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Biathlon Ernüchternde Sachenbacher-Premiere

Bei ihrem ersten Weltcup-Start als Biathletin in Pokljuka landet die Umsteigerin Evi Sachenbacher-Stehle nur auf dem 59. Platz. Erstaunlicherweise hat die ehemalige Langläuferin vor allem läuferische Schwächen.

© picture alliance / dpa Akzeptabel im Schießen, schwach in der Loipe: Evi Sachenbacher-Stehle ist erstmals im Weltcup gestartet

Am Freitag um exakt 15.01 Uhr war sie da, die erste große Bewährungsprobe für Evi Sachenbacher-Stehle. Da schob sich die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin aus der Startbox - bei ihrem Weltcup-Debüt als Skijägerin. Oben im Biathlonzentrum Pokljuka in den slowenischen Bergen, wo es noch relativ entspannt zugeht, was das Ambiente angeht. Keine lärmenden Zuschauermassen, ein überschaubares Medienaufgebot - beste Voraussetzungen für eine, die einen halbwegs sanften Übergang von der zweiten in die erste Biathlon-Liga sucht. Aber wenn die Flocken wirbeln, und der Wind über die Schießbahnen pfeift, wird es schwer.

Zumal für eine Debütantin, die erst seit April im Schießtraining ist. Und doch war es bei diesen schwierigen Bedingungen aller Ehren wert, dass im Liegendanschlag nur eine Scheibe stehenblieb. Eine Runde später, als die 32-Jährige wieder auf der verschneiten Matte stand, wackelten die Knie schon mehr, und zwei der fünf Schüsse gingen daneben.

Schwäche im Laufen

Drei Fehler im Sprint sind passabel, aber mindestens einer zu viel. Sofern man nicht über phänomenale läuferische Fähigkeiten verfügt. So wie ihre zehn Jahre jüngere Teamkollegin Miriam Gössner, die trotz zweier „Fahrkarten“ noch Zweite wurde, 2,1 Sekunden hinter der fehlerfreien Tschechin Gabriela Sukalowa. Über Gössners läuferische Qualitäten verfügt Evi Sachenbacher-Stehle anscheinend nicht - jedenfalls nicht im Moment. Die 45. Laufzeit als ehemalige Langlauf-Spezialistin unter 98 Starterinnen, das war die eigentliche Enttäuschung.

Auch für Evi Sachenbacher: „Ich war richtig müde heute und bin überhaupt nicht vom Fleck gekommen“, sagte sie und fügte an: „Das ist ärgerlich, weil das Laufen eigentlich meine Stärke ist.“ Platz 59 reicht noch soeben, um an diesem Samstag in die Verfolgung gehen zu dürfen.

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Vielleicht hat ja auch der Druck die Beine schwer gemacht. Sie weiß auch, dass sie läuferisch noch nicht da ist, wo sie hingehört. Selbst im IBU-Cup, der zweiten Liga, wo Evi Sachenbacher bislang erste Erfahrungen gesammelt hat, war sie in vier Rennen nur einmal die Schnellste, wenn auch stets unter den besten Vier. Allerdings gilt sie als Spätstarterin, als eine, die ein paar Rennen braucht, um in Form zu kommen. Andererseits war Pokljuka in erster Linie als Test in Sachen läuferische Konkurrenzfähigkeit gedacht. Und der ist eher ernüchternd ausgefallen.

Konzentration aufs Schießen

Dabei hatte sie viel mehr Angst vor dem Schießen. Im IBU-Cup, wo sie bislang versucht hat, langsam hineinzuwachsen in diese neue Sportart mit ihren ungewohnten Abläufen, ihrem Stop-and-go, ihrem ständigen Wechsel zwischen Vollgas und voller Konzentration, hatte sie so ihre Schwierigkeiten. Im Training hat sie es zuletzt auf eine imponierende Trefferquote von 90 Prozent gebracht, in den Wettkämpfen zuvor ging ziemlich viel daneben. 18 von 60 Schüssen verfehlten in den vier IBU-Cup-Rennen das Ziel.

Deshalb hat Evi Sachenbacher auch die paar Tage zwischen IBU-Cup und Weltcup-Debüt genutzt, um daheim am Stützpunkt in Ruhpolding verstärkt das Schießen unter Belastung zu trainieren. Bewusst schnell an den Schießstand heranlaufen, so wie im Wettkampf. Das Ganze unter den wachen Augen der Stützpunkttrainer Rudi Schöllhammer und Andi Stitzl.

Suche nach Routine

Und Evi Sachenbacher hat auch genau hingeschaut bei den ersten beiden Weltcups. Aus der Distanz zwar, aber mit einem ganz anderen Blick als früher, als die 32-Jährige eher Konsumentin war. Diesmal war es ein richtiges Fernseh-Studium: „Wer atmet wie oft zwischen den einzelnen Schüssen? Wie sind die Abläufe? Wer macht was auf der Strecke oder am Schießstand?“ Und sie hat auch ihre Teamkolleginnen ständig mit Fragen gelöchert. Es geht um das kleine Biathlon-Einmaleins - im Schießen.

Und jetzt hängt es ausgerechnet beim Laufen. Was insofern auch wieder verständlich ist, weil sie eben sehr viel Zeit ins Schießen investieren musste. „Das war heute nicht die Stunde der Wahrheit für Evi“, sagt Ricco Groß, einer der beiden Frauentrainer. Und sein Kollege Gerald Hönig fügt an: „Die Evi braucht jetzt einfach viele Rennen für die Routine.“

So wie es aussieht, wird Evi Sachenbacher erst einmal wieder in den IBU-Cup zurückkehren. Das war eigentlich schon vorher klar. Den Stress bei den Heim-Weltcups im Januar vor 20.000 lautstarken Fans in Oberhof und Ruhpolding wollen ihr die Trainer ersparen. Evi Sachenbacher soll behutsam aufgebaut werden. Als Option für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi.

Quelle: F.A.Z.

 
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