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Biathlon-Frauen Ein Vorgeschmack auf die Zukunft

11.12.2011 ·  Magdalena Neuners Rücktritt trifft die Biathlon-Auswahl in ihrer schwierigsten Phase. Rang sechs in der Staffel in Hochfilzen erscheint wie ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

Von Claus Dieterle, Hochfilzen
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© dpa Die Leere danach: Magdalena Neuner tritt im März von der Biathlon-Bühne ab

Auch ein Siegertyp wie Magdalena Neuner kann nicht immer alles richten. Aber darauf muss man sich sowieso einstellen. Am Sonntag, zum Abschluss des Biathlon-Weltcups in Hochfilzen, führte die zehnmalige Weltmeisterin die deutsche Staffel als Schlussläuferin zwar noch von Rang zehn auf Position sechs.

„Mehr war aber nicht drin“, sagte Magdalena Neuner ganz richtig. Da hätten ihre Kolleginnen Franziska Hildebrand, Andrea Henkel und Tina Bachmann ihren Teil des 4×6-Kilometer-Wettbewerbs besser erledigen müssen. Mit 2:21,9 Minuten Rückstand konnten die Deutschen Tagessieger Norwegen oder den Französinnen auf Rang zwei jedenfalls keine Konkurrenz machen.

Vielleicht war es auch schon ein kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft. Dem Deutschen Skiverband (DSV) kommt der Rücktritt von Magdalena Neuner zum Saisonende alles andere als gelegen. Er trifft die Biathlon-Nation Deutschland in ihrer vielleicht schwierigsten Phase seit der Wende.

„Wir hatten ja schon nach den Olympischen Spielen von Vancouver einen riesigen Aderlass“, sagt Thomas Pfüller, der Sportdirektor und Generalsekretär des DSV. Und spricht damit den kollektiven Rücktritt von Kati Wilhelm, Martina Beck und Simone Hauswald an, die zusammen jahrelang Medaillen, Titel und Podestplätze zuhauf gesammelt haben. So ein Erfolgstrio auf Anhieb zu ersetzen, das schaffen nur wenige Verbände. Dem DSV ist das dank Andrea Henkel, der letzten Mohikanerin aus der Olympiastaffel 2010, und vor allem dank Magdalena Neuner besser gelungen als erwartet.

Der Frauenkader schrumpft weiter

Aber wenn die zweimalige Olympiasiegerin und zehnmalige Weltmeisterin im März abtritt, gehen dem DSV die Siegertypen aus. Nicht nur die. In Hochfilzen überraschte Neuners 25 Jahre alte Kollegin Kathrin Hitzer mit der frohen Botschaft, im Sommer Mutterfreuden entgegenzusehen.

Die von Verletzungen geplagte Schwäbin, die einmal zur erweiterten Weltspitze gehörte, hatte sich wieder auf ein gutes Niveau hochgearbeitet. Jetzt hat sie die Saison für beendet erklärt. Ob sie wiederkommen wird, ist offen. Auch die Oberhoferin Juliane Döll, Jahrgang 1986 und schon mal Vierte in einem Weltcup, wollte sich für die WM qualifizieren. Doch mangels Perspektive wird sie nun aufhören. Der Frauenkader schrumpft weiter.

„Zum Glück haben wir noch Andrea Henkel“, sagt Pfüller. Auf der Doppel-Olympiasiegerin von 2002, die als bislang Einzige in allen Einzel-Disziplinen Weltmeisterin geworden ist, ruhen in erster Linie die Hoffnungen bis Sotschi 2014 - falls die Thüringerin so lange weitermacht. Sie ist gerade 34 Jahre alt geworden, aber immer noch eine Kandidatin für Medaillen.

Dorthin könnte es sicher auch die ein oder andere Kollegin schaffen - gelegentlich. Der 25 Jahre alten Altenbergerin Tina Bachmann ist das im vergangenen März in Chanty-Mansijsk gelungen, als sie bei ihrem WM-Debüt Zweite im Einzel geworden ist und mit der Staffel Gold gewann.

„Sie muss schießen lernen“

In diesem Quartett war auch eine Biathletin, die man schon als die potentielle Nachfolgerin von Magdalena Neuner bezeichnet hat: Miriam Gössner, mittlerweile 21 Jahre alt, bietet die läuferische Ausnahmeklasse ihrer prominenten Kollegin, was sich allein daran ablesen lässt, dass sie als Leihgabe mit der deutschen Langlaufstaffel bei der WM 2009 und bei den Winterspielen 2010 jeweils Silber gewann. Frau Gössner hat allerdings ein Problem: „Sie muss schießen lernen, sonst brauchen wir da gar nicht reden“, sagt Pfüller. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Das war bei Magdalena Neuner einst auch so.

Aber im Grunde ist dies das Dilemma: Die einen können nur schnell laufen, andere, wie Franziska Hildebrand oder Carolin Henneke, treffen zuverlässig, rennen aber hinterher. Und sind schon 24, 25 Jahre alt. Wie Nadine Horchler, die in der kommenden Woche wieder einmal eine Chance bekommt, nachdem sie zwischenzeitlich sogar in einer Pizzeria jobben musste, um finanziell über die Runden zu kommen.

Natürlich gibt es bei allen noch gewisse Entwicklungsmöglichkeiten, und die Jahrgänge 1991 bis 1993 machen ein wenig Hoffnung, aber Bundestrainer Uwe Müssiggang sagt es ganz deutlich: „Ein Talent wie Magdalena Neuner ist nicht in Sicht.“ Zum Glück ist die bei der Heim-WM in Ruhpolding noch dabei, aber „dann müssen die Jungen raus aus ihrem Schatten“. Oder andere ran. „Wir müssen jetzt Gas geben“, sagt Sportdirektor Pfüller, „bis Olympia 2014 müssen wir wieder konkurrenzfähig sein.“

Pfüller hat offenbar einen Plan B in der Schublade, der schon im Januar in die Tat umgesetzt werden soll, nach der Tour de Ski der Langläufer. Und er spricht vielsagend von Synergie-Effekten: „Wir müssen schnell etwas tun.“ Auf lange Sicht muss man sich allerdings keine Sorgen machen. Der Baby-Boom im deutschen Biathlon hält an: Nach Uschi Disl, Kati Wilhelm und Martina Beck leisten jetzt auch Simone Hauswald und Kathrin Hitzer ihren Beitrag zur Zukunftssicherung.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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