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Biathletin Nadine Horchler Auch ohne Siegertorte eine Gewinnerin

Nadine Horchler ist 26 Jahre alt - ein Alter, in dem ihre Freundin Magdalena Neuner schon in Frührente ist. Aber erst jetzt ist sie im Biathlon-Weltcup angekommen. Viele haben daran nicht mehr geglaubt.

© dpa Vergrößern Solide, zuverlässig, ruhig: Nadine Horchler

Nein, gefragt wurde sie nicht. Gefragt, ob sie sich das zutraut, vor 17.500 lärmenden Zuschauern in der Oberhofer Arena am Grenzadler den verantwortungsvollsten Job in der deutschen Biathlon-Staffel zu übernehmen - den als Schlussläuferin. „Das wurde so bestimmt. Und damit musste ich klarkommen“, sagt Nadine Horchler. Aufregend sei es gewesen, „eine tolle Erfahrung.“

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Sie sagt es mit einem entspannten Lächeln, denn sie hat diese schwierige Premiere in ihrer noch kurzen Weltcup-Karriere so erledigt, wie es sich das Trainergespann Gerald Hönig/Ricco Groß erhofft hat: solide, zuverlässig, mit der nötigen Ruhe. Was in diesem Hexenkessel bei strömendem Regen, Nebel und Tiefschnee gar nicht so einfach war. Und sie hat die deutsche Staffel auf Platz drei hinter der Ukraine und Frankreich ins Ziel gebracht.

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Das ist schon eine Überraschung, da nach dem Ausfall der zweimaligen Olympiasiegerin Andrea Henkel, der etatmäßigen Schlussläuferin, doch schon Schlimmes befürchtet wurde. Die Decke ist dünn im deutschen Frauen-Biathlon, und weil die Leistungsschere derzeit weit auseinanderklafft, hatten sich die Trainer entschieden, den Heim-Weltcup in Oberhof nur mit fünf Skijägerinnen anzugehen.

Wenn dann die mit Abstand routinierteste Biathletin wegen Erkältung ausfällt, stellt sich die Staffel von selbst auf. Nadine Horchler wäre so oder so im deutschen Quartett gewesen - das war sie ja auch schon beim vierten Platz in Hochfilzen - aber dass man ihr die Last der Verantwortung aufbürdete, ist schon bemerkenswert und spricht für eine Menge Vertrauen. Es wären ja auch Tina Bachmann oder Miriam Gössner in Frage gekommen.

„Am Schießstand ist sie eine Bank“

Die haben allemal mehr Erfahrung. Nadine Horchler ist keine Superläuferin, da fehlt ein gutes Stück zur Weltspitze, aber sie hat etwas, was die anderen beiden zumindest derzeit nicht haben. „Am Schießstand ist sie eine Bank“, sagt Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig. Und auf der Strecke hat sie in dieser Saison noch einmal deutliche Fortschritte gemacht. „Für die Mannschaft ist sie eine stabile Größe geworden“, sagt Hönig.

Nadine Horchler ist 26 Jahre alt, ein Alter, in dem ihre Freundin und ehemalige Trainingspartnerin Magdalena Neuner schon in Frührente ist, aber so wie es aussieht, ist die Willingerin mit Wohn- und Trainingssitz Mittenwald erst jetzt im Biathlon-Weltcup angekommen. Und wenn man ehrlich ist: Viele haben daran nicht mehr geglaubt. Nadine Horchler aber schon. Sonst hätte sie längst aufgegeben.

„Vom Training her ist es nicht anders“

Im Mai 2010 hatte sie ihren Kaderstatus und damit die finanzielle Unterstützung des Skiverbandes verloren. Und weil auch der Vertrag mit der Bundeswehr auslief, stand sie plötzlich praktisch ohne Geld da. „Wenn man dann das erste Mal aufs Arbeitsamt muss, das ist das schon hart“, sagt sie. Aber ihren Traum (“einen festen Platz im Weltcup-Team“) wollte sie nicht aufgeben. Also hat sie die Dinge selbst in die Hand genommen. Sie hat weiter bei Bernhard Kröll in Mittenwald trainiert, und sie hat einen Job als Kellnerin in einer Pizzeria gefunden.

Anfangs hat sie so viel gearbeitet wie nur möglich, bis sie gemerkt hat, dass ihr Körper Ruhephasen braucht. „Zum Glück ließ sich das einrichten, sonst hätte es nicht funktioniert.“ Es war nicht der einzige Unterschied. „Vom Training her ist es nicht anders, man geht morgens raus und auch nachmittags. Aber im Kopf ist es anders, man hat kein Geld auf dem Konto, muss noch arbeiten“, beschreibt sie diese schwierige Zeit. „Aber ich habe mich schließlich ganz bewusst für Biathlon entschieden.“ Das nennt man wahre Leidenschaft.

Nun ist sie tatsächlich im Weltcup angekommen

Der Schwebezustand hat zum Glück nicht lange angehalten, aber er hat Nadine Horchler geprägt und stark gemacht. Zumal sich ihr Durchhaltevermögen ausgezahlt hat. Sie wurde wieder in den Kader aufgenommen, gehört wieder der Bundeswehr an, hat sich über den zweitklassigen IBU-Cup zurück nach oben gekämpft. Und ist in dieser Saison tatsächlich im Weltcup angekommen.

Sie war die Überraschung bei den deutschen Meisterschaften im September, sie erkämpfte sich im November beim Abschluss-Lehrgang den letzten freien Platz im Weltcup-Team. Im Dezember hat sie mit den Plätzen 13 und 10 in Hochfilzen sogar die Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaften erfüllt, belegt derzeit den 27. Platz im Gesamtweltcup. Nun hat sie auch die schwere Prüfung als Schlussläuferin bestanden in Oberhof, wo an diesem Samstag (14.30 Uhr) der Sprint über 7,5 Kilometer ansteht.

„Ich habe jetzt meine Zutaten zusammen“

Wo das alles plötzlich herkommt? Natürlich hat Nadine Horchler vor allem intensiv an ihrer Laufschwäche gearbeitet. „Aber ansonsten sind es höchstens Details, die sich verändert haben.“ Aber zusammen ergibt das ein Paket. Oder, wie Nadine Horchler es formuliert: „Ich habe jetzt meine Zutaten zusammen für den Kuchen, den ich backen will.“ Ob diese Zutaten je für eine Siegertorte reichen, ist gar nicht entscheidend. Man muss nicht unbedingt siegen, um zu den Gewinnern zu gehören.

Quelle: F.A.Z.

 
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