachzug? Als die Bayerin am Freitagabend an der Reihe war, hatte sie eigentlich keinen großen Stress mehr.

Plötzlich in Führung

Ihre Vorläuferinnen Franziska Hildebrand und Miriam Gössner hatten zwar alle Scheiben abgeräumt, aber mit insgesamt acht Nachladern zuviel Zeit auf der Matte verloren. Platz acht beim Wechsel, 38,7 Sekunden hinter der Spitze. Da erwartet keiner mehr die große Aufholjagd – nicht von einer Juniorin. Und das war vielleicht ganz gut so. Denn plötzlich fegte Laura Dahlmeier über den Kurs, holte Sekunde um Sekunde auf, und am Schießstand schien sie keine Nerven zu kennen. Ob liegend, ob stehend – sie war sicher, konzentriert, präzise, gut im Rhythmus, so als sei sie schon jahrelang in den Hexenkesseln der Biathlon-Welt unterwegs. Und nicht in der zweiten und dritten Liga.

Bild Biathlon 1 Übergabe: Dahlmeier (rechts) schickt Andrea Henkel auf die Runde © dpa Bilderstrecke 

Plötzlich lag das deutsche Quartett in Führung. Dank einer famosen Juniorin. „Ich habe versucht, alles so zu machen wie im Deutschland-Pokal oder im IBU-Cup“, sagte sie später im breitesten Bayerisch, „und das ist mir ganz gut gelungen.“ Das kann mal wohl sagen. Vor allem die Nervenstärke am Schießstand war bemerkenswert. Cool bis in die brünetten Haarspitzen. „Ach, das hat bei meinem eigentlichen Saison-Höhepunkt, der Junioren-WM, auch ganz gut geklappt.“ Und den gewaltigen Lärmpegel in der Arena hat sie einfach ausgeblendet. „Ach, man hat doch gar keine Zeit, darüber nachzudenken.“

„Souverän, große Klasse“

Unbekümmertheit nennt man das. Der Vorteil der Jugend. Und den klassischen Anfängerfehler, sich von der Kulisse überwältigen zu lassen und auf der Strecke zu schnell zu machen, beging sie auch nicht. Das bisschen Nervosität kurz vor dem Start hat sie auch rechtzeitig in den Griff bekommen. Und eine schlaflose Nacht hat ihr der überraschende Einsatz schon gar nicht beschert. „Ich habe so gut geschlafen wie noch nie hier.“ Auch Ricco Groß war mehr als angetan. „Ein tolles Rennen, souverän, große Klasse.“

Schon als er ihre Ruhe, ihre Abgeklärtheit beim Anschießen gesehen habe, sei ihm klar gewesen: „Das muss doch funktionieren.“ Sie haben ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert, die deutschen Trainer, und gehofft, dass es rennen kann wie ein Hase. Zumindest dieser Teil der Taktik ist aufgegangen. Natürlich hat das Tüpfelchen auf dem „i“ gefehlt, aber Laura Dahlmeier hatte trotzdem ihren Spaß. Und sie hat vor allem Spaß gemacht. „Das war eine Riesenerfahrung für mich, vor so vielen Leuten zu laufen, und ich hoffe, ich darf das wieder erleben.“ Nach diesem Rennen ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch.

Biathlon-WM:

Damen, 4 x 6 km
Gold:
Norwegen (Hilde Fenne, Ann Kristin Aafedt Flatland, Synnøve Solemdal, Tora Berger)1:08:11,0 Std./1 Strafrd. + 9 Schießfehler;
Silber: Ukraine (Julia Dschyma, Wita Semerenko, Walj Semerenko, Olena Pidgruschna) + 0:07,0 Min./0+5;
Bronze: Italien (Dorothea Wierer, Nicole Gontier, Michela Ponza, Karin Oberhofer) + 0:11,6/0+4;
4. Russland + 0:29,0/0+7; 5. Deutschland (Franziska Hildebrand/Clausthal- Zellerfeld, Miriam Gössner/Garmisch, Laura Dahlmeier/Partenkirchen, Andrea Henkel/Großbreitenbach) + 0:30,9/0+11; 6. Frankreich + 0:36,7/0+13.

Quelle: F.A.Z.

 
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