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Alpiner WM-Slalom Wie im Film

Der WM-Slalom in Schladming endet mit einem emotionalen Höhepunkt - für den Sieger Marcel Hirscher und Felix Neureuther. Für den Deutschen ist Silber dennoch die Krönung der besten Saison seiner Laufbahn.

© AP Vergrößern Erleichterung und Freude: Neureuther gewinnt seine erste Einzel-Medaille

Marcel Hirscher wusste gar nicht, wohin mit seiner Freude. Nur raus aus den Ski und loslaufen, quer durch den Zielraum, so lange, bis er mit den Skischuhen im weichen Schnee ins Stolpern kam und flach auf den Boden knallte - alles egal. Knapp 40.000 Fans säumten den Zielraum am Fuß der Planai in Schladming, und sie alle tobten, feierten den neuen Slalom-Weltmeister, den Mann, der die erste und einzige Goldmedaille in einem WM-Einzelrennen für Österreich gewann, sie feierten Marcel Hirscher. Und mittendrin im rot-weiß-roten Freudentaumel stand einer, der mit seiner Freude für einen Moment ganz alleine war - Felix Neureuther.

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Slalomfahren kann wunderbar sein, und Slalomfahren kann grausam sein, und oft liegen zwischen den Extremen nur wenige Zentimeter, ein winziger Fehler, ein Moment der Unkonzentriertheit. Neureuther hat das oft erfahren in seiner Karriere, gerade bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Am Sonntag in Schladming gewann er nun seine erste WM-Einzelmedaille - Silber, gut vier Zehntelsekunden hinter Hirscher. Es war die erste Einzelmedaille für die deutschen Alpin-Männer seit zwölf Jahren.

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„Es ist gewaltig“, sagte Neureuther, „es sind gerade so die Emotionen hochgekommen, das war heute absolute Schmerzgrenze.“ Das ganze Erlebnis, vor dieser Kulisse, im Heimatland des Skisports, „das ist mit das Größte, was man erleben kann“, sagte er. Nur ein Wunsch blieb an diesem Tag für ihn offen: „Die Revanche von Cordoba ist mir nicht ganz gelungen.“ Es war ein filmreifes Finale, ganz so, als hätte der oberste WM-Organisator Peter Schröcksnadel, der theatralisch begabte Präsident des Österreichischen Skiverbands, höchstpersönlich das Drehbuch für den Schlusspunkt der Ski-WM gestaltet.

Der Slalom wurde zum Duell der besten Fahrer der Saison: Erster Hirscher, Zweiter Neureuther, so ging es in den zweiten Durchgang. Neureuther hatte bei weichen, schwierigen Verhältnissen einen ersten Lauf gezeigt, wie er typisch war für ihn in dieser Saison - technisch sauber, sicher und trotzdem sehr schnell. Knapp drei Zehntelsekunden nur fehlten ihm auf Hirscher. Durchgang zwei bot dann die „vielleicht schwierigste Kurssetzung, die wir heuer hatten“, so Hirscher. Und es sagt einiges über die Slalomkünste der beiden, dass sie sich auch auf diesem Kurs durchsetzten. Zugleich bewies Neureuther damit, dass er in entscheidenden Situationen die Nerven behalten kann - anders als bei der Heim-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen, als ihn die ganze Situation zu erdrücken schien.

- © AFP Vergrößern Nerven und Ski unter Kontrolle: Felix Neureuther

„Der Druck war schon hoch“, sagte er, „deshalb bin ich sehr stolz darauf, dass ich damit sehr locker und gut umgegangen bin“. So sah das auch Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Deutschen Skiverbands. „Felix hat hier seine Meisterprüfung abgelegt“, sagte er. Es war die vierte Medaille für die deutsche Mannschaft bei der WM in Schladming. „Die letzte Herrenmedaille 2001, die letzte Slalommedaille 1989 - das ist für uns historisch. Ich bin extrem stolz auf diese Jungs“, sagte Maier. Die weiteren deutschen Starter im Slalom, Fritz Dopfer und Stefan Luitz, landeten auf den Plätzen sieben und 21.

Für Neureuther war es die Krönung der besten Saison seiner Laufbahn. Gestärkt durch die Sicherheit, perfektes Material unter den Füßen zu haben, fuhr der 28 Jahre alte Partenkirchner in Slalom und Riesenslalom so stark wie noch nie. Neureuther hat Höhen und Tiefen durchgemacht, immer wieder hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, musste er Schulteroperationen, Knieoperationen, Bandscheibenvorfälle wegstecken - auch vor dieser Saison musste er wegen eines Bandscheibenvorfalls wieder mehrere Wochen Pause einlegen.

Fette Beute © dpa Bilderstrecke 

Vor drei Jahren hatte er wegen der vielen Rückschläge schon ans Aufhören gedacht. Doch er machte weiter, und aus heutiger Sicht wirkt es fast so, als hätte Neureuther all die Extreme in seiner Karriere erst durchlaufen müssen, um das außergewöhnliche Talent, über das er verfügt, mit der nötigen Reife verbinden zu können. Es war ein Prozess, der Geduld erforderte, und Geduld, das ist so ziemlich das letzte, was ein leidenschaftlicher Skirennfahrer mitbringt. Mehr als zehn Jahre ist Neureuther jetzt im Weltcup unterwegs, es war bereits die sechste Weltmeisterschaft, bei der er startete. „Ich hatte schon viele Chancen vertan“, sagte er. Nun endlich stand er oben auf dem Podium.

Neureuther will der beste Slalomläufer der Welt werden. Er ist diesem Ziel so nahe wie noch nie, einzig der Ausnahmeathlet Hirscher, der sich in Schladming auch unter extremem Erwartungsdruck behauptete, steht vor ihm. „Was Marcel Hirscher heute hier geschafft hat, das zeichnet die ganz Großen im Skisport aus“, sagte Neureuther, der Hirschers Situation nach seiner Garmisch-Erfahrung bestens nachvollziehen konnte. Neureuther sieht sich längst nicht am Ende seiner Möglichkeiten: „Ich weiß, dass ich noch nicht an meinem Maximum angekommen bin. Es gibt noch sehr viel Verbesserungspotential bei mir.“ Er ist 28 Jahre alt, und wenn er bei der Siegerehrung in Schladming zur Seite schaute, sah er neben Hirscher den Österreicher Mario Matt stehen, der im Slalom die Bronzemedaille gewonnen hatte. Matt wird bald 34 Jahre alt. Da ist noch Luft für Felix Neureuther.

Alpine Ski-WM in Schladming

Herren, Slalom:
Gold: Marcel Hirscher (Österreich) 1:51,03 Min. (55,56/55,47 Sek.);
Silber: Felix Neureuther (Partenkirchen) 1:51,45 (55,84/55,61);
Bronze: Mario Matt (Österreich) 1:51,68 (56,12/55,56);
4. André Myhrer (Schweden) 1:52,08 (56,34/55,74); 5. Ivica Kostelic (Kroatien) 1:52,15 (56,56/55,59); 6. Alexis Pinturault (Frankreich) 1:52,27 (56,56/55,71); 7. Fritz Dopfer (Garmisch) 1:52,52 (56,22/56,30); 8. Jens Byggmark (Schweden) 1:52,85 (56,99/55,86); ...21. Stefan Luitz (Bolsterlang) 1:54,66 (58,62/56,04); Philipp Schmid (Oberstaufen) ausgeschieden.

Marcel Hirscher (Österreich)
Geboren: 2. März 1989 in Hallein
Größe/Gewicht: 1,73 m/70 kg
Sportliche Erfolge: Slalom-Weltmeister von Schladming 2013, Riesenslalom-Silber bei WM 2013, Gesamt-Weltcupsieger 2011/12, Gewinner des Riesenslalom-Weltcups 2011/12, 18 Weltcup-Siege

Felix Neureuther (Partenkirchen)
Geburtstag: 26. März 1984
Größe/Gewicht: 184 cm/ 87 kg
Erfolge: Gold im Team-Wettbewerb bei der WM in Bormio 2005, Slalom-Zweiter bei der WM in Schladming 2013, WM-Dritter Team-Wettbewerb 2013, Slalom-Vierter bei der WM in Val d’Isère 2009, Achter im Riesenslalom bei den Olympischen Spielen 2010, Vier Weltcupsiege im Slalom (3) und im Parallel-Slalom (1). 20 Podestplätze im Weltcup.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.02.2013, 17:41 Uhr

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