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Biathlon-Gewehre Präzision aus türkischer Walnuss

Handmade by Brislinger: Die deutschen Biathleten schießen bei der am Donnerstag beginnenden WM mit Kunstwerken aus einer Oberhofer Werkstatt. Das ist vielleicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil auch in der Mixed-Staffel (17.30 Uhr).

© dpa Vergrößern Zielsicher dank guter Waffe: Andreas Birnbacher mit Brislinger-Gewehr am Schießstand

Jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt in der Werkstatt von Sandro Brislinger oben in der Bundeswehrkaserne am Oberhofer Grenzadler. Sein WM-Job ist erledigt, jetzt kann der Waffenmeister nichts mehr tun für Andreas Birnbacher, Andrea Henkel oder Miriam Gössner. Aber er wird sehr genau hinschauen, wenn die deutschen Skijäger an diesem Donnerstag bei der Biathlon-Weltmeisterschaft im tschechischen Städtchen Nove Mesto zur ersten Entscheidung den windanfälligen Schießstand der Vysocina-Arena betreten. Und mitfiebern. Ihre Treffer sind auch seine, ihre Medaillen - sofern es welche gibt - gehören dem 38 Jahre alten Thüringer auch ein bisschen. Die deutschen Kleinkalibergewehre sind schließlich handmade by Brislinger. Das gilt als Qualitätssiegel.

Vor ein paar Tagen ist es in seinem Reich noch zugegangen wie im Taubenschlag. Unmittelbare WM-Vorbereitung der Biathleten in Oberhof. Draußen wabert der Nebel, drinnen steht Brislinger im blauen T-Shirt an der Werkbank und bearbeitet einen Gewehrschaft mit dem Stemmeisen. An der Wand hängen, penibel aufgereiht, Hunderte von Werkzeugen, jede Schublade ist fein säuberlich beschriftet, der kleine Maschinenpark von der Drehbank bis zur Schleifmaschine erstreckt sich bis in den Nebenraum. In einem Regal lagert ein halbes Dutzend Gewehrschaft-Rohlinge - Walnuss, so um die acht Kilo schwer.

Und ehe Brislinger zwei Sätze sagen kann, geht schon wieder sein Alarmsystem. Blaulicht für Telefonanrufe, die gelbe Blinkleuchte für die Tür. Diesmal blinkt es gelb. Nadine Horchler steht auf der Matte und nimmt das Gewehr vom Rücken. „Bitte durchchecken.“ Routinekontrolle vor der WM. Aber Brislinger entdeckt sofort die kleine Macke im fein polierten Holz, und man merkt, wie der Mann leidet. „Mein schöner Schaft.“

„Der Sandro lebt seinen Beruf“

Holz, das ist „sein“ Werkstoff. Darüber könnte er stundenlang referieren. Kernholz aus türkischer Walnuss ist das Nonplusultra im Schaftbau: Maserung in Längsrichtung, ideales Gewichts-Festigkeits-Verhältnis, in der Klimakammer getrocknet, verträgt große Temperatursprünge, ist über Jahre wetterstabil. Und er erzählt von riesigen Walnussbäumen in der Türkei, die den Wert eines Einfamilienhauses haben. „Es gibt Schaft-Rohlinge, für die man 5000 Euro hinblättern müsste.“ Die, die er bei ausgesuchten Händlern aufspürt, kosten nur 200. Das teuerste am Gewehr mit rund 400 Einzelteilen ist Brislinger selbst. Jedenfalls, wenn er den marktüblichen Stundenlohn eines Büchsenmachers verlangen würde: 60 bis 80 Euro. „Aber mich bezahlt ja die Bundeswehr“, sagt Hauptfeldwebel Brislinger. 80 bis 100 Stunden sägt, stemmt, fräst, schleift und poliert er, bis er aus einem Acht-Kilo-Block den 800 bis 900 Gramm schweren Schaft modelliert hat - eine Maßanfertigung: Armlänge, Schulterbreite, Fingerlänge, selbst die Wangenform fließt in die Schaftgeometrie mit ein. Die Ideen der Biathleten ebenfalls.

23104908 © Drewer Vergrößern Ein Gewehr in spe: Waffenmeister Sandro Brislinger mit Rohling

Unter denen gibt es richtige Tüftel-Freaks. Unangefochtener Spitzenreiter: Michael Greis. „Der war meine größte Herausforderung.“ Von dem im Dezember zurückgetretenen dreifachen Olympiasieger spricht Brislinger voller Hochachtung: „Der hat jeden Millimeter Unterschied bemerkt. Viele haben ihn belächelt, aber seine Ideen haben sie alle kopiert.“ Auch Arnd Peiffer bescheinigt er „gute Ideen“. Aber der ist kein Freak. Der Sprint-Weltmeister von 2011 sagt über Brislinger: „Der Sandro lebt seinen Beruf, mit dem haben wir einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.“ Und er hält ihn für einen Künstler, der Kreativität mit Stabilität verbindet. „Der baut überall noch eine Sicherung ein.“ Selbst gegen die Rechts-links-Schwäche von Andrea Henkel hat er sich etwas einfallen lassen. Damit die Thüringerin bei Wind in die richtige Richtung „rastet“, hat er „kleine Hebelchen an die Rasten am Diopter“ gebaut. Die Armriemen tragen auch Brislingers Handschrift.

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