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Biathletin Kathrin Lang : Die Mama will es noch einmal wissen

Nach der Babypause: Kathrin Lang, geborene Hitzer, ist wieder zurück im Biathlon-Weltcup Bild: dpa

Geheime Kommandosache: Ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter gibt Kathrin Hitzer ein überraschendes Comeback im Biathlon-Weltcup.

          Nein, es ist keine Halluzination. Selbst auf den zweiten Blick ist das dort vorne definitiv Kathrin Hitzer, die bestens gelaunt das offizielle rote Trainingsleibchen überstreift, ihr Kleinkalibergewehr aus dem Futteral holt, die paar Schritte rüber zur lachsfarbenen Schießmatte in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena fährt und dann in den Stehendanschlag geht. Zehn Schuss, zehn Treffer. Frauen-Bundestrainer Ricco Groß nickt anerkennend, ruft ihr ein knappes „sehr gut“ zu, und sagt: „Sie kann es noch.“

          Kathrin Hitzer ist wieder da. Sie heißt jetzt zwar mit Nachnamen Lang, weil sie im vergangenen Juni den ehemaligen Biathleten Toni Lang geheiratet hat. Aber viel bemerkenswerter ist, dass sie nur ein halbes Jahr nach der Geburt von Tochter Lena Maria wieder ins Weltcup-Geschehen eingreifen wird. Und zwar beim Sprint am Freitag (18.15 Uhr/live in der ARD), noch dazu vor heimischer Kulisse im Wohnort Ruhpolding.

          Die ganze Angelegenheit sollte noch ein bisschen unter Verschluss gehalten werden, als Überraschung - und deswegen will Kathrin Lang zu ihrem Comeback erst einmal nichts sagen. Ihre Augen verraten die Vorfreude, und ihr einziger Satz zu diesem Thema unterstreicht das: „Ich freue mich riesig. Mir geht es total gut.“

          Ausstieg wegen Schwangerschaft

          Groß, der die 26 Jahre alte Biathletin am Stützpunkt Ruhpolding unter seinen Fittichen hat, kann das nur bestätigen: „Wir wissen ja von früher, was sie kann. Aber sie ist weiter, als wir alle geglaubt haben. Und sie brennt auf ihren Einsatz.“ Die Schwäbin, die zwei Weltcuprennen gewonnen hat, war nur etwas mehr als ein Jahr weg vom großen Geschehen. Im Dezember 2011, kurz nach der Rücktrittserklärung von Magdalena Neuner, war sie im Verfolgungsrennnen in Hochfilzen überraschend ausgestiegen.

          Der Grund wurde wenig später publik: Schwangerschaft. Man darf schon davon ausgehen, dass Tochter Lena Maria nicht das Ergebnis einer akribischen Planung gewesen ist, hatte sich Kathrin Hitzer doch nach zwei Jahren, „in denen ich durch die Hölle gegangen bin“, gerade wieder zurückgekämpft auf Weltcup-Niveau. Erst war es ein Überbein am rechten, dann eine Sehnenreizung am linken Fußgelenk. Permanent Schmerzen, kein geregeltes Training, dafür die verzweifelte Suche nach der Lösung des Problems. „Ich bin ständig von A nach B unterwegs gewesen. Irgendwann war ich geistig ausgezehrt.“

          Babypause als Segen

          Sie hatte ihre Probleme aber allmählich in den Griff bekommen, „einen Weg gefunden“, wie sie es genannt hatte. Dann kam Lena Maria. Und sie musste einen neuen Weg finden, um Sport und Kind unter einen Hut zu bringen. Aber da hilft die ganze Familie. Denn eines war für Kathrin Lang klar: Sie war noch nicht fertig mit Biathlon. „Es war ihr erklärtes Ziel, dass sie wieder in den Weltcup zurückkommt. Das hat sie uns schon am Beginn der Schwangerschaft gesagt. Die Frage war nur, wann?“, sagt Cheftrainer Uwe Müssiggang.

          Nichts verlernt: Vorerst ist aber nur ein Rennen geplant

          Dass es so schnell gehen würde, hätte wohl kaum einer erwartet. Sie hat erst im September wieder mit dem Training angefangen. Und doch ist die Babypause vielleicht sogar ein Segen, weil sie ihr die Zeit verschafft hat, das Sehnenproblem auszukurieren. Und weil ihr Töchterchen als neuer Lebensmittelpunkt auch etwas anderes bewirkt hat: „Sie hat sich in der Persönlichkeit weiterentwickelt“, sagt Groß. Dass die Kombination Biathlon mit Baby äußerst erfolgreich sein kann, dafür gibt es genügend Beispiele: die Norwegerin Liv Grete Poiree, Anna Carin Olofsson aus Schweden oder die Russin Olga Saizewa. Doch so weit ist Kathrin Lang noch nicht. Sie hat sich diesen Einsatz in Ruhpolding verdienen müssen. Als Siegerin beim Deutschland-Pokal vor einer Woche.

          Und es soll - vorläufig - bei diesem einen Weltcup bleiben. Ohne große Erwartungen. „Es ist schon eine andere Liga, Deutschland-Pokal oder Weltcup zu laufen“, sagt Müssiggang. Kathrin Lang soll behutsam aufgebaut werden, über den Deutschland-Pokal, den IBU-Cup - und womöglich auch über die Europameisterschaften. Sie ist in erster Linie eine Option für die Olympiasaison. Aber eine, die Hoffnungen weckt. Und wenn sie schon jetzt in Ruhpolding eine rauschende Rückkehr feiert? „Dann müssen wir neu nachdenken“, sagt Groß.

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