Home
http://www.faz.net/-gu7-6xgls
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Biathlon in Oslo Der Hals tut weh, die Nase läuft

05.02.2012 ·  Vier Siege und zwei zweite Plätze: Auch mit gesundheitlichen Problemen von Magdalena Neuner und Arnd Peiffer sind die deutschen Skijäger beim Weltcup in Oslo stark. Das macht Mut für die Biathlon-WM.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)
© AFP Beim Heimspiel in Oslo ist Emil Hegle Svendsen zu schnell für Andreas Birnbacher

Serien-Siegerin Magdalena Neuner verdrückte nach ihrem Start-Verzicht ein paar Tränen, Andrea Henkel überraschte sich selbst und feierte ihren ersten Saison-Erfolg. Die Thüringerin gewann am Sonntag in Abwesenheit der kranken Neuner beim Weltcup in Oslo das Massenstart-Rennen.

„Ich habe nicht mit solch einem Ergebnis gerechnet“, sagte die siebenmalige Weltmeisterin. Neuner hatte zuvor im Sprint und in der Verfolgung triumphiert, aber dann erkältet ihr Mitwirken im Sonntagsrennen abgesagt. Auch Arnd Peiffer startete einen Tag nach seinem ersten Weltcup-Erfolg in einem Verfolgungsrennen am Sonntag nicht.

Dafür schaffte es Andreas Birnbacher im Massenstart wieder auf das Podest. Als der Schlechinger im letzten Oslo-Rennen das Duell mit dem Norweger Emil Hegle Svendsen verlor, stand Magdalena Neuner dick eingepackt im gelben Anorak und blauer Mütze wieder im Stadion, um sich die berühmte Holmenkollen-Medaille für besondere Verdienste um den Skisport abzuholen.

„Es wird zwar schon langsam besser, aber ich habe gesagt, es ist nicht vernünftig an den Start zu gehen“, sagte sie. Nicht nur Neuner hatte Probleme. „Nach der zweiten Runde dachte ich schon, dass ich aussteigen muss, weil es mir so schlecht ging. Aber gut, dass ich es nicht gemacht habe. Auch ich habe vor dem Rennen überlegt, ob ich überhaupt starten soll“, sagte Birnbacher.

„Wir sind im Hinblick auf die WM gut aufgestellt“

Der Bayer wird nun genau wie Peiffer und Simon Schempp auf den nächsten Weltcup in Kontiolathi verzichteten. „Jetzt fahre ich erstmal nach Hause und erhole mich ein bisschen und dann geht’s zur WM“, sagte er. „Wir sind im Hinblick auf die WM gut aufgestellt“, meinte Neuner und da lachte sie schon wieder.

Die Rekordweltmeisterin wird auf alle Fälle von Freitag bis Sonntag in Finnland dabei sein. „Ich habe extra ausgelassen, um laufen zu können“, sagte sie. Neuner hatte Tränen in den Augen, als sie den Massenstart-Wettkampf absagen musste. „Der Hals tut weh, die Nase läuft. Es ist so eine Kombination aus Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die WM. Und natürlich versuchen wir auch, ihr die Chance zu geben, wieder gesund zu werden“, erklärte Mannschaftsarzt Jan Wüstenfeld.

Dreieinhalb Wochen vor der Heim-WM in Ruhpolding hatte sich Neuner beim vorletzten Weltcup einmal mehr in vielversprechender Form präsentiert. Dank ihrer Siege im Sprint am Donnerstag und in der Verfolgung am Samstag hat die Ausnahmebiathletin 31 Weltcup-Erfolge geschafft. Die 24-Jährige überholte damit Uschi Disl (30 Siege) und ist alleinige Zweite hinter der Schwedin Magdalena Forsberg (42).

Nun will die Wallgauerin zum dritten Mal den Gesamtweltcup gewinnen. „Das ist ein Ziel. Und ich bin ja auf dem besten Weg dazu.“ „Da wo viele schon Federn lassen, geht es bei mir richtig gut. Die Kurve geht nach oben“, sagte Neuner am Samstag. Sie verwies wie schon beim Sprintsieg darauf, dass sie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sei. „Man hört es ja noch an der Stimme. Ich bin schon noch etwas angeschlagen.“

„Er hat gesagt, dass er traurig ist, dass ich aufhöre“

Genau wie Neuner gewann Peiffer am Samstag souverän. Der Niedersache hatte 31,2 Sekunden Vorsprung vor dem Norweger Emil-Hegle Svendson. „Ich bin sehr stolz, dass es mit viermal Null in der Verfolgung geklappt hat. Und es ist ja auch der erste Sieg, der nicht im Sprint ist. Jetzt habe ich bewiesen, dass ich auch in der Verfolgung ganz oben stehen kann. Das war ein toller Tag für mich“, sagte der Sprint-Weltmeister, der sich ebenfalls über die traditionelle Sieger-Audienz bei König Harald V. freute.

„Er hat gesagt“, so Neuner, „dass er traurig ist, dass ich aufhöre. Das fand ich echt nett“, erzählte die 24-Jährige nach ihrem siebten Saison-Sieg. Trotz zweier Strafrunden war Neuner ganz entspannt im Verfolgungswettkampf ins Ziel gelaufen. „In der letzten Runde“, sagte sie, „war es schon schön, einfach mal zur Familie rüberzulächeln. Es ist für uns alle ein ganz besonderes Erlebnis hier oben am Holmenkollen.“ Erstmals war die Familie in Oslo dabei.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Improvisieren unter Zeitdruck

Von Michael Ashelm

Die Nationalelf setzt darauf, dass die frustrierten Münchner ihr neuen Anschub geben. Über genug Turniererfahrung und Reife verfügen die Leistungsträger. Zudem ist es ja nicht so, als hätten die Gegner keine Sorgen. Mehr 1 2