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Biathletin Magdalena Neuner „Mensch, geht das schnell“

09.02.2007 ·  Berühmt wollte sie nicht werden. Aber große Sportler hat sie immer bewundert. Jetzt ist sie Doppel-Weltmeisterin. Magdalena Neuner, die heute 20 Jahre alt wird, nimmt es gelassen: „Ich bin damit nicht überfordert“. Ein Interview über Lockerheit und den zweiten Schritt vor dem ersten.

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Ein Ständchen von den Kolleginnen, Kuchen von Oma Dora und neue Angebote vom Manager - doch das schönste Geschenk für Golden Girl Magdalena Neuner zum 20. Geburtstag: „Meine Probezeit für den Führerschein ist jetzt vorüber“. Biathlon-Doppelweltmeisterin Magdalena Neuner im Interview über ihre Lockerheit und den zweiten Schritt vor dem ersten.

Sie werden an diesem Freitag zwanzig Jahre alt. Ist das für Sie eine besondere Zahl, weil man jetzt erwachsen ist?

Ich glaube, dass ich durch den Sport schon ein bisschen früher erwachsen werden musste. Ich bin auch nicht der Typ, der gerne Geburtstag feiert. Am liebsten würde ich es keinem sagen, aber das lässt sich jetzt nicht mehr verhindern. Eigentlich müsste man meiner Mutter gratulieren, dass sie mich auf die Welt gebracht hat, nicht mir. Aber was wichtig ist: Meine Probezeit für den Führerschein ist jetzt vorüber.

Sie haben jetzt zwei Wettkämpfe ausgelassen. War das für Sie eine Zwangspause?

Es ist sogar schön, eine Pause zu haben. Die beiden Rennen waren ganz schön anstrengend, auch wenn es nicht so ausgesehen hat. Aber vor allem konnte ich jetzt ein paar Tage meine Medaillen genießen. Ich konnte die Füße ein bisschen hochlegen, und ich war zum Bummeln in Bruneck.

Womit haben Sie sich belohnt?

Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich habe nichts gekauft. Ich brauche einfach nichts. Ich bin wunschlos glücklich.

Haben Sie sich wenigstens gut erholt?

Meine Beine sind locker und leicht, das habe ich beim Joggen gemerkt. Ich bin fit und stecke noch voller Tatendrang.

Dann geht das jetzt mit zwanzig Jahren so weiter wie am vergangenen Wochenende mit neunzehn?

Ich habe mir überhaupt keine Ziele gesetzt. Ich möchte es genauso locker und lässig hinter mich bringen wie die zwei letzten Wettkämpfe. Da war ich ganz easy drauf, und so möchte ich wieder rangehen. Ich habe zwei Medaillen, ich habe bei der WM mehr erreicht, als man sich hat vorstellen können. Von daher ist es egal, was jetzt noch kommt.

Ist diese Lockerheit ein Charakterzug, oder ist sie antrainiert?

Das kann man so allgemein nicht beantworten. Ich glaube, es ist ganz wichtig im Sport, dass man nicht alles zu verbissen und verkrampft sieht. Aber in gewissen Situationen darf man auch nicht allzu locker sein. Ich bin ein ehrgeiziger Typ und verfolge meine Ziele schon sehr konsequent. Und wenn es momentan nicht so gut laufen würde, dann wäre ich wohl auch nicht so locker.

Sie haben Martina Glagow als ihr Vorbild bezeichnet. Warum sind Sie nicht mit ihr auf einem Zimmer?

Weil Martina schon seit ewigen Zeiten mit Andrea Henkel auf dem Zimmer ist. Die haben bald schon ihr Zehnjähriges. Ich war schon im Europacup immer mit Kathrin Hitzer zusammen, deswegen war das nie eine Frage.

Erschrecken Sie manchmal über Ihr Tempo, mit dem Sie in die Weltspitze gerast sind?

Ja, es ist für mich schon wahnsinnig überraschend. Bei mir geht alles immer ein bisschen schneller. Ich war relativ schnell im C-Kader, habe gleich eine Medaille bei der Junioren-WM gewonnen. Es kommt halt immer schon der zweite Schritt vor dem ersten. Manchmal denkt man schon: Mensch, geht das schnell, aber im Endeffekt habe ich auch kein Problem damit. Ich bin damit nicht überfordert.

Was bedeutet Ihnen Geld?

Von Geld allein wird man nicht glücklich. Ich bin kein Mensch, der das alles für Geld machen würde. Wenn ich keinen Spaß mehr am Sport hätte, dann wäre es für mich vorbei. Aber klar: Biathlon ist mein Beruf, und jeder übt seinen Beruf aus, um Geld zu verdienen. Ich möchte schon meine Existenz sichern und später mal gut davon leben können.

Was würden Sie eigentlich beruflich machen, wenn Sie nicht Biathletin geworden wären?

Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, aber das ist nicht einfach. Ich habe ja momentan meinen Traumberuf. Ansonsten würde mir etwas mit Menschen gefallen, vielleicht mit Behinderten zu arbeiten. Etwas, wo man Leuten helfen kann.

Genießen Sie es, im Blickpunkt zu stehen, oder ist das eher lästige Pflicht?

Es gehört halt dazu. Wir Sportler leben von den Medien. Wenn wir nicht im Fernsehen kommen würden, würden wir nicht so viel verdienen, und keiner würde sich für uns interessieren. Man sieht es ja bei „Deutschland sucht den Superstar“, dass alle berühmt werden wollen. Ich bin aber nie der Typ gewesen, der das wollte. Weltmeister - diese großen Sportler habe ich immer bewundert. Das waren für mich wahnsinnige Persönlichkeiten. Jetzt selbst Weltmeisterin zu sein, bedeutet mir sehr viel.

Aber genießen Sie den Trubel wie Kati Wilhelm zum Beispiel?

Kati ist schon so ein Typ, der das genießt und total locker damit umgeht. So ein bissel was ist für mich schon okay, aber ich glaube nicht, dass ich jetzt in jeder Show auftreten möchte. Da bin ich gar nicht der Typ dazu.

Gibt es denn eine Show, in der Sie gerne mal auftreten würden?

Bei „Wetten, dass...?“ mal auf dem Sofa sitzen, das fände ich schon ganz cool.

Fürchten Sie die Schattenseiten des Erfolges?

Ich habe Angst um meine Privatsphäre. Klar, die Presse interessiert sich für mein Privatleben, das verstehe ich. Aber das möchte ich eigentlich für mich behalten. Ich weiß, dass daheim ein paar Leute vor der Tür gestanden haben. Meine Mama war nicht so begeistert. Meine Familie steht nicht gerne in der Öffentlichkeit. Es ist meine einzige Sorge, dass das aus den Fugen gerät.

Ihr Manager hat schon nach dem Weltcupsieg in Oberhof mehr als vierzig Werbeanfragen bekommen. Wer trifft letzten Endes die Auswahl, was in Frage kommt?

Er trifft zunächst mal die grobe Auswahl, was zu mir passen könnte. Man muss sich ja mit dem Produkt oder der Firma auch identifizieren können. Aber im Endeffekt entscheide ich.

Wofür würden Sie sich denn gerne entscheiden?

Es sind wohl Anfragen aus vielen unterschiedlichen Sparten. Es muss etwas sein, was zu einer jungen Frau wie mir passt. Für Kosmetik würde ich schon was machen, oder für irgendetwas, was ich gerne esse. Aber genau kann ich das im Moment noch nicht sagen.

Was würden Sie auf keinen Fall machen?

„Playboy“, zum Beispiel. Da gab es auch eine Anfrage, aber da würde ich mich nicht gerne drin sehen.

Aufgezeichnet von Claus Dieterle

Quelle: F.A.Z., 09.02.2007, Nr. 34 / Seite 32
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