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Laura Dahlmeier im Interview : „Wenn ein Griff ausreißt, kriegt man schon Panik“

Aus der Vogelperspektive: Und doch fühlt sich Laura Dahlmeier auf dem Dach der peruanischen Anden ganz klein. Bild: Foto Ulmer

Im Biathlon wurde Laura Dahlmeier sieben Mal Weltmeisterin. Im Sommer zieht es sie in die Berge. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über die Gemeinsamkeiten und ein ganz besonderes Gefühl.

          Es heißt, Olympiasieger im Biathlon werden im Sommer gemacht: Sie waren im Juni drei Wochen in den Anden zum Eisklettern. Fällt das auch in die Kategorie Olympiavorbereitung?

          Das kann man sehen, wie man will. Ich mache ja jedes Jahr nach der Saison solche Touren. Dieses Jahr wollte ich unbedingt nach Peru. Dort ist die beste Zeit fürs Klettern im Juni. Für mich hat es sich wie Urlaub angefühlt, und trotzdem war es auf eine gewisse Art auch Training.

          Warum Peru?

          Vom Alpamayo, auf dem ich war, habe ich geträumt, seit ich Bilder von diesem Berg gesehen hatte. Ich finde ihn einfach superschön.

          Was fasziniert Sie so an diesem 5974 Meter hohen Gipfel?

          Die Form: so eine Art Trapez. Und anders als in den Alpen ist der Schnee in den Anden so feucht, dass er praktisch senkrecht an der Wand klebt. Die Wände sind extrem steil und trotzdem voller Schnee und Eis. Das schaut einfach genial aus.

          Bietet der Klebschnee überhaupt genug Halt für die Steigeisen?

          Der ist fest angepappt. Da kann man richtig gut hochklettern. Die Crux ist dort der Ausstieg, um auf den Gipfel zu kommen. Der Übergang steckt voller Schneepilze, wo der Schnee zu weich ist. Das ist die eigentliche Schwierigkeit.

          Da muss man sich doch einem heimischen Bergführer anvertrauen, oder?

          Nein, man muss nur gut genug sein.

          Sie hatten keinen einheimischen Führer?

          Nein. Daheim hab ich ja auch keinen.

          Daheim kennt man sich aus im Gelände.

          Man kann sich aber so gut vorbereiten, dass man sich auch auswärts gut auskennt. Die Kletterlinie am Alpamayo ist sehr logisch, es gibt gute Kletterliteratur, und ich wähle die Schwierigkeit immer so, dass ich ohne fremde Hilfe nach oben komme.

          Mit wem waren Sie dann in Peru?

          Ich habe das Glück, dass ich lauter Kletterfreunde habe, auf die ich mich allesamt verlassen kann. Dann bleibt eigentlich nur noch die Frage: Wer hat Zeit und Lust, mitzukommen? In Peru war ich nur mit einer Freundin unterwegs. Die hat drei Wochen freigekriegt.

          Im Biathlon sahnte Dahlmeier in der vergangenen Saison mächtig ab.

          Was muss ein Kletterpartner mitbringen?

          Man muss sich voll und ganz auf ihn verlassen können. Schließlich legt man sein eigenes Leben in die Hände des Partners. Menschlich muss es passen, damit man auch eine Gaudi hat. Und er sollte klettertechnisch und konditionell ein ähnliches Niveau haben wie man selbst. Aber das ist im Grunde ganz ähnlich, wie man sich Freunde im Leben aussucht.

          Was erfährt man über seinen Partner in der Wand? So viel wie über die Zimmerkollegin im Biathlon?

          Je extremer die Tour, desto mehr erfährt man. Mit einer Zimmerkollegin verbringe ich viel mehr Zeit, gerade im Winter, und da kennt man sich in- und auswendig. Aber man kann das schon vergleichen – nur dass ich beim Klettern in kurzer Zeit viel mehr mitbekomme, ohne groß zu reden. Gerade wenn es in Extremsituationen brenzlig wird.

          Warum steigen Sie überhaupt auf Berge?

          Weil sie da sind.

          Das habe ich schon mal gehört.

          Nein, weil es mir großen Spaß macht und mir das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit gibt.

          Ist es für Sie wichtig, der Zivilisation zeitweise zu entfliehen?

          Auf jeden Fall. Auf Dauer ist es anstrengend, dauernd angesprochen zu werden. Hallo, Laura: Können wir ein Foto machen, krieg ich ein Autogramm? Einerseits ist das eine große Ehre und macht mich stolz, andererseits brauche ich Abstand, um diese Aufmerksamkeit auch genießen zu können. Sonst dreht sich immer nur alles um mich und Biathlon, und das wird mir dann zu viel.

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