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Alpine Ski-WM Von wegen Österreich II

Die Amerikaner heimsen bei der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming wieder Medaillen ein - dank der perfekten Infrastruktur in der Heimat. Und auch in Sachen Nachwuchs ist im Verband viel in Bewegung geraten.

© dpa Vergrößern Eine Frau für große Ereignisse: Wenn es um Medaillen geht, ist mit Julia Mancuso immer zu rechnen

Der Präsident war erzürnt, und schuld daran war ein kleiner Ort im Ötztal. Dass sich ausgerechnet Sölden als Sponsor des amerikanischen Ski-Teams verdingt, das stört Peter Schröcksnadel, den Chef des Österreichischen Skiverbands (ÖSV), seit längerem gewaltig. Beim Bekanntwerden des Deals hatte er ihn als „grobes Foul am ÖSV“ gebrandmarkt, und vor kurzem legte er nun nach: „Die Amis nehmen unser Geld, trainieren bei uns, leben bei uns und sind nur bei uns bekannt.“ Das amerikanische Team, das sei ja in Wahrheit „Österreich II, sonst nichts“. So berichtete es die österreichische „Kronenzeitung“- und die ist wiederum Sponsor des ÖSV.

Bernd Steinle Folgen:  

Es ist ein sehr spezielles Verhältnis, das den ÖSV und das Team USA verbindet. Erstens, weil die Geschicke der Amerikaner maßgeblich von Österreichern geleitet werden - durch Patrick Riml, den Alpindirektor, durch Alex Hödlmoser, den Frauen-Cheftrainer, oder durch Andreas Evers, den Speedtrainer der Männer. Und zweitens, weil diese Österreicher sehr erfolgreich sind. Die amerikanischen Frauen sind das beste Speed-Team der Welt, und insgesamt standen neun Amerikaner in diesem Weltcup-Winter auf dem Podium. 15 Siege und 24 Podestplätze schaffte das Team und das ohne die Leitfigur Bode Miller, die wegen einer Knieoperation die gesamte Saison ausfällt. Bei der WM in Schladming mussten die Amerikaner auch noch den Sturz von Lindsey Vonn verkraften - und gewannen trotzdem dank Gold durch Ted Ligety und Bronze durch Julia Mancuso als einzige Nation schon zwei Medaillen. Österreich II ist derzeit die Nummer eins.

Schlangestehen für Training in Copper Mountain

Das hat mit Ausnahmeathleten wie Ligety zu tun - aber eben nicht nur, wie die Erfolge der Abfahrerinnen zeigen. „Wir haben mit Lindsey Vonn und Julia Mancuso zwei ,big guns’ in der Mannschaft, bei denen die anderen im Training wissen: Wenn wir so schnell fahren wie sie, sind wir im Weltcup auf dem Stockerl“, sagt Hödlmoser. „Diese Konstellation, dass einige Leute sehr dominant sind, hat andere Mannschaften schon ruiniert. Aber unsere Stars sind gut in die Mannschaft integriert und helfen auch den Jüngeren.“ Der Zusammenhalt ist in keinem Team so wichtig wie im amerikanischen - während Deutsche, Schweizer oder Österreicher zwischen den Rennen in Europa mal ein, zwei Tage zu Hause verbringen können, geht das bei den Amerikanern nicht. „Wir verbringen sehr viel Zeit miteinander“, sagt Hödlmoser, „da ist es wichtig, dass wir einen guten Teamspirit haben.“ Auf der anderen Seite heißt das, dass sich die Jüngeren stets am professionellen Arbeiten einer Lindsey Vonn orientieren können. „Wenn man sagt: ,Okay, ich mach jetzt mal einen Mittagsschlaf’, sieht dann aber, dass die Lindsey zwei Stunden auf dem Rad sitzt, dann weckt das schon ein bisschen auf“, sagt Hödlmoser. „Das zeigt: Es gibt noch ein anderes Level.“

23116737 © AFP Vergrößern Slalomentdeckung: die erst 17 Jahre alte Mikaela Shiffrin

In der Speedsparte profitieren die Amerikaner zudem von den erstklassigen Bedingungen im Trainingszentrum in Copper Mountain im Bundesstaat Colorado. Dort steht ihnen eine perfekt ausgestattete und gesicherte Trainingsstrecke auf Weltcup-Niveau zur Verfügung. „Im Speed Center können wir jedes Training unter Rennbedingungen fahren, das ist ein gewaltiger Vorteil“, sagt Stacey Cook, in den Abfahrten von Lake Louise zweimal Zweite. Nicht umsonst stehen andere Nationen Schlange für Trainingszeiten in Copper Mountain. „Vor allem jüngere Fahrer kommen so ein bisschen schneller zur Spitze, weil sie die Möglichkeit haben, schnelle Läufe zu fahren, ohne dass sie Angst haben müssen, dass es an der Sicherheit fehlt“, sagt Hödlmoser. Auch in Sachen Nachwuchs ist im Verband viel in Bewegung geraten, die Trainerausbildung etwa und die Strukturen in Klubs und Regionen.

„Ein unglaubliches Talent“

In Park City in Utah entstand eine Elite-Ski-Akademie, in der gezielt und in kleinen Gruppen mit elf bis fünfzehn Jahre alten Talenten gearbeitet wird. Ein amerikanischer Teenager hat schon in diesem Winter die Slalom-Welt durcheinandergewirbelt: Die 17 Jahre alte Mikaela Shiffrin gewann drei Weltcup-Rennen und führt die Slalom-Wertung an. „Sie ist ein unglaubliches Talent, sehr reif für ihr Alter“, sagt Hödlmoser. „Und sie lernt unglaublich schnell. Da brauchst du im Training nur irgendwas sagen, sie spürt das, und im nächsten Lauf macht sie es anders.“ Schon jetzt ist sie für Hödlmoser „im Slalom neben Marlies Schild die technisch stärkste Fahrerin“ - und die Österreicherin ist immerhin aktuelle Weltmeisterin.

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In Schladming wird Mikaela Shiffrin erst kommende Woche eingreifen. An diesem Freitag steht erst die Super-Kombination an, am Sonntag die Abfahrt - mit Julia Mancuso. Sie gewann im Super-G schon ihre achte Medaille, immer wieder ist sie bei Großereignissen erfolgreich, trotz Anspannung, Trubel, Druck. „Sie ist cool genug, sie berührt das relativ wenig“, sagt Hödlmoser. Rang drei im nervenzehrenden, vom Schock nach Vonns Sturz geprägten Super-G war der beste Beweis. Für Hödlmoser hat die Unbekümmertheit der Amerikaner auch damit zu tun, dass die Erwartungen im eigenen Land längst nicht so hoch sind wie anderswo - in Österreich etwa. „Da tut man sich vielleicht ein bisschen leichter.“ Das könnte in zwei Jahren etwas anders aussehen: Da findet die WM in Vail/Colorado statt.

Quelle: F.A.Z.

 
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