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Eiskunstlauf : Kringel-Diplomatie für Nordkorea

Bitte lächeln: Ryom Tae-Ok und Kim Ju-Sik machen beste Miene zum unschönen Spiel Bild: AP

Bei der Nebelhorn-Trophy qualifiziert sich das Eislaufpaar Tae-ok/Ju-sik für die Winterspiele im Süden des geteilten Landes. Ein Start bei Olympia ist aber längst nicht sicher.

          Lächeln für Kim Jong-un – kein Problem. Wenigstens dort, wo Lächeln zum Handwerk gehört und der Drill zum Alltag: beim Eiskunstlaufen. Während die restliche Welt sich fürchtet vor neuen persönlichen Beleidigungs-Salven zwischen den Präsidenten Donald Trump und Kim Jong-un und neuen Eskalationsstufen im Nuklear-Konflikt, wurde im malerischen Oberstdorf am Fuße des Nebelhorns ein ganz anderes Stück aufgeführt: Dort, wo die Schönen und Geschminkten mit strahlenden Gesichtern Pirouetten drehen, versuchten Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik, ein Eislaufpaar aus Pjöngjang, die Menschen zu bezaubern mit ihren Figuren und Sprüngen in ihren glänzenden Kostümen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Und es gelang ihnen trotz des immensen Drucks, der auf der 18 Jahre alten jungen Frau und ihrem 25 Jahre alten Partner lastete, zu erfüllen, was alle von ihnen erwarteten: Sie qualifizierten sich mit ihrer Leistung bei der Nebelhorn-Trophy ganz offiziell für die Olympischen Winterspiele im Februar 2018 in Pyeongchang in Südkorea. Damit sind sie die ersten – und möglicherweise die einzigen – nordkoreanischen Sportler, die sich ihre Startberechtigung für Pyeongchang regulär erworben haben. Ob am Ende wirklich eine nordkoreanische Mannschaft bei den Winterspielen starten wird, steht aber noch lange nicht fest. „Das ist eine Entscheidung der Regierung“, sagte in Oberstdorf Kim Hyon-son, die Trainerin des Paars, auf die Frage, ob sie sich schon auf die Spiele freuten.

          Wintersport ist in Nordkorea ohnehin nicht populär. 2014 in Sotschi, in Russland also, hatte das Land keine Mannschaft am Start. Vier Jahre zuvor in Vancouver zwei Sportler, einen Eiskunstläufer und eine Eisschnellläuferin, die mit der Medaillenvergabe nichts zu tun hatten. Weitere, nicht so aussichtsreiche Versuche Richtung Pyeongchang soll es nun noch im Short Track und im Ski-Langlauf geben. Fünf bis zehn Sportler, so das Internationale Olympische Komitee (IOC), würden gemeinsam mit den Weltverbänden auf dem Weg zur Olympia-Qualifikation unterstützt. Dabei gehe es um die Finanzierung von Trainingslagern, Ausrüstung und der Teilnahme an Qualifikationswettkämpfen. Auch Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik profitieren von diesem Programm.

          Die Erleichterung Olympias über die erfolgreiche Kringel-Diplomatie von Oberstdorf ist groß, aber leise. Nur kein Wort zu viel sagen, der ganze Komplex ist ein rohes Ei. Die Teilnahme nordkoreanischer Sportler bei den Winterspielen nur 80 Kilometer von der innerkoreanischen Grenze entfernt ist enorm wichtig. Die Gründe sind vielfältig. Natürlich: Sicherheit. Die Anwesenheit einer nordkoreanischen Delegation in Pyeongchang würde die Furcht vor Aggressionen seitens des Nordens mildern. Wie schädlich schon unspezifische Ängste wirken können, zeigen die empfindlichen Reaktionen auf Äußerungen der französischen Sportministerin Laura Flessel und des Präsidenten des Österreichischen Olympischen Komitees, Karl Stoss, bei Gefahr werde man nächsten Februar lieber zu Hause bleiben.

          Seitdem eiern Sportfunktionäre in aller Welt angesichts nicht beantwortbarer Fragen verbal herum. Was wäre wenn? Woher sollen sie wissen, was die Zukunft bringt, wenn nicht einmal die Politik etwas weiß? Fest aber steht: Entspannte Spiele würden auch dem Image des südkoreanischen Staates nützen, weil er damit seine politische und wirtschaftliche Stabilität untermauern könnte. Sogar sein durch die Stationierung eines amerikanischen Raketen-Abwehrsystems im Südosten des Landes gestörtes Verhältnis zu China will Südkorea im olympischen Rahmen verbessern – im Juli hat der südkoreanische Präsident Moon Jae-in jedenfalls Chinas Präsident Xi Jinping aus Anlass der Spiele nach Seoul eingeladen. Ohnehin gilt es, Leute nach Pyeongchang zu locken: Der Kartenverkauf läuft mehr als schleppend, auch die politischen Spannungen scheinen einer der Gründe dafür zu sein.

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