http://www.faz.net/-gtl-119tq

Anni Friesinger im Gespräch : „Ich lasse mich nicht verbiegen“

  • Aktualisiert am

Eis ist ihr Element: „Wenn es glatt und rutschig ist, habe ich den größten Spaß” Bild: picture-alliance/ dpa

Nach einem Radunfall musste sie wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert werden und steigt erst Ende dieses Jahres in die Eisschnelllauf-Saison ein. Anni Friesinger über ihre Rückkehr aufs Eis, das Leben auf dem Bauernhof und die High Heels im Schrank.

          Anna Christine Friesinger, wie Anni eigentlich heißt, hat das Warten satt. Nach einem Radunfall im Sommertraining musste die Einunddreißigjährige wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert werden und steigt erst Ende dieses Jahres in die Eisschnelllauf-Saison ein - zuvor sprach sie mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie lieben Musik, vor allem jene von Jim Morrison und den Doors. Dabei hat man Anni Friesinger doch als einen fröhlichen Menschen vor Augen.

          Das schließt sich ja auch nicht aus. Ich bin oft gut gelaunt – aber eben auch nicht ständig. Immer wieder gibt es Phasen, in denen ich sehr viel nachdenke. Dazu passen dann mystische und düstere Sachen. So extrovertiert, wie es scheint, bin ich definitiv nicht.

          Anni Friesinger: „So extrovertiert, wie es scheint, bin ich definitiv nicht”
          Anni Friesinger: „So extrovertiert, wie es scheint, bin ich definitiv nicht” : Bild: dpa

          Aufgrund der Knieverletzung haben Sie jetzt sehr viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Haben Sie dabei auch etwas über sich selbst erfahren?

          Ich habe gelernt, wo meine Grenzen sind, habe gelernt, mich in Geduld zu üben. Das zählte bisher sicher nicht zu meinen Stärken. Aber das Zuschauen bei den Wettkämpfen ist hart für mich. Zu sehen, wie die anderen Spannung aufbauen. Zu spüren, wie es bei denen kribbelt. Ich habe viele Stimmungsschwankungen gehabt in den letzten Wochen und Monaten. Deshalb war die Rückkehr auf das Eis wunderbar: Die Lunge hat gebrannt, die Beine taten weh – es war einfach ein schönes Gefühl.

          Gab es aufgrund der Verletzung Probleme im Alltag?

          Kaum. Nur meine High Heels stehen seit Monaten im Schrank. Ich habe sie nur ein Mal rausgeholt, das ging ganz gut: vom Hotel ins Taxi, raus ins Restaurant und wieder zurück. Aber Shoppingtouren kommen nicht in Frage.

          Haben Sie mal überlegt, dass diese Verletzung doch auch für etwas gut sein könnte?

          Von solchen Überlegungen halte ich gar nichts. Im Gegenteil: Sie machen mich richtig wütend. Eine Operation ist doch zuallererst immer negativ. Dennoch lernt man aus Verletzungen, aus Fehlern und Misserfolgen sehr viel mehr als von der Sonnenseite des Lebens. In solchen Zeiten sieht man auch, wer wirklich zu einem hält. Da kann man in der Regel ein oder zwei Leute aussortieren, die sonst im Hype um einen nur mitschwimmen.

          Das Bild, welches in der Öffentlichkeit über Anni Friesinger existiert, stimmt also gar nicht?

          Wie sieht denn das Bild aus? Ich bin ehrlich, lasse mich nicht verbiegen und stehe nicht für den Mainstream. Ich habe eine eigene Meinung, und für die kämpfe ich auch. Ich war noch nie ein Fisch, der einfach so im Strom mitschwimmt. Das sind Eigenschaften, mit denen man durchaus anecken kann.

          Wann haben Sie zuletzt mit Claudia Pechstein Kontakt gehabt?

          Das weiß ich nicht so genau. Aber wir stehen uns inzwischen nicht mehr im Weg, unterstützen uns vielmehr. Wir sind beide älter und damit ruhiger geworden und kommen uns nur noch über die 1500 Meter in die Quere. Das war mal anders. 2002 bei Olympia konnten wir uns wirklich nicht riechen, wir waren harte Konkurrentinnen. Dann gab es ein paar Aussagen zum falschen Zeitpunkt, und dadurch ist ein Stein ins Rollen gekommen, den niemand mehr aufhalten konnte.

          Haben Sie Fehler gemacht?

          Ich war zu naiv, habe mich zu spontan geäußert. Der Medienhype hat mich überfordert, ich war auf so vielen Titelseiten zu sehen, und damit muss man auch erst einmal klarkommen. Es gab Momente, in denen ich mich überrollt gefühlt habe von der ganzen Begeisterung und Bekanntheit.

          Weitere Themen

          Erinnerungen an meinen Vater Video-Seite öffnen

          Hans Magnus Enzensberger : Erinnerungen an meinen Vater

          Wie sein Vater als Fernmeldetechniker im „Dritten Reich“ den eigenen Überzeugungen treu blieb, hat Hans Magnus Enzensberger immer fasziniert. Für die Familie hat er seine Erinnerungen an ihn aufgeschrieben. Zum ersten Mal kann sie jetzt auch ein großes Publikum lesen.

          Topmeldungen

          Chinas mächtigster Mann Xi : In Maos Fußstapfen

          Der Parteikongress der chinesischen Kommunisten könnte die Macht von Xi Jinping weiter festigen. Den Grundstein dafür hat der Präsident schon vorher gelegt.

          Schleyer-Mord 1977 : Terror lässt sich besiegen

          Vor vierzig Jahren ermordete die RAF den damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Den Kampf gegen den Terror konnte die Bundesrepublik letztlich für sich entscheiden. Welche Lehren kann man heute daraus ziehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.