Zum Auftakt des Heim-Weltcups in Oberhof haben die deutschen Biathletinnen allen Widrigkeiten getrotzt und mit der Staffel den dritten Platz belegt. Ohne die erkrankte Andrea Henkel mussten sich Tina Bachmann, Miriam Gössner, Franziska Hildebrand und Nadine Horchler an diesem Donnerstagabend über die 4 x 6 Kilometer nur der Ukraine und Frankreich geschlagen geben.
Bei Nieselregen und Nebel sowie tiefem Untergrund kompensierte das deutsche Quartett vor 17.500 Zuschauern gar zwei Strafrunden von Miriam Gössner und insgesamt acht Nachlader. Die Schwäche am Schießstand im Vergleich zum Spitzen-Duo verhinderte ein noch besseres Ergebnis. Am Ende hatten die Deutschen 1:47,3 Minuten Rückstand auf die Ukraine, zu Platz zwei fehlte gut eine Minute. Im vergangenen Jahr wurden die Deutschen noch Vierte.
Bachmann stürzt in der ersten Abfahrt
Die in dieser Saison noch nicht in Tritt gekommene Tina Bachmann stürzte nach ihrem fehlerlosen Auftaktschießen in der ersten Abfahrt. Die Loipe war angesichts der warmen Temperaturen tief und schwierig zu meistern. „Das war schon ein härterer Aufprall. Da hat es mich regelrecht ausgehebelt“, sagte die Staffel-Weltmeisterin, die im dichten Nebel eine Kuhle übersah. Anschließend blieb sie aber auch im Stehendschießen ohne Aussetzer. Bachmann schickte Miriam Gössner als Dritte in die Spur. Und die 22-Jährige, die beim Weltcup in Pokljuka ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, bewies wieder ihre derzeit starke Laufform. Sie holte den Rückstand von 25 Sekunden auf und kam als Führende zum ersten Schießen, welches sie unter dem tosenden Jubel der Zehntausenden fehlerlos absolvierte.
Doch im zweiten Anschlag ging fast alles daneben, Gössner musste zweimal in die Strafrunde. „Der Diopter war zu, ich habe nichts gesehen“, erzielte sie. Wieder lief Gössner den Rückstand wett und schließlich trotz der 300 Meter extra nur zehn Sekunden Rückstand auf die Spitze. „Läuferisch war es wieder sehr gut.“ Die ansonsten am Schießstand sichere Franziska Hildebrand leistete sich indes drei Nachlader und konnte auf der Strecke wie erwartet nicht mit der Spitze mithalten. „Ich hatte kalte und nasse Finger, deshalb habe ich so lange bei den Nachladern gebraucht“, schilderte sie ihre Probleme hinterher. Die erstmals als Schlussläuferin eingesetzte Horchler verteidigte Rang drei und wurde im Ziel von ihren Teamkolleginnen jubelnd empfangen.
Die wegen eines leichten grippalen Infektes geschonte Andrea Henkel trainierte indes leicht auf dem Laufband. Ein Start im Sprint am Samstag scheint wahrscheinlich, aber ein Risiko wollen die Trainer nicht eingehen. „Wir werden auf jeden Fall keine angeschlagene Athletin ins Rennen schicken“, sagte Damen-Coach Gerald Hönig. Noch besser machen wollen es an diesem Freitag (17.30 Uhr) die in Bestbesetzung laufenden Männer um Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer. „Das Podest ist unser Anspruch. Und wenn wir das schaffen, dann hätten wir einen guten Wettkampf abgeliefert“, meinte Bundestrainer Mark Kirchner. Er schickt zudem Erik Lesser und Simon Schempp ins Rennen.
1. Ukraine (Julia Dschyma, Walj Semerenko, Olena Pidgruschna, Wita
Semerenko) 1:20:16,1 Std./0 Strafrd.+ 5 Schießfehler
2. Frankreich (Marie Laure Brunet, Anais Bescond, Sophie Boilley, Marie Dorin Habert) + 0:45,9 Min./0+4
3. Deutschland (Tina Bachmann/Schmiedeberg, Miriam Gössner/Garmisch, Franziska Hildebrand/Clausthal-Zellerfeld, Nadine Horchler/Willingen) + 1:47,3/2+8
4. Norwegen + 2:11,9/3+11
5. Russland + 2:53,5/2+11
6. Italien + 3:27,4/0+10
7. Polen + 3:44,9/4+14
8. Weißrussland +4:43,4/4+15
9. Slowakei + 5:40,7/0+7
10. Schweden überrundet/1+9